Insolvenzen so niedrig wie zuletzt vor 30 Jahren

29.März 2021

Die Insolvenzen bleiben voraussichtlich auch 2021 auf künstlich niedrigem Niveau. Grund dafür sind die Maßnahmenpakete, um die Folgen der Covid-19-Pandemie abzufedern. Die Insolvenzentwicklung sei derzeit aber nicht von Marktmechanismen, sondern von der weiteren Entwicklung und dem Fortbestand der Unterstützungsmaßnahmen abhängig. Zu diesem Schluss kommt die Kreditversicherung Acredia.

Die Insolvenzen bleiben voraussichtlich auch 2021 auf künstlich niedrigem Niveau. Der Grund dafür sind die umfangreichen Maßnahmenpakete, um die Folgen der Covid-19-Pandemie für die Unternehmen teilweise abzufedern. Mit der Verlängerung und Ausweitung dieser Maßnahmen Ende 2020 erwartet die Kreditversicherung Acredia für 2021 eine ähnliche Entwicklung wie im Vorjahr. „Wir hatten in den ersten beiden Monaten 2021 bei den eröffneten Insolvenzen ein Minus von 60 Prozent gegenüber 2020“, sagt Acredia-Expertin Marina Machan. „Unter der Annahme, dass die Unterstützungsmaßnahmen der Bundesregierung noch bis zum Ende des Sommers weitergehen und sich dieser Trend bis dahin so fortsetzt, könnte das Jahr 2021 ein Minus von 39 Prozent bringen. Das entspricht der Größenordnung aus dem Vorjahr“, so Machan weiter. Acredia legt diesem Szenario einen deutlichen Anstieg der Insolvenzen im letzten Quartal 2021 zugrunde. Für 2022 prognostiziert der heimische Marktführer aktuell einen Insolvenz-Zuwachs von 25 bis 27 Prozent gegenüber 2019. „Wir gehen dabei von zwei Effekten aus: Einmal ein Nachholeffekt und dann die durch die Pandemie bedingten Insolvenzen“, so Machan.

Insolvenzen: Entwicklung hängt nicht vom Markt, sondern von Hilfsmaßnahmen ab

„Es ist paradox: Trotz einer der größten Wirtschaftskrisen sind Insolvenzen in Österreich so niedrig wie zuletzt vor 30 Jahren“, sagt Acredia-Vorstand Ludwig Mertes. „Das zeigt, wie stark die Insolvenzentwicklung von der tatsächlichen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und dem aktuellen Zustand der Unternehmen entkoppelt ist. Die Insolvenzentwicklung ist derzeit nicht von Marktmechanismen, sondern von der weiteren Entwicklung und dem Fortbestand der Unterstützungsmaßnahmen abhängig. Das wird nicht ewig so weitergehen – ein unmittelbarer und sprunghafter Anstieg ist aber noch nicht in Sicht.“

Für Österreichs wichtigsten Exportmarkt Deutschland prognostiziert Euler Hermes in einer aktuellen Analyse einen Zuwachs der Insolvenzen im Jahr 2021 von 6 Prozent, allerdings erst ab dem zweiten Halbjahr und von sehr niedrigem Niveau kommend. Erst im Laufe von 2022 dürften die deutschen Pleiten um rund 15 Prozent zunehmen. Die Fallzahlen 2022 dürften dann jedoch nur etwa 4 Prozent höher liegen als 2019, vor der Pandemie. Das entspricht in etwa dem Niveau von 2017.

Empfehlung: Finanzen genau im Blick behalten und strategische Weichen stellen

„Gerade jetzt ist es wichtig, dass die Unternehmen einerseits ihre Finanzen ganz genau im Blick behalten und andererseits heute schon strategische Weichen für die Zukunft stellen“, betont Mertes. „Das ist manchmal ein Spagat, denn nicht alle Unternehmen haben aktuell genügend Spielraum für Investitionen. Jede Krise birgt aber auch Chancen. Das Wirtschaftsklima in Österreich entwickelt sich positiv und auch die heimischen CEOs zeigen sich in einer aktuellen Befragung so optimistisch wie nie zuvor und beweisen Mut zum unternehmerischen Handeln.“

Die wichtigsten Links von Behörden und Institutionen für Unternehmen rund um das Coronavirus finden sich hier.