Vorarlberg: Wirte öffneten aus Liebe zum Gast

16.März 2021

Bei nasskaltem Spätwinterwetter haben am Montag die Vorarlberger Wirte nach mehreren Monaten des Geschlossenhaltens ihre Betriebe wieder geöffnet und Gäste bewirtet.

Negativer Coronatest als Zutrittsbedingung, kein Abendbetrieb, großer Tischabstand, das waren die die Rahmenbedingungen für die Wirte, um Aufsperren zu können. Laut einer Befragung der Wirtschaftskammer sperrte nur jeder dritte Gastronomiebetrieb auf. Zehn Gäste zählte das „Cuenstler“ am Bregenzer Kornmarkt zwischen 8.00 und 9.00 Uhr – üblicherweise sind es drei Mal so viele. Im Café von Stephen Bolter trifft man sich morgens vor der Arbeit zum schnellen Kaffee. Bolter hat offen „nicht wegen des Umsatzes, sondern weil ich wieder arbeiten möchte“. Bei Restaurants mit hohem Personalaufwand zahle sich das Öffnen nicht aus. Aufmachen könne man nur, wenn man „ein beinharter Betriebswirt ist und eine leidenschaftliche Gastgeberin“, sagt Andrea Kinz, die Chefin des historischen Wirtshauses „Zum Goldenen Hirschen“. Man müsse scharf kalkulieren, konkret heißt das: Vier-Tage-Woche mit kleinem Team und eingeschränkte Speisekarte.

Ein ähnliches Bild zeichnete sich in Lustenau ab. Die Cafe Bar „iTaly“ war eines der wenigen geöffneten Lokale im Zentrum. Ein Stammgast und ein älteres Ehepaar sitzen beim Kaffee, ein Mann beim Bier. Er sei auch in der Gastronomie angestellt, so der Biertrinker, sein Chef habe aber nicht aufgesperrt. Er überlegt einen Branchenwechsel: „Es hängt zwar mein Herzblut dran, aber man muss ja auch leben.“ Im Café König kann Inhaberin Eva Piringer aufgrund des festgelegten Zwei-Meter-Abstands nur zehn von 17 Tischen bewirten. „Es ist viel Aufwand für einen Kaffee. Ich fühle mich wie die Polizei. Bin ich Wirtin oder Verwaltungsangestellte?“, sagt sie über die Auflagen und die Kontrollen.

Wirte bestens vorbereitet

Auch wenn die Wirte die Auflagen als hart empfinden, so waren sie bestens vorbereitet und hielten sich daran. Beim Hauseingang des Bregenzer Restaurants „Kornmesser“ stand eine Mitarbeiterin, die Registrierungen entgegennahm und die Tests kontrollierte. Kinz begrüßte jeden Gast persönlich und kontrollierte dabei die Testformulare – die Antigentests müssen negativ und dürfen nicht älter als 48 Stunden sein. Die meisten Gäste machten bereitwillig mit, auch wenn die Regeln nicht für alle klar waren: „Kann ich auch einfach so rein, ohne Test?“, wurde etwa in einem Restaurant in Dornbirn gefragt. Letzten Endes mussten auch Personen abgewiesen werden.

Für viele der Gäste war der negative Antigentest jedoch keine abschreckende Hürde. Manche mussten ohnehin wegen eines Termins oder beruflich zum Testen, andere holten sich gezielt zum Kaffeetrinken einen Testtermin: „Ich lebe allein, ich war jetzt ein Jahr lang praktisch eingesperrt – heute könnte ich die ganze Welt umarmen. Man braucht einfach Menschen“, so eine 77-jährige Pensionistin.

Wäre er jünger, hätte er wahrscheinlich schon umgesattelt, sagte Elmar Mäser, der als Einzelunternehmer einen Getränkehandel betreibt und am Montag erste Fuhren hatte. 70 bis 80 Prozent seiner Kunden öffnen nicht, sagte Mäser. Grund dafür sei die frühe Sperrstunde. Der Kleinunternehmer lebt seit Monaten von seinen Rücklagen. An Förderung hat er in den zwölf Monaten seit dem ersten Lockdown 3.500 Euro erhalten.

Hoffen auf Normalität

Gemeinsam war allen befragten Gastgebern die Hoffnung auf einen ganz normalen Geschäftsbetrieb. Bis dahin müsse man sich mit dem „neuen Alltag“ zufriedengeben, sagte Andrea Kinz.

Die Wirte hinter dem Arlberg haben das Ostergeschäft hingegen bereits abgehakt. Eine österreichweite Öffnung der Gastgärten noch vor Ostern ist sozusagen vom Tisch. Man sei mit Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) so verblieben, dass man 14 Tage vorher Bescheid bekomme. Bisher gebe es noch kein Signal in Richtung Öffnung, sagte Gastronomie-Obmann Mario Pulker am Montag zur APA. Die Regierung hatte die für geplanten Beratungen über Lockerungen wegen der steigenden Infektionszahlen verschoben.

Während in Vorarlberg die Gasthäuser nach 19 Wochen aufsperren durften, bleiben sie im Rest Österreichs weiter geschlossen. Und Hotels dürfen weiter nur Gäste beherbergen, die sich aus beruflichen Gründen dort aufhalten. Auch für weite Teile der Kultur und den Sportbereich gelten seit Anfang November Einschränkungen. Die Hoteliers rechnen ebenso wenig wie die Wirte außerhalb Vorarlbergs damit, dass das Betretungsverbot noch vor Ostern Anfang April fällt. (APA/red)

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