Hoher Aufholbedarf bei Finanzrealität der Frauen

03.März 2021

Noch immer sind 30 Prozent der Frauen auf eine finanzielle Unterstützung angewiesen und für drei Viertel aller Frauen ist finanzielle Unabhängigkeit ein sehr großes Anliegen. Zudem würden 27 Prozent der Frauen mehr in Wertpapiere investieren, wenn sie mehr Wissen dazu hätten. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie von IMAS, die im Auftrag der Erste Bank und Sparkassen durchgeführt wurde.

Mit der Finanzrealität der Frauen in Österreich steht es nicht zum Besten. Im Vergleich zu Männern verdienen Frauen um 20,4 Prozent weniger, ihre Teilzeitquote beträgt 47,7 Prozent und die durchschnittliche Alterspension der Österreicherinnen liegt nur bei 1.064 Euro im Monat – das ist deutlich unterhalb der Armutsgrenze von derzeit 1.259 Euro pro Monat. „Die vielen Faktoren, die Frauen in Österreicher schlechter stellen als Männer, führen leider dazu, dass man sich hierzulande um die finanzielle Gesundheit der Frauen wirklich sorgen machen muss“, sagt Gerda Holzinger-Burgstaller, Vorstandsvorsitzende der Erste Bank.

Angesichts der 4,49 Millionen Bürgerinnen, die insgesamt in Österreich leben, muss man sich diesen Problemen aktiv stellen. „Es ist nicht einzusehen, dass vornehmlich Frauen die Kindererziehung in Österreich übernehmen, aber die Versicherungsverläufe dadurch Lücken aufweisen und sich das in niedrigeren Pensionen und einem höheren Armutsrisiko niederschlagen“, so Holzinger-Burgstaller. Zum Beispiel entfiel der Equal Pension Day im Jahr 2020 auf den 30. Juli – das ist jener Tag, an dem Männer bereits so viel Pension erhalten haben, wie Frauen bis Jahresende erhalten werden. Anders gesagt: Frauen erhalten im Schnitt um 42 Prozent weniger Pension als Männer.

Finanzrealität: Frauen wollen finanzielle Unabhängigkeit

„Gerade vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Lebensläufe mit langen Karenzzeiten, Teilzeitarbeit sowie des daraus resultierenden Gender Pay Gaps müssen sich Frauen finanziell besser aufstellen und für die Zukunft vorsorgen. Wichtig ist, dass sie sich selbst aktiv um ihre finanzielle Gesundheit kümmern. Zudem sollten sie sich angesichts einer Scheidungsrate von über 40 Prozent in Österreich auch nicht auf den Partner verlassen“, sagt Holzinger-Burgstaller.

Laut einer aktuellen Studie von IMAS im Auftrag der Erste Bank und Sparkassen mit 1.350 Österreicherinnen und Österreichern ist 77 Prozent der Frauen eine finanzielle Unabhängigkeit von ihrem Partner, Eltern sowie Kindern „sehr wichtig“. Bei den Männern sehen dies nur 64 Prozent so. „Gleichzeitig sind Frauen deutlich häufiger auf eine finanzielle Unterstützung durch ihre Familie angewiesen“, sagt Holzinger-Burgstaller. Während bei den Frauen 30 Prozent auf finanzielle Zuwendungen durch ihre Familie angewiesen sind, sind es bei den Männern nur 14 Prozent.

Beide Geschlechter sehen Finanzbildung als ein Muss

Für 82 Prozent der Frauen und 79 Prozent der Männer steht jedenfalls fest, dass ein besseres Finanzwissen heute ein absolutes Muss ist. 89 Prozent wollen Finanzbildung in Pflicht- und weiterführenden Schulen, 82 Prozent auf den Universitäten. 67 Prozent wünschen, dass Banken und Sparkassen dieses Wissen vermitteln. Aus der Studie geht auch deutlich hervor, dass Frauen mit 41 Prozent etwas offener für Beratung sind als Männer (32 Prozent). Holzinger-Burgstaller: „Diese Bildungs-Verantwortung nehmen wir mit den unterschiedlichsten Angeboten wahr, denn finanzielles Unwissen behindert das soziale, ökonomische und kulturelle Leben.”

Sparen ist für Frauen tendenziell etwas wichtiger als für Männer. So geben 54 Prozent der Frauen an, dass ihnen Sparen „sehr wichtig“ ist, aber nur 49 Prozent der Männer sind dieser Meinung. Während Frauen am häufigsten Geld für ihre Kinder (55Prozent) sowie für ihre Enkel, Paten oder sonstige nicht eigene Kinder (31Prozent) bei Seite legen, sparen Männer häufiger Geld für ihre Partnerin (47Prozent). Corona-bedingt ist auch die Sparquote in den letzten zwölf Monaten deutlich angestiegen.

Frauen setzen auf Sicherheit

Thomas Schaufler, Privatkundenvorstand der Erste Bank: „Sparen ist im Kerncharakter aller Menschen verankert, aber bei der Produktauswahl zeigt sich ein Geschlechterunterschied. Frauen bevorzugen mehr Sicherheit bei der Geldanlage, während Männer risikoreicher unterwegs sind.“ Die Österreicherinnen und Österreicher greifen trotz Nullzinsphase und Inflation vor allem zu Sparbuch (Frauen 76 Prozent; Männer 71 Prozent), Bausparer (Frauen 59 Prozent; Männer 50 Prozent) und Lebensversicherungen (Frauen 47 Prozent; Männer 48 Prozent). Aber Wertpapiere nutzen laut Studienergebnissen nur 36 Prozent der Frauen, aber 40 Prozent der Männer.

„Erfreulich ist, dass 27 Prozent der Frauen und 30 Prozent der Männer mehr in Wertpapiere investieren würden, wenn sie mehr Wissen dazu hätten. Hier gibt es mittlerweile ein großes Umdenken und die Österreicherinnen und Österreicher erkennen, dass in einer Niedrigzinsphase wie wir sie seit Jahren erleben, mit dem Sparbuch wertvolles Geld verpufft wird“, so Schaufler, und: „2020 wurden bei uns 55.000 Wertpapier-Depots eröffnet und das Volumen ist auf 27 Milliarden Euro gewachsen. Insgesamt konnten wir im vergangenen Jahr 26.000 neue Wertpapierkundinnen und -kunden gewinnen.“

Wer spart verliert, wer veranlagt gewinnt

Leider lässt sich heute mit dem Sparbuch aufgrund der niedrigen Zinsen kein Geld mehr verdienen. Das zeigt ein Vergleich. Bei einer zehnjährigen Veranlagung von 10.000 Euro auf einem Sparbuch mit einer Verzinsung von 0,28 Prozent kommen am Ende der Laufzeit nominell 10.282 Euro heraus. Berücksichtigt man dabei auch die durchschnittliche Inflation von 1,64 Prozent über die vergangenen zehn Jahre, dann ist der reale Wert am Sparbuch nur noch 8.633 Euro. Schaufler: „Einen Inflationsschutz oder Erträge, die darüber hinausgehen, dürfen Anleger heute nur mit Wertpapieren erwarten.” Hier empfiehlt sich, mit Fondssparplänen in die Wertpapierwelt einzusteigen.