Studie: Liquidität größte Herausforderung in der Corona-Krise

11.Dezember 2020

In der aktuellen COVID-19-bedingten Wirtschaftslage beurteilen sowohl Banken als auch Unternehmen die Liquidität als die größte Herausforderung der Unternehmensfinanzierung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Wiener Beratungsunternehmens greenturtle.

Das Beratungsunternehmen hat im Rahmen einer Studie im November 2020 rund 50 Unternehmen und Banken in Österreich und Deutschland über Themen der Unternehmensfinanzierung befragt. Von den teilnehmenden Unternehmen halten mit 78 Prozent das Thema Liquidität für die größte Herausforderung in der aktuellen Situation, gefolgt von Investitionen (67 Prozent) und Working Capital (56 Prozent). Auch Banken reihen die drängendsten Probleme ihrer Kunden in dieser Reihenfolge, allerdings mit einer niedrigeren Priorisierung: Liquidität (60 Prozent), Investition (30 Prozent) und Working Capital (30 Prozent). Zusätzlich sehen Banken die Aufbringung von Eigenkapital durch ihre Kunden (10 Prozent) als herausforderndes Thema.

Zur Bewertung des bisherigen Geschäftsverlaufs in der Ausnahmesituation zeigen die Studienergebnisse hingegen eine stark divergierende Einschätzung: Während rund 75 Prozent der befragten Unternehmen sich neutral bis nicht zufrieden zeigen, bewerten 80 Prozent der befragten Banken ihren Geschäftsverlauf als zufriedenstellend bis sehr zufriedenstellend. Dem gegenüber stehen lediglich 25 Prozent der Unternehmen, die aktuell eher zufrieden und 20 Prozent der finanzierenden Banken, die mit der Entwicklung ihrer Geschäfte weniger bis nicht zufrieden sind. Martin Keitel, Geschäftsführer von greenturtle, schließt daraus: „Das Ergebnis deutet darauf hin, dass Banken zunächst nur die Liquidität ihrer Kunden sehen. Spätestens mit Übermittlung der Jahresabschlüsse 2020 bekommen sie ein vollständiges Bild der Wirtschaftslage ihrer Kunden. Hier droht erhebliches Wertberichtigungspotenzial, woraus die nächste Kreditklemme resultieren könnte.“

Die größten strategischen Herausforderungen ihrer Kunden sehen die befragten Banken gleichermaßen bei Umsatz- wie Kostenplanung (jeweils 60 Prozent), während Unternehmen diese vor allem bei der Umsatzplanung sehen (90 Prozent). Bestehende Finanzierungen werden weder von Unternehmen noch von Banken als herausfordernd wahrgenommen: nur 10 Prozent der Banken und 22 Prozent der Unternehmen bewerten diese als derzeit strategisch größte Herausforderung.

Restrukturierungsmaßnahmen werden mittel- bis langfristig geplant

Auf die Frage, welche weiteren strategischen Maßnahmen das Management von Unternehmen nun setzen sollte, sehen Banken hierbei vor allem Kreditstundungen und die Inanspruchnahme von staatlichen Hilfspaketen als zielführend. Manager dagegen planen vor allem Maßnahmen wie Personalkostenoptimierungen (z.B. 4-Tage-Woche, Home-Office, etc.). „Aus unserer Sicht ist diese Bewertung nachvollziehbar: jeder sieht das Optimierungspotenzial vor allem in seiner eigenen Disziplin. Das spiegelt sich auch beim erwarteten Zeithorizont für die Dauer der Maßnahmen wider“, resümiert Keitel. Von den befragten Unternehmen gehen zwei Drittel (66 Prozent) davon aus, dass die gesetzten Maßnahmen zwischen sieben und 24 Monaten oder noch länger laufen. Banken sind bei dieser Frage deutlich pessimistischer, hier erwarten fast zwei Drittel (60 Prozent) Zeiträume von über 24 Monaten.

Finanzierungspartnerschaft wird positiv gesehen

Für die weitere Entwicklung der Unternehmensfinanzierung sehen Unternehmen vor allem das Thema Working Capital Management, das mit nahezu 90 Prozent den größten Bedarf darstellt. Banken verorten den dringendsten Handlungsbedarf ihrer Kunden beim Thema Eigenkapital (90 Prozent). „In dieser Abweichung liegt ein großes Konfliktpotenzial in der künftigen Beziehung zwischen Banken und Unternehmen. Eigenkapital in Krisenzeiten aufzustellen ist deutlich herausfordernder als die Optimierung der Working Capital Finanzierung“, merkt Martin Keitel an. Und ergänzt: „Aktuell sind trotz der Krise die Beziehungen allerdings so gut, dass es keine Zweifel an der Sicherstellung der weiteren Unternehmensfinanzierung gibt.“

Befragt, ob es einen Veränderungsbedarf für eine verbesserte Zusammenarbeit geben sollte, äußern sich 50 Prozent der Banken neutral, während die andere Hälfte einen sehr hohen bis hohen Veränderungsbedarf sieht. Ebenfalls 50 Prozent der Unternehmen geben hier einen hohen bis sehr hohen Bedarf an. Danach befragt, wie sich die Beziehung zwischen Unternehmen und Banken ändern sollte, wünschen sich Banken überwiegend (80 Prozent) frühzeitiger über Ereignisse ihrer Kunden informiert zu werden, während sich mit rund 80 Prozent die befragten Unternehmen von ihren Banken eine höhere Flexibilität wünschen, gefolgt von weniger Dokumentation und schnelleren Entscheidungen.

Fazit

„Als Fazit stellen wir auf Basis der Studienergebnisse fest, dass Eigenkapital und Working Capital Management die wesentlichen Herausforderungen der gegenwärtigen Unternehmensfinanzierung für Unternehmen und Banken sind. Der Staat als Finanzierungspartner gewinnt dabei weiter an Bedeutung. Daraus resultiert ein höherer Strukturierungsaufwand in der Finanzierung von Unternehmen, um die Interessen von Unternehmenseigentümern, Banken und öffentlichen Kapitalgebern im Sinne der Unternehmensstrategie zusammenzuführen“, so Keitel.

Die wichtigsten Links von Behörden und Institutionen für Unternehmen rund um das Coronavirus finden sich hier.