Cryptocurrencies: Was hat es mit Altcoins und Elon Musk auf sich?

14.Mai 2021

Laut der Branchenseite Coinmarketcap gibt es mittlerweile 9.666 Krypto-Währungen mit einer Markkapitalisierung von 2 Billionen Euro. Bitcoin dominiert nach wie vor die Kryptoszene mit einem Marktanteil von 45 Prozent.

Mit einer Jahresperformance von knapp 100 Prozent (Stichtag 10.5.2021) liegt Bitcoin auch gut im Rennen. Dennoch steht die Leitwährung derzeit im Schatten vieler alternativer Cryptocurrencies, auch Altcoins genannt. Das kann man am besten am Markt-Dominanz-Chart erkennen, wonach diese zu Jahresbeginn noch bei über 70 Prozent gelegen ist. Doch der Reihe nach, was sind Altcoins? Diese Frage ist leicht zu beantworten: alle „Anderen Coins“ aus Sicht des Bitcoins. Wenn der Bitcoin-Dominanz Kurs fällt deutet es darauf hin, dass die Altcoins besser performen und das offensichtlich in einem beachtlichem Ausmaß, wenn der Trend steil nach unten verläuft. Exemplarisch möchte ich in diesem Blog auf zwei Coins eingehen, den Ether und den Dogecoin.

Ethereum ist dem Bitcoin auf den Fersen

Die Ethereum Blockchain erlebt derzeit ein Hoch. Ethereum ist eine Art Plattform-Blockchain, auf der zahlreiche dezentrale Applikationen entwickelt wurden. Allen voran sind hier die DeFi (dezentrale Finanz) Apps zu nennen, wie z.B. Maker, Uniswap oder Aave. Diese Applikationen erlauben das Verleihen/Leihen (Lending) von diversen Coins bzw. den Tausch diverser Coins (dezentrale Börsen) ohne Mittelsmänner.

Damit diese Applikationen funktionieren, müssen Krypto Währungen hinterlegt werden (Pooling Staking). Der Wert aller hinterlegten Coins ist in weniger als einem Jahr von unter einer Milliarde Euro auf rund 70 Milliarden Euro gestiegen. Dazu kommt, dass jede Transaktion Kosten verursacht, diese werden mit Ether beglichen.

Neben DeFi ist auch der NFT Hype zu erwähnen, der ebenfalls Großteils auf der Ethereum Plattform abgewickelt wird. NFTs (non fungible Tokens) unterscheiden sich im Gegensatz zu herkömmlichen Coins, wo alle gleich sind, dadurch dass jeder Coin ein Unikat ist. Dies wurde vor allem genutzt um digitale Kunstwerke zu tokenisieren. Aber auch kleine Videos mit NBA Höhepunkten stehen hoch im Kurs. Selbst renommierte Auktionshäuser wie Sotheby haben sich bereits dem Thema gewidmet. Im April 2021 wurden auf diese Weise knapp 17 Mio. Dollar umgesetzt.

Ebenfalls zu erwähnen ist die Europäische Investment Bank, die vor kurzem die erste digitale Bondemission auf einer öffentlichen Blockchain (eben Ethereum) abgewickelt hat. 

Transaktionskosten von Ethereum angestiegen

Angesichts der rapiden Zunahme von Anwendungen ist es nicht verwunderlich, dass die Transaktionskosten auf Ethereum massiv angestiegen sind. Kleinanleger können sich Kosten von 50 bis 150 Euro kaum noch leisten, weshalb Alternativen zu Ethereum wie Polkadot oder Cardano zwischenzeitliche Höhenflüge erlabt haben.

Ethereum hat aber mit einem Update der Blockchain reagiert (EIP 1559) wonach die Kosten neu geregelt werden sollen (zum Missfallen der Miner), das auf einer Basefee basiert. Zudem wird die Anstiegsrate von „neuen“ Ether deutlich reduziert und Teile der Ether Transaktionen werden „verbrannt“, also vernichtet. Außerdem steht in ansehbarer Zeit der Wechsel von Proof of Work zu Proof of Stake bevor, der deutlich energieschonender Blöcke bildet.

All diese Faktoren haben dazu beigetragen, dass Ether im Jahr 2021 den Bitcoin-Kurs deutlich hinter sich ließen. Mit einer Performance von 461 Prozent (Stichtag 10.5.21) schlägt sich Ethereum sehr gut. Die Marktkapitalisierung nähert sich damit der 400 Milliarden Euro-Grenze.

Dogecoin: Spielball von Social Media Pump and Dump

Von wegen Starperformer Ether. Dogecoin schlägt mit einer Year-to Date Performance von 10,500 Prozent alle anderen bei weitem.  Doch was steckt hinter Dogecoin? Ursprünglich wurde der Coin als Spaß-Kryptowährung (Meme) bereits 2013 veröffentlicht, quasi als Parodie auf Bitcoin. Mit einer Marktkapitalisierung von 55 Milliarden Euro kann man aber schwerlich von einem Witz sprechen. Das Logo der Münze zeigt einen Shiba, eine japanische Hunderasse.

Dogecoin ist ein Fork (Abspaltung) von Litecoin. Ein wesentlicher Unterschied zu Bitcoin ist die große Anzahl von 100 Mrd. Coins die geprägt werden können. Damit ist Dogecoin im Gegensatz zu Bitcoin kein „seltenes Gut“. Dogecoin möchte sich auch gar nicht mit Bitcoin messen. Während bei Bitcoin eher größere Transaktionen abgewickelt werden, soll Dogecoin für Kleinstüberweisungen verwendet werden. Von einer flächendeckenden Anwendung sind wir freilich noch weit entfernt.

Vielmehr ist Dogecoin derzeit ein Spielball von Social Media Pump and Dump-Aktionen, an der sich auch Elon Musk als Liebhaber des Coins beteiligt. Wenn er in einem Tweet davon spricht, dass „Dogecoin die Zukunft der Kryptowährungen sein könne (7.5.2021), kann es passieren, dass der Coin innerhalb weniger Stunden um 40 bis 50 Prozent steigt.

Wer Elon Musk kennt weiß, dass er mit seinen Äußerungen sehr wankelmütig sein kann. Bereits ein Tag nachdem er Dogecoin eine rosige Zukunft bescheinigt hat, bezeichnet er in einer Fernsehshow den Coin als „hustle“ (Abzocke, Schwindel). Dogecoin hat darauf mit einem Minus von 40 Prozent innerhalb eines Tages reagiert.

Kurze Zeit später berichtet ein Unternehmen von Musk, SpaceX und das kanadische Unternehmen Geometric Energy, dass sie eine Raumfahrtmission im Jahr 2022 planen, welches zur Gänze in Dogecoin bezahlt werden soll. Das Wechselbad an positiven und negativen Nachrichten führt dazu, dass Dogecoin eine hohe Volatilität aufweist.

Altcoins: Gruppen organisieren sich auf Reddit

Dazu gesellen sich auf Social Media Plattformen wie Reddit oder TikTok Gruppen (r/wallstreetbets), die diverse Coins pushen, nur um sie wenig später zu verkaufen. Man kennt diese Aktionen bereits von Robin Hood und Gamestop.

Ich möchte mit diesen beiden Beispielen darauf aufmerksam machen, dass es bei Crypto-Assets zu starken Kursbewegungen kommen kann, die zum Teil auf fundamentale Gründe zurückzuführen sind, wie z.B. beim Ether. Bei anderen Coins sind die Gründe aber eher fragwürdig. Dies ist nicht allein auf die Krypto Welt beschränkt. Wir kennen diese Bewegungen auch auf dem Aktienmarkt als die Aktien von Gamestop in wenigen Tagen um 2.000 Prozent gestiegen sind.

Fazit

Dies macht deutlich, dass Social Media einen starken Einfluss auf diverse Kursbewegungen haben kann, das trifft sowohl bei Aktien zu als auch bei diversen Kryptowährungen, wie wir sie derzeit bei Dogecoin erleben. Nur sind Aktien (noch) stärker reguliert als Krypto-Währungen, damit ist ein Eingreifen der Regulierungsbehörden bei Kryptowährungen derzeit eher selten. Jeder Anleger sollte sich dieser Tatsache bewusst sein und wie bei Aktien auch bei Krypto-Währungen eigenständiges Research betreiben und nicht blind einem Celebrity im Social Netz folgen.

Wichtige rechtliche Hinweise: Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Bitte beachten Sie, dass hinter Kryprowährungen ein enorm hoher und sehr komplexer technischer Aufwand steht, der von Anlegern nicht unterschätzt werden darf.

Der Autor Harald Egger ist Chief Analyst und Crypto Asset Specialist bei der Erste Asset Management.