Österreichischer Automarkt trotzt Corona-Krise

09.Februar 2021

Obwohl die Zulassungszahlen im vergangenen Jahr krisenbedingt einen spürbaren Einbruch verzeichnen, wirkt sich die Pandemie auf den nächsten Autokauf der Österreicher vergleichsweise moderat aus. Laut einer Studie von Deloitte weicht die Mehrheit der Konsumenten nicht von ihren ursprünglichen Kaufplänen ab. Beliebt sind vor allem Autos mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren. Die Nachfrage nach Elektro- und Hybridfahrzeugen ist zwar konstant, verzeichnet in der Krise aber keine Zunahme.

Die Corona-Pandemie wirkt sich am Automarkt relativ gering auf das Kaufverhalten der Österreicher aus. Lediglich 21 Prozent der Studienteilnehmer haben wegen der Krise ihre Kaufpläne verschoben, nur 5 Prozent entscheiden sich für ein anderes Fahrzeugmodell. Damit ist die Kaufkraft in Österreich im internationalen Vergleich recht stabil. In den USA etwa peilen 34 Prozent einen späteren Zeitpunkt für den Autokauf an, 16 Prozent wählen krisenbedingt ein anderes Modell. Zu diesen Ergebnissen kommt Deloitte in der Global Automotive Consumer Study.

Vor allem herkömmliche Antriebsmodelle sind am heimischen Automarkt gefragt: Diesel- und Benzin-Fahrzeuge gelten für rund 58 Prozent der österreichischen Studienteilnehmer noch immer als bewährte und leistbare Option. „In unsicheren Zeiten greifen viele auf Altbewährtes zurück. Dieser Trend lässt sich weltweit beobachten“, erklärt Matthias Kunsch, Partner bei Deloitte Österreich. „Die Mehrheit der Österreicher bevorzugt beim nächsten Autokauf ein Diesel- oder Benzin-Fahrzeug. Das Interesse an Elektro- und Hybridautos lässt mit rund 35 Prozent zwar nicht nach, wächst wegen der Krise aber auch nicht.“

Beim Autokauf selbst mögen es die meisten heimischen Befragten traditionell: Trotz Social-Distancing-Maßnahmen kommt ein virtueller Fahrzeugkauf nur für die wenigsten in Frage. 87 Prozent wollen ihr nächstes Fahrzeug nach wie vor physisch beim Autohändler ihres Vertrauens erwerben.

Automarkt: herkömmliche Antriebe bevorzugt

Gründe für den Umstieg auf Elektroantrieb gibt es laut den wechselwilligen Konsumenten genug. Die österreichischen Studienteilnehmer nennen hier vor allem die geringeren Treibstoffkosten, den Kampf gegen den Klimawandel sowie staatliche Förderungen. Ein großes Manko ist jedoch das mangelnde Angebot an leistbaren Modellen. So sind aktuell rund 41 Prozent der Österreicher bereit, bis zu 30.000 Euro für ein Elektrofahrzeug auszugeben. In diesem Preissegment ist die Auswahl aber noch sehr beschränkt. Neben den hohen Anschaffungskosten äußern die Befragten auch Bedenken hinsichtlich Reichweite und Sicherheit.

„Immer wieder werden Forderungen nach einer besseren öffentlichen Ladeinfrastruktur laut. Das ist mit Sicherheit ein wichtiger Punkt. Interessanterweise planen aber laut Umfrage die meisten Interessenten, ihre Elektrofahrzeuge zu Hause aufzuladen. Nur 27 Prozent geben bislang an, öffentliche Ladestationen verwenden zu wollen. Das liegt unter anderem auch an der zu langen Ladedauer. Das vollständige Laden zu Hause oder am Arbeitsplatz ist deshalb noch immer die beliebteste Vorgehensweise”, ergänzt Branchenexperte Kunsch.

Misstrauen gegenüber neuen Technologien

Die Österreicher zeigen sich zwar gegenüber Innovationen wie E-Mobilität aufgeschlossen, bei Technologien wie autonomem Fahren oder vernetzten Fahrzeugen ist aber weiterhin eine deutliche Skepsis zu spüren: 48 Prozent der heimischen Befragten sind der Ansicht, dass selbstfahrende Autos nicht sicher sind. Das sind 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Nur knapp ein Viertel der Studienteilnehmer glaubt außerdem an die Vorteile von mit dem Internet vernetzten Autos – 64 Prozent haben sogar ernste Sicherheitsbedenken. Asiatische Konsumenten scheinen hier laut Studie um einiges offener zu sein: In China sind zum Beispiel 83 Prozent von den Vorteilen dieser Technologie überzeugt.

„Für die meisten Österreicher ist der Nutzen von autonomem Fahren und vernetzten Autos nach wie vor nicht greifbar. Dementsprechend sind sie auch nicht bereit, wesentlich mehr für diese Technologien auszugeben. Hier braucht es seitens der Anbieter intensive Aufklärungsarbeit, um die bestehenden Berührungsängste zu überwinden. Die Zeit drängt“, so Matthias Kunsch abschließend.