WIFO: COVID-19-Krise hat massive Auswirkungen auf heimischen Tourismus

04.Februar 2021

Zeigte die COVID-19-Krise schon im Sommer 2020 erheblich negative Auswirkungen auf den heimischen Tourismus (Gästeankünfte ‑42,6 Prozent, Nächtigungen ‑31,8 Prozent), kam die Nachfrage in den ersten beiden Monaten der laufenden Wintersaison 2020/21 aufgrund weiterer Lockdowns in Österreich und auf wichtigen Herkunftsmärkten fast vollständig zum Erliegen.

Der Start in die Wintersaison 2020/21 wurde bereits im November vom zweiten Lockdown überschattet (Ankünfte ‑90,0 Prozent, Nächtigungen ‑79,7 Prozent), der fast nahtlos in den dritten Lockdown überging. Touristische Aktivitäten waren daher auch im Dezember 2020 praktisch kaum möglich (mit Ausnahme notwendiger dienstlicher Reisen sowie Kuraufenthalten; Gästeankünfte ‑95,9 Prozent, Übernachtungen ‑93,5 Prozent). Insgesamt belief sich die Zahl der Gäste in österreichischen Beherbergungsbetrieben in der Wintervorsaison damit nur auf rund 375.800 (‑93,6 Prozent gegenüber November bis Dezember 2019), jene der Nächtigungen auf 1,86 Mio. (‑89,4 Prozent). Erste Schätzungen des WIFO zu den Einnahmen im heimischen Tourismus spiegeln diese Entwicklung wider (nominell ‑90,3 Prozent, real ‑90,0 Prozent; ohne Berücksichtigungen von Zahlungen der öffentlichen Hand im Rahmen der COVID-19-Hilfen).

Einer aktuellen Schätzung des WIFO zufolge dürfte sich die Zahl der Nächtigungen im Winter 2020/21 auf insgesamt nur rund 10,2 Mio. belaufen und damit um etwa 83 Prozent unter dem Vorjahresniveau zu liegen kommen. Im Vergleich zum Rekordwinter 2018/19 mit 72,9 Mio. Nächtigungen würde das Einbußen von über 86 Prozent bedeuten. Dabei wird davon ausgegangen, dass die ausländische Nachfrage aufgrund von Reisebeschränkungen auch im März 2021 großteils ausfallen wird (Nächtigungen im Vergleich zum Vorjahr rund ‑80 Prozent, gegenüber März 2019 ‑92 Prozent) und erst im April ein relevantes Niveau erreichen wird (‑43 Prozent bezogen auf 2019).

Verhaltener Tourismus-Start im März erwartet

Für den Binnentourismus wird, sofern es zu einer Aufhebung des touristischen Betretungsverbotes kommt, ein verhaltener Start im März (rund ‑2 Prozent weniger Nächtigungen als im Lockdown-betroffenen Vergleichsmonat 2020 bzw. ‑57 Prozent gegen das Normalniveau 2019) sowie eine deutliche Entspannung im April (etwa ‑28 Prozent verglichen mit 2019) erwartet. Zwar lässt die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie, verstärkt durch die Verbreitung von Virusmutationen mit erhöhter Ansteckungswahrscheinlichkeit sowie die beschränkte Verfügbarkeit von Impfstoffen, noch keine gesicherte Prognose zu, der weitgehende Entfall der Wintersaison 2020/21 ist jedoch nicht mehr zu verhindern. Selbst weiter als derzeit erwartet gehende Öffnungsschritte ab März werden daran wenig ändern.

Unter den getroffenen Annahmen würde sich die Gästestruktur über das gesamte Winterhalbjahr betrachtet signifikant zugunsten inländischer Touristinnen und Touristen verschieben, deren Nächtigungsmarktanteil 2020/21 auf rund 44 Prozent ansteigen könnte (in der Normalsaison 2018/19 lag dieser noch bei 22,7 Prozent).

Trotz Unsicherheit Grund zu Optimismus

Während sich die Entwicklung der aktuellen Wintersaison schon deutlich abzeichnet, lässt es die erwähnte Ungewissheit über den Pandemieverlauf einerseits und den Impffortschritt andererseits kaum zu, gesicherte Aussagen zur kommenden Sommersaison und darüber hinaus zu treffen. Die pandemieinduzierte Wirtschaftskrise und die daraus entstehenden Einkommens- und Arbeitsplatzverluste verstärken diese Unsicherheit noch weiter.

Bei aller Unsicherheit und den vielen Problemen, mit denen die österreichische und internationale Tourismusbranche zu kämpfen hat, besteht doch auch Grund zu Optimismus: Der Tourismus gehörte in den vergangenen Jahren national wie global zu den Bereichen mit der höchsten Dynamik. Die Reiselust der Menschen ist nicht nur ungebrochen, vielmehr kann man davon ausgehen, dass sie durch die lange Zeit der Reisebeschränkungen noch größer wurde. Österreich wurde im vergangenen Sommer von vielen Inländerinnen und Inländern als Haupturlaubsland wiederentdeckt und konnte seine Vorzüge präsentieren – es erscheint durchaus möglich, dass dieser Impuls eine nachhaltigere Belebung des Inlandstourismus nach sich ziehen kann.

ÖHV: Resilienz bei Betrieben steigern, Maßnahmen umsetzen

„Die Bewältigung der Corona-Krise für den Tourismus ist ein Marathon und kein Sprint, das sollte mittlerweile allen klar sein“, kommentiert Markus Gratzer, Generalsekretär der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), die Tourismusanalyse des WIFO, und: „Den Betrieben geht die Luft aus, das Finish ist aber noch lange nicht in Sicht“.

Die prekäre Lage vieler Unternehmen bestätigt auch eine aktuelle ÖHV-Umfrage: Gefragt, wie lange sie bei der derzeitigen Nachfrage- und Beihilfensituation den Betrieb überhaupt noch weiterführen können, geben 28,2 Prozent an, bis zu 3 Monate und 34,3 Prozent bis zu 6 Monate: „Da müssen alle Alarmglocken schrillen“, warnt Gratzer. Die EU-Kommission hat bereits mit einer Verlängerung und Aufstockung des Befristeten Beihilferahmens reagiert: „Nun müssen die Instrumente in Österreich rasch an die neuen Möglichkeiten angepasst werden, um den Unternehmen Sicherheit zu geben.“

Für Gratzer führt der Weg zur Krisensicherheit mittelfristig über mehr Eigenkapital: Viele Betriebe sind hier stark unterkapitalisiert. Nur die Besten der Besten schaffen es über die Grenze von 30 Prozent, ab der ein Unternehmen als gesund gilt: „Das müssen wir dringend ändern, die Krise hat hier zusätzlich viele Betriebe völlig unverschuldet unter Druck gesetzt. Die ÖHV ganz konkrete Vorschläge dafür“, verweist Gratzer auf ein Maßnahmenbündel: Diese reichen von einer Aktivierung der stillen Reserven und des Kapitalstockes bis hin zu Mezzaninkapital, den direkten Investments privater Anleger in den Betrieb. „Nur wenn wir es schaffen die Eigenkapitalquote deutlich zu heben und längerfristig zu stabilisieren sichern wir den Erhalt der Hotels ab. Die Weichen dafür müssen wir jetzt stellen.“

Klare Rahmenbedingungen für Öffnung der Betriebe
Zusätzlich braucht es rasch klare Rahmenbedingungen für die Öffnung der Hotellerie und Gastronomie in Österreich. „Bis zur angekündigten Entscheidung am 15. Februar bleibt nicht mehr viel Zeit, bis dahin muss unabhängig vom Öffnungstermin ein klares Regelwerk mit der Branche abgestimmt werden“, so Gratzer.

Die wichtigsten Links von Behörden und Institutionen für Unternehmen rund um das Coronavirus finden sich hier.