Corona-Krise trifft vor allem EPU

11.Januar 2021

Die Corona-Krise hat zwar einen Digitalisierungschub gebracht, Peter Lieber, Präsident des Verbands Österreichischer Software Industrie (VÖSI), befürchtet aber, dass vor allem EPU und KMU von der Krise schwer getroffen wurden.

2020 war aber mit Sicherheit kein „Jubel-Jahr“ für die gesamte heimische IT- und Software-Branche: „Profitiert haben vor allem Konzerne und Großbetriebe – vor allem EPU sind von der Corona-Krise hingegen schwer getroffen“, sagt VÖSI Präsident Peter Lieber. Der heimische IT- und Software-Sektor besteht zu rund zwei Drittel aus Ein-Personen-Unternehmen (EPU), die vom Projektgeschäft oder Outsourcing leben, das Corona bedingt in einigen Branchen wie etwa dem Tourismus, im Gastro- und Event-Bereich völlig zum Erliegen kam. „Das Projektgeschäft lebt aber von enger persönlicher Zusammenarbeit, von realen Treffen und ständigem Austausch. EPU sind die ersten, die in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Aufträge verlieren“, so Lieber und: „wir rechnen damit, dass aufgrund der Corona-Krise im schlimmsten Fall ein Viertel bis zu einem Drittel der Kleinstfirmen pleitegehen könnte.“

Auch bei einigen großen IT-Anbietern kam es zum Stillstand oder finanziellen Durststrecken: „Projekte wurden aufgeschoben, Neuaufträge haben sich verzögert“, so auch das Feedback einiger der rund 50 VÖSI Mitgliedsbetriebe. Hinzu kommt, dass „IT eine supportende, unterstützende Branche ist: Geht es der Wirtschaft schlecht, verliert auch die IT-Branche ihre Kunden“, erklärt Lieber.

Globale Konzerne sind Gewinner der Corona-Krise

Vor allem globale Software Konzerne wie Microsoft, Google oder SAP oder große heimische Software-Unternehmen wie Tricentis, BMD oder Fabasoft haben von der Krise profitiert“, zieht der VÖSI-Präsident Bilanz zum Corona-Krisenjahr 2020.

Nach dem Rekordjahr 2019, in dem die größten 1.000 heimischen IKT-Unternehmen mit knapp 93.000 Mitarbeitern rund 26,402 Mrd. Euro erwirtschaftet haben (Quelle: Computerwelt Top1001 Ranking), rechnet der VÖSI für 2020 trotz der problematischen Situation bei EPU und KMU mit einem positiven Ergebnis: Insgesamt zählt die heimische Software-Industrie zu den Gewinnern der Corona Krise.

Die Umstellung auf Home-Office und auch die staatliche Investitionsprämie in der Höhe von 14 Prozent haben für einen Digitalisierungsschub gesorgt und „werden der Branche 2020 insgesamt einen Mehrumsatz von sieben bis acht Prozent bescheren“, schätzt Peter Lieber, der für 2021 optimistisch ist: „Wir hoffen auf eine Entspannung der Situation – vieles, was aufgeschoben wurde, muss jetzt in den Unternehmen dringend nachgeholt werden. Insbesondere weiß ich aus vielen Gesprächen, dass bei der raschen Umstellung auf Home-Office und Remote-Work die IT-Security vielfach vernachlässigt worden ist.“ Weitere Themen, die 2021 eine große Rolle spielen werden, sind die Cloud-Umstellung, die Automatisierung und Prozess-Optimierung, der Einsatz von Künstlicher Intelligenz, IoT und Business Intelligence/Data Analytics sowie E-Commerce, prognostiziert der VÖSI.

Kritik an Krisen-Management der Regierung

War das politische Krisenmanagement in den ersten Monaten der Krise sicher gut – „so summieren sich jetzt einige Fehlentscheidungen und Versäumnisse der letzten Wochen – insbesondere die Hü-Hott-Politik der Regierung sorgte auch in der IT-Branche für zunehmende Verärgerung: Mit ständig neuen, nicht nachvollziehbaren und teilweise widersprüchlichen Verordnungen und Maßnahmen ist niemandem geholfen – das schadet der Demokratie, der Gesellschaft und der Wirtschaft“, betont Lieber. „Wir brauchen jetzt mehr Transparenz, klare Kommunikation mit bewältigbaren, verständlichen Maßnahmen und eine Planungssicherheit über längere Intervalle“, nur so lasse sich die Krise vernünftig gemeinsam bewältigen. Nachsatz: „Es gilt, einen vierten Lockdown zu verhindern.“

Die Corona-Hilfen der Regierung hält Lieber, der auch Präsident des Österreichischen Gewerbevereins ist, zwar grundsätzlich für richtig gesetzt. „Allerdings war die Antragsstellung alles andere als einfach, die Abwicklung der Hilfszahlungen hat vielfach einfach zu lange gedauert“, so Lieber. Auch die Behandlung der EPU und Kleinbetriebe (und zwar nicht nur im IT-Sektor) wird von Lieber kritisiert: „Sie bekamen nur 500 bis 1.000 Euro aus dem Härtefallfonds, gerade Klein- und Kleinstunternehmen sollten in Krisenzeiten mehr und vor allem schneller unterstützt werden“, fordert Lieber.

Die wichtigsten Links von Behörden und Institutionen für Unternehmen rund um das Coronavirus finden sich hier.