COVID-19-Krise: Umdenken in der Arbeitswelt

01.Februar 2021

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie müssen Unternehmen den Spagat zwischen Gewährleistung des Wohlergehens ihrer Mitarbeiter und Sicherung des wirtschaftlichen Fortbestehens schaffen. Um die damit einhergehenden Herausforderungen erfolgreich zu meistern, braucht es laut einer Studie von Deloitte ein komplettes Neudenken des Faktors Arbeit.

Die Corona-Pandemie bringt einen massiven Umbruch in der Arbeitswelt mit sich. Vor diesem Hintergrund hat Deloitte für die „Human Capital Trends 2021“ über 6.000 Führungskräfte aus 99 Ländern befragt – mehr als die Hälfte davon aus Vorstand und Geschäftsführung. Aus Österreich nahmen 163 Personen teil. Das Ergebnis: Alte Muster der Vorkrisenzeit müssen aufgebrochen und auf lange Sicht neue Wege eingeschlagen werden.

„Der Fokus vieler Unternehmen lag in den letzten Monaten vor allem auf Schadensbegrenzung. Langfristige Innovation und durchdachte Konzepte kamen dabei oft zu kurz. Dabei werden jetzt die Weichen dafür gestellt, welche Unternehmen in einer veränderten Welt erfolgreich sein werden“, erklärt Julian Mauhart, Partner bei Deloitte Österreich. „Die Gleichzeitigkeit von wirtschaftlichem Überlebenskampf und notwendiger Vorbereitung auf eine ungewisse Zukunft stellt die Unternehmen vor ein Dilemma – denn vielerorts mangelt es aktuell an Kapazitäten.“

Arbeit neu denken

Die Studie zeigt, dass immer mehr Betriebe offensive Strategien wählen, um den Widerspruch zwischen Überlebensmodus und Weiterentwicklung aufzulösen. 61 Prozent der Befragten sagen, dass sie in den kommenden Jahren die Arbeit ihrer Mitarbeiter völlig neu denken wollen. Vor der Pandemie gaben das nur 29 Prozent an. Dafür ist es wichtig sich auf jene Kernstärken zu besinnen, die nur Menschen in eine digitalisierte Organisation einbringen können: Mut, Kreativität und Pragmatismus.

„Die entscheidende Frage ist nicht, welche bisherigen menschlichen Tätigkeiten durch Digitalisierung ersetzt werden sollen, sondern wie Mensch und Technologie so zusammenarbeiten, damit beide ihre Stärken optimal einsetzen können“, meint Mauhart. Denn in einer Welt, in der vieles durcheinandergewirbelt wurde, stoßen Algorithmen und Effizienzsteigerungen schnell an ihre Grenzen: „Wenn Produktionen innerhalb weniger Wochen von Motoren auf Beatmungsgeräte umstellen oder Lieferketten in Pandemiezeiten aufrechterhalten werden sollen, kommt man mit zentraler Planung und Effizienzoptimierungen nicht weit. Vielmehr braucht es dafür Kollegen auf allen Ebenen, die diese Herausforderungen umsichtig, pragmatisch und kreativ lösen.“

Damit die Transformation der Arbeit langfristig gelingen kann, braucht es laut der Mehrheit der Befragten drei wesentliche Maßnahmenbündel:

  • eine passende Unternehmenskultur (45 Prozent)
  • die Entwicklung der richtigen Skills seitens der Mitarbeiter (41 Prozent)
  • die Implementierung neuer Technologien (35 Prozent)

Die Bedeutung von Umstrukturierungen und Reorganisationen wird mit 22 Prozent vergleichsweise eher gering eingeschätzt.

Klare Regeln für eine flexible Arbeitswelt

So schnell sich Unternehmen und Arbeitnehmer weltweit an die technischen Notwendigkeiten und Vorteile von Remote Working angepasst haben, so mühsam geht die Suche nach dem richtigen Umgang mit den neuen Belastungen voran. „Virtuelle Sportkurse und Gutscheine sind ein tolles Zusatzangebot, aber sie treffen nicht den Kern des Problems. Passende Softwarelösungen und ein adäquater Umgang damit tragen laut Umfrage deutlich mehr zum Wohlbefinden im Home Office bei“, so der Experte.

Um mit möglichst geringen Belastungen erfolgreich von zu Hause aus zu arbeiten, sehen 39 Prozent der befragten Führungskräfte den Einsatz digitaler Kollaborationsplattformen entscheidend, 31 Prozent befürworten die Festlegung neuer Meeting-Regeln. Forderungen nach besseren Corporate Benefits (10 Prozent) oder Wellbeing-Angeboten (8 Prozent) finden sich weiter hinten auf der Prioritätenliste.

Ganzheitliche Potenzialförderung statt punktueller Weiterbildung

Durch COVID-19 waren die Unternehmen gezwungen, schnell zu reagieren und weniger langfristig zu planen. Das hat vielerorts zu mehr Dynamik und Eigenverantwortung geführt. Um künftige Disruptionen erfolgreich zu meistern, sind seitens der Mitarbeiter vor allem Eigenschaften wie Anpassungsfähigkeit, Lernbereitschaft und Flexibilität essenziell. Dieser Meinung sind immerhin 72 Prozent der Studienteilnehmer. Bestehende Weiterbildungsprogramme werden diesem Bedarf meist noch nicht gerecht.

„Bereits vor Corona war klar, dass sich Weiterbildung in Unternehmen oftmals zu eng an den unmittelbar benötigten Skills ausgerichtet hat. Die Krisensituation hat das nochmals verdeutlicht und den Blick auf bislang ungenutzte Potenziale gelenkt. COVID-19 hat ein beeindruckendes Ausmaß an Kreativität zu Tage gefördert“, erklärt Julian Mauhart.

Die Fähigkeit, vorhandene Potenziale für verstärkte kurzfristige Projektarbeit zu heben, wird laut Studie zu einem wichtigen Erfolgsfaktor für Unternehmen. „Es geht darum, die Belegschaft unabhängig von Hierarchie und Jobprofil aktiv in die Gestaltung ihrer Arbeit miteinzubeziehen und Eigeninitiative zu fördern. Damit ist man bestmöglich für eine ungewisse Zukunft gerüstet“, so Mauhart abschließend.

Die wichtigsten Links von Behörden und Institutionen für Unternehmen rund um das Coronavirus finden sich hier.