Zahl der Insolvenzen 2020 wegen Staatshilfen rückläufig

27.Januar 2021

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist im Pandemiejahr 2020 in der DACH-Region gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. In Österreich war das Minus mit 40 Prozent deutlich stärker als in Deutschland mit acht Prozent und in der Schweiz mit 19 Prozent. Gleichzeitig gingen in Österreich auch die Neugründungen um 15 Prozent zurück. Zur diesen Ergebnissen kommt eine Studie von Bisnode.

In Österreich kam es 2020 zu 2.843 Insolvenzen. Das waren 1.894 weniger als im Jahr davor. Bezogen auf die Rechtsform waren die meisten Firmenpleiten bei der GesmbH (1.288) und bei Einzelunternehmen (1.262) festzustellen. Unter den Branchen verzeichneten in absoluten Zahlen der Hochbau (285), Landverkehr und Transport (261) sowie die Gebäudebetreuung (220) die meisten Fälle. Die wenigsten Pleiten verzeichneten Unternehmen aus dem Sozialwesen (58), Firmen aus dem Bereich der Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (58) sowie Unternehmen für die Erbringung von sonstigen überwiegend persönlichen Dienstleistungen (56).

Zudem hat das durch die Corona-Pandemie bedingte schwierige Umfeld in Österreich die Neugründungsaktivität beeinträchtigt. Die Zahl der neu gegründeten Firmen ging von 19.985 auf 16.888 und damit um 3.097 gegenüber dem Vorjahr zurück. Die meisten Neugründungen gab es in Wien (5.819) sowie in Niederösterreich (2.563), die wenigsten im Burgenland (420) und im Vorarlberg (567).

Viele Neugründungen in Deutschland

Im Vergleich dazu mussten in Deutschland im vergangenen Jahr insgesamt 10.705 Unternehmen Insolvenz anmelden. Bezogen auf die Rechtsform traf es dabei mit 9.373 Fällen Gesellschaften mit beschränkter Haftung am häufigsten. Gleichzeitig aber kam es trotz der Auswirkungen der Corona-Pandemie zu 113.904 Neugründungen – ein Anstieg um etwa sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Ähnlich wie in Deutschland stellte sich im Gesamtjahr 2020 die Situation in der Schweiz dar. Dort waren 5.715 Unternehmensinsolvenzen zu verzeichnen und damit 919 Fälle weniger als noch im Vorjahr. Ebenfalls wie in Deutschland entwickelte sich die Zahl der Neugründungen trotz der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr positiv. Insgesamt wurden 46.779 neue Firmen im Handelsregister eintragen. Dies entspricht einer Zunahme um 2.167 Fälle gegenüber 2019.

Staatliche Hilfsmaßnahmen verhindern Insolvenzen, dürften aber Zombiefirmen schaffen

„Dass in der DACH-Region die Zahl der Insolvenzen im vergangenen Jahr insgesamt zurückgegangen ist, hat eine Ursache in den massiven Unterstützungsmaßnahmen der Regierungen als Antwort auf die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie“, erläutert Frank Wenz, Area Director Data DACH bei Bisnode. So wurde in Deutschland die Pflicht zur Insolvenzanmeldung bei einer durch die Corona-Pandemie bedingten Überschuldung im vergangenen Jahr ausgesetzt und zuletzt bis zum 30. April 2021 verlängert. Dazu kamen umfangreiche Finanzhilfen und Überbrückungskredite für Unternehmen sowie das Kurzarbeitergeld.

Ähnlich stellt sich die Situation in Österreich und der Schweiz dar. In beiden Ländern wurden Firmen ebenfalls durch staatliche Hilfsmaßnahmen unterstützt und die Insolvenzantragspflicht im vergangenen Jahr ausgesetzt. Während Letzteres in Österreich allerdings bis zum 31. März 2021 verlängert wurde, entschied der Schweizer Bundesrat Mitte Oktober diese Maßnahme zu stoppen, was sich bislang jedoch noch nicht in steigenden Insolvenzzahlen niederschlug. Dennoch ist davon auszugehen, dass durch die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sowie die massiven staatlichen Hilfen viele Konkurse nur herausgezögert wurden.

„Wir rechnen damit, dass dadurch viele sogenannte Zombie-Unternehmen, die unter normalen Bedingungen in den Konkurs geschlittert wären, geschaffen wurden“, so die Einschätzung von Frank Wenz. Nach Beendigung der Maßnahmen ist deshalb zu befürchten, dass der Zeitpunkt kommen wird, an dem die Liquidität solcher ‚untoter‘ Firmen versiegt und die Pleite nicht mehr abzuwenden ist. „Wir müssen uns deshalb darauf einstellen, dass für 2021 mit einem deutlichen Anstieg an Insolvenzen zu rechnen ist“, so das Fazit des Experten.

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