Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Standards fehlen

11.März 2021

Die Gleichbehandlungsanwaltschaft ortet bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den Unternehmen Nachholbedarf beim Schutz vor Elterndiskriminierung und entwickelt Schulungen für Unternehmen.

Teilzeitmodelle, flexible Arbeitszeit und Entgegenkommen bei Termin- und Urlaubsplanung – für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind derartige Maßnahmen essenziell. Fehlen Standards für ein professionelles Vereinbarkeitsmanagement, wird das Thema oft einzelnen Führungskräften überlassen. Dann sind Eltern von deren „Goodwill“ abhängig. Zu dsiesem Ergebnis kommt eine Befragung der L&R Sozialforschung von 52 Unternehmensvertretern im Rahmen des EU-Projekts „parents@work“.

„Das Gleichbehandlungsgesetz schützt Eltern vor Diskriminierung am Arbeitsplatz, in der Praxis sind es jedoch oft die Vorgesetzten, die entscheiden. Haben diese genderstereotype Vorstellungen, kann dies zu Elterndiskriminierung führen etwa, wenn davon ausgegangen wird, dass Väter maximal drei Monate in Karenz gehen und ihre Vertretung selbst zu organisieren haben“, erklärt Sandra Konstatzky, Leiterin der Gleichbehandlungsanwaltschaft.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Neues Schulungsangebot

Die Gleichbehandlungsanwaltschaft berät durchschnittlich 80 von Diskriminierung betroffene Eltern pro Jahr. Aus der vorliegenden Befragung entwickelt die staatliche Einrichtung zur Durchsetzung des Rechts auf Gleichbehandlung und Gleichstellung derzeit Schulungen für Unternehmen zur professionellen Abwicklung von Vereinbarkeitsthemen. Ziel ist es, das Wissen um Rechte und Pflichten der Unternehmen im Bereich Vereinbarkeitsmanagement zu stärken, und damit Elterndiskriminierung vorzubeugen. „Mit dem ersten einer Reihe von neuen Video-Clips auf unserer Website soll dieses Angebot der Gleichbehandlungsanwaltschaft bekannter werden“, ergänzt Konstatzky.

„Auch, wenn Maßnahmen wie Teilzeitbeschäftigung und flexible Arbeitszeiten mittlerweile vielerorts etabliert sind, so fehlt häufig ein professionelles Vereinbarkeitsmanagement“, zeigt Konstatzky ein gängiges Problem bei Arbeitgebern in Österreich auf. Damit gemeint sind zum Beispiel Leitfäden zur Etablierung von Vereinbarkeitsstandards und die Einrichtung einer Ansprechstelle für Arbeitnehmer mit Kinderbetreuungspflichten. „Außerdem möchten wir dazu beitragen, dass Vereinbarkeitsthemen grundsätzlich als Chance für jedes Unternehmen wahrgenommen werden, denn Eltern bringen wichtige Kompetenzen und Erfahrungen im Beruf ein.“

EU-Projekt parents@work

Die Gleichbehandlungsanwaltschaft und das Forschungsinstitut L&R Sozialforschung befragen in Österreich (sowie Schwesternorganisationen in Kroatien) von Mai 2019 bis Mai 2021 zunächst betroffene Eltern zu ihren Diskriminierungserfahrungen am Arbeitsplatz, in einer zweiten Erhebungsphase (2. HJ 2020) Unternehmen zu ihrem Umgang mit Vereinbarkeit. Ziele des Projektes sind Bewusstseinsbildung und Formulierung von Strategien zum Abbau von Elterndiskriminierung am Arbeitsplatz.