„Geld im Griff“: Initiative fördert Finanz- und Konsumkompetenz junger Migranten

28.Mai 2021

Die Initiative soll jungen Migranten zusätzlich zum Spracherwerb Finanz- und Konsumkompetenz vermitteln und ihnen dadurch die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in Österreich erleichtern.

Die neu erschienenen Lernunterlagen zum Thema „Arbeitssuche“ sind aufgrund der pandemiebedingten prekären Arbeitsmarktsituation aktuell besonders wertvoll, denn gerade in dieser Zielgruppe wurde ein dreifach so hoher Rückgang der Erwerbsquote verzeichnet. Generell zeigt sich: Der Bedarf an wirtschaftlichem Orientierungswissen steigt. Mit der Initiative „Geld im Griff“ von Erste Financial Life Park (FLiP) und dem Verein „the CONNECTION“ soll jungen Migranten dabei geholfen werden ihre Finanz- und Konsumkompetenz zu verbessern.

„Wirtschaftliche und finanzielle Lebensbildung sind wesentliche Bausteine. Gerade in Sachen Integration muss dieses Bewusstsein noch mehr gefördert werden“, so Philip List, Leiter des FLiP. Denn durch die Pandemie hat sich die allgemeine Situation für Migranten in Österreich weiter verschärft. Wie aktuelle Untersuchungen zeigen, ist diese Bevölkerungsgruppe in der Regel nicht nur gesundheitlich stärker betroffen, sondern auch ökonomisch. Gerade am Arbeitsmarkt trifft die aktuelle Situation Menschen mit Migrationshintergrund besonders hart.

„Die pandemiebedingte Arbeitslosigkeit traf und trifft zugewanderte Beschäftigte heftiger als inländische, unter anderem deshalb, weil Migranten mit Tourismus und Gastronomie sehr stark in jenen Branchen tätig sind, die besonders massiv von den Corona-Einschränkungen betroffen waren und sind. Generell kann festgehalten werden, dass wir in Österreich einen stark nach Herkunft segregierten Arbeitsmarkt haben“, so Migrationsforscherin Judith Kohlenberger vom Institut für Sozialpolitik der WU Wien. Untermauert wird dies durch die Tatsache, dass ein in etwa doppelt so hoher Rückgang der Erwerbsquote bei ausländischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern im Vergleich zu österreichischen zu erkennen war. Bei Menschen, die nicht in Österreich geboren sind, aber hier arbeiten, ist der Rückgang sogar fast drei Mal so stark wie bei hier Geborenen.

Arbeitssuche im Griff

Für die Bewältigung des Alltags in der Arbeits- und Behördenwelt ist neben der Sprache auch Orientierungswissen entscheidend. Hier setzen FLIP und „the CONNECTION“ mit der neuen Ausgabe von „Geld im Griff“ zum Thema „Arbeitssuche“ an. List: „Wir wollen mit der neuen Publikation einen kleinen Beitrag leisten, um jungen Migrantinnen und Migranten den Weg zum Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Gerade in der jetzigen pandemiebedingten Situation, sind junge Menschen mit Migrationshintergrund bei der Arbeitssuche mit besonderen Herausforderungen konfrontiert.“

Die 50-seitige Publikation bietet Hintergrundwissen, praktische Anleitungen und Tipps, und beantwortet Fragen wie: Wie finde ich meinen Traumberuf? Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Brutto- und Nettoverdienst? Worauf kommt es bei Bewerbungsschreiben an? Was ist ein Dienstvertrag und vieles mehr. „Mit der Lernunterlage ist es uns gelungen, das Thema Arbeitssuche praxisnah aufzubereiten, damit es im Unterricht und darüber hinaus Anwendung finden kann“, erklärt Simone Uebelhart vom Verein „the CONNECTION“.  

„Orientierungswissen“ fördern

Aber nicht nur die angespannte Situation am Arbeitsmarkt stellt für Migrantinnen und Migranten eine enorme Herausforderung dar, sondern auch Themen wie Bildungsvererbung, mangelndes Sozialkapital und fehlendes Orientierungswissen. Kohlenberger: „Sogenanntes Orientierungswissen – wie etwa über Wohnungs- und Jobsuche – ist ein wesentlicher Faktor für gelingende Integration, soziale Mobilität und wirtschaftlichen Erfolg. Dieses Wissen fehlt Neuankommenden in beträchtlichem Ausmaß, ist aber ganz generell bei jungen Menschen oft noch nicht vorhanden.“

Die Lebenschancen junger Menschen nachhaltig zu verbessern und für mehr Chancengleichheit zu sorgen, hat sowohl für „the CONNECTION“ als auch das FLiP oberste Priorität. Ziel der „Geld im Griff“-Initiative ist es, dieses Orientierungswissen durch die gezielte Vermittlung von Finanz- und Wirtschaftskompetenz zu unterstützen und auf diesem Weg allen Jugendlichen die gleichen Startchancen zu ermöglichen. Gemeinsam mit Valerie Mühlenberg, Gründerin des Vereins „the CONNECTION“ entwickelt das Team des FLiP seit 2018 Unterrichtsmaterialien speziell für junge Migranten. Mit dem neuen Band über Arbeitssuche gibt es bereits drei Bände der „Geld im Griff“-Reihe. Die ersten beiden Ausgaben widmen sich den Themen „Mein Geld“ und „Wohnungssuche“. Der vierte Band zum Thema „Verträge“ soll Ende 2021 erscheinen. Bisher konnten über 2.100 gedruckte Ausgaben an die Zielgruppe vermittelt werden.

„Geld im Griff“: Bedarf an Wirtschafts- und Finanzbildung steigt

Dass der Bedarf an wirtschaftlichem Orientierungswissen steigt, zeigt auch die Nachfrage. Die Lernmaterialien, welche ursprünglich für den Neuanfang junger Migranten entwickelt wurden, verwenden mittlerweile auch die unterschiedlichsten Schulen und Institutionen im Unterricht (u.a. Berufsschulen, Volkshochschulen, Polytechnische Schulen, Neue Mittelschulen, Jugend am Werk).

Mit 1. Juni 2021 öffnet das FLiP am Erste Campus unter Einhaltung aller Covid-19 Regeln auch wieder seine Pforten. „Somit können wir unserem Ziel, die finanziellen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen zu verbessern, auch wieder intensiv nachgehen. Die Nachfrage nach den interaktiven Touren ist groß. Wir freuen uns darauf, endlich wieder junge Menschen im FLiP begrüßen zu können“, so List.