Handelsverband: Zehn Prozent Umsatzminus ist Gewissheit

23.Dezember 2020

Laut Handelsverband werden zwei Drittel der Lockdown-Verluste werden nicht nachgeholt. Ein dritter Lockdown soll die Branche 3 Milliarden Euro kosten. Der Handelsverband fordert nun eine Nachbesserung bei der Click&Collect-Regelung.

Im Endspurt beim heurigen Weihnachtsgeschäft zeigen sich die heimischen Händler zufrieden mit den Umsätzen und Kundenfrequenzen in dieser Woche. Bereits die gesamte letzte Woche verlief stabil, auch am gestrigen Montag und heute verzeichneten die Händler eine solide Umsatzentwicklung.  Dennoch können die Umsatzverluste aus dem zweiten Lockdown bei weitem nicht aufgeholt werden, es bleibt ein dickes Minus. Die KMU Forschung Austria hat heute die Weihnachtsprognose vom Handelsverband bestätigt und geht demnach ebenfalls von einem Umsatzeinbruch um rund 10 Prozent aus.

Hinzu kommt: Die umsatzstarken Tage nach Weihnachten, die normalerweise zum Einlösen von Gutscheinen und Geldgeschenken oder zum Geschenkumtausch genutzt werden, fallen im Corona-Jahr 2020 aufgrund des dritten harten Lockdowns von 26. Dezember bis 17. Jänner komplett weg. Nachdem rund 10 Prozent der Weihnachtseinkäufe zwischen dem Weihnachtstag und Silvester stattfinden, trifft der Lockdown die Branche hart. Für gewöhnlich ergeben sich gerade in dieser Phase neue Kundenbindungen, da oftmals ein Umtausch die Menschen in ein neues Geschäft führt.

Allein der dritte Lockdown wird den heimischen Handel rund 3 Milliarden Euro kosten, insgesamt summieren sich die Umsatzverluste aller drei Lockdowns auf knapp 10 Milliarden Euro. „Selbst unter Berücksichtigung der Nachholeffekte von knapp einem Drittel erwarten wir einen massiven Einbruch um 6,8 Milliarden Euro. Rund zwei Drittel der Umsatzverluste aus den Lockdowns sind im Handel unwiederbringlich verloren, bzw. landen sie auf dem Konto von Amazon-Gründer Jeff Bezos“, sagt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Im Onlinehandel wiederum fließt mehr als jeder zweite Euro nicht an österreichische Händler und damit nicht in die Sozial- und Pensionstöpfe des Landes. In der dritten Lockdown-Phase wird sich dieses Verhältnis sogar noch verstärken. Der dritte Lockdown wird in der Praxis für die Geschäfte einen ganzen Monat lang dauern, da bereits jetzt laut Umfragen die Mehrheit der ÖsterreicherInnen angibt, sich nicht extra freitesten zu lassen, um ein Geschäft zu besuchen.

Handelsverband fordert Lockerung bei Click&Collect-Regelung

Umso bedauerlicher für den heimischen Handel ist die enge Auslegung von Click & Collect: Der heimische Handel begrüßt zwar, dass im dritten Lockdown zumindest kontaktloses Click & Collect erlaubt ist – eine zentrale Forderung des Handelsverbandes. Es war höchste Zeit dafür, nachdem die Gastro-Betriebe ja schon seit dem ersten Lockdown vorbestellte Speisen abholen lassen durften. Im Verordnungsentwurf ist nun jedoch vorgesehen, dass bei der Abholung von Waren – im Gegensatz etwa zur Gastronomie – keine geschlossenen Räume betreten werden dürfen. Der Handel soll damit also schon wieder benachteiligt werden.

„Es ist nicht nachvollziehbar, warum unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jetzt im Winter vor den Geschäften die Waren ausgeben sollen und nicht wie die Gastronomen in den Geschäften. Mit unseren Hygienekonzepten und durch die Vergabe von Time-Slots kann man größere Ansammlungen von Kunden in den Geschäften leicht vermeiden und die Kundenströme gut steuern“, so Will. Die Sicherheits- und Hygienekonzepte der österreichischen Händler und Shopping Center haben sich in der Praxis bewährt, sie werden von den Menschen bestens eingehalten, wofür allen Dank gebührt.

Händler brauchen Planungssicherheit

270 Tage sind seit Ausbruch der Coronakrise in Europa vergangen – und nach wie vor besteht große Planungsunsicherheit für alle Beteiligten. Der Handel unterstützt jede sinnvolle Maßnahme gerne, egal ob Lockdown, Maskenpflicht, Mindestabstand oder eine max. Kundenanzahl in den Geschäften. Aber im Gegenzug erwarten sich die betroffenen Unternehmen wie auch die 600.00 Beschäftigten der Branche eine klare, verständliche, nachvollziehbare Strategie.

„Die aktuelle Unsicherheit ist Gift für Konsum und Arbeitsplätze, daher fordern wir für die Zukunft mehr Planbarkeit. Einerseits für die Kunden und andererseits Planbarkeit für die Unternehmen in finanzieller, steuerlicher und bilanzieller Hinsicht“, appelliert Will an die politischen Entscheidungsträger. Nachdem jeder vierte Händler eingehende Rechnungen nicht mehr bedienen kann und vielfach gesunde Unternehmen Corona-bedingt in Schieflage geraten sind, kommt den Staatshilfen nun höchste Priorität zu. Der Umsatzersatz muss fristenkongruent für die Dauer der behördlichen Schließungen gelten und daher auch den Jänner umfassen.

Darüber hinaus müssen mittelständische, beschäftigungsintensive Unternehmen neben dem Verlustersatz, der auf Initiative des Handelsverbandes und freier Verbände beantragt wurde, auch höhere Hilfen beim Fixkostenzuschuss erhalten können. Hierfür muss der 800.000 Euro Deckel fallen, sonst werden die Verluste aus der Krise bis auf einstellige Prozentbeträge auf die Unternehmen übergewälzt. Der Verlustersatz muss ebenso bei der Europäischen Kommission auf mindestens 5 Millionen Euro erhöht werden.

Das Ziel muss es sein, die Gesundheit der Bevölkerung als höchste Priorität zu schützen, allerdings auch die Leidtragenden wirtschaftlich aufzufangen und sie nicht zu Bittstellern zu machen, die ihre über Generationen aufgebauten Unternehmen mit einem Schuldenberg an ihre Kinder weitergeben müssen, sofern ein Fortbestand überhaupt gesichert ist.

„Von der Bundesregierung fordern wir diese Sicherheit für die Selbständigen und Unternehmer unseres Landes. Nur so können die unzähligen Betroffenen, die heuer bereits so viel Mut, Zuversicht und Leadership bewiesen haben, Weihnachtsruhe finden“, so der Handelsverband-Obmann Will abschließend.

Die wichtigsten Links von Behörden und Institutionen für Unternehmen rund um das Coronavirus finden sich hier.