Corona-Krise fördert Autonomie bei Arbeitnehmern

11.Dezember 2020

38 Prozent der europäischen Arbeitnehmer haben in den letzten Monaten viel eigenständiger gearbeitet als noch vor COVID-19 und für 40 Prozent war das Vertrauen der Führungskräfte in die Mitarbeiter ein zentraler Anker zur Krisenbewältigung. Das sind Ergebnisse einer Umfrage von Deloitte.

Die Corona-Krise hat die Arbeitswelt in ganz Europa auf den Kopf gestellt. Für viele Arbeitnehmer hat sich nicht nur der Arbeitsort verändert, sondern auch die Art und Weise des Arbeitens: Home-Office, virtuelle Meetings, neue Tools – all das hinterlässt bleibende Spuren. Das bestätigt nun eine Umfrage von Deloitte unter Arbeitnehmern in Europa. Demnach ist die Autonomie der Arbeitnehmer höher als vor der Krise – und sie gehen auch davon aus, dass das so bleibt. Gegenseitiges Vertrauen ist dabei ein wichtiger Schlüssel, um die aktuelle Ausnahmesituation zu meistern.

45 Prozent der Befragten geben an, bereits über einen längeren Zeitraum im Home-Office gearbeitet zu haben. Außerdem wurden bestehende Arbeitszeitmodelle in 41 Prozent der Fälle viel flexibler gestaltet. Arbeitnehmer haben aber nicht nur gelernt, remote und flexibel zu arbeiten, sie agieren jetzt auch viel autonomer. Laut Umfrage haben 38 Prozent in den letzten Monaten eigenständiger gearbeitet als noch vor der Krise. 34 Prozent gehen davon aus, dass diese Entwicklung sich Post-Corona fortsetzen wird.

„Home-Office ist gekommen um zu bleiben. Zwei Drittel der Befragten erwarten sich auch nach der Krise verstärkt von zu Hause aus arbeiten zu können. Unternehmen müssen deshalb bewusst entscheiden, welche Rolle der physische Arbeitsplatz in ihrem Betrieb künftig einnehmen soll“, so Anna Nowshad, Director bei Deloitte Österreich. „Gleichzeitig ist die Autonomie für viele Arbeitnehmer durch Remote Working stark gestiegen. Unternehmen müssen jetzt bewusst entscheiden, wie sie mit diesen Erfahrungen umgehen möchten und passende Strukturen für diese neue Form der Zusammenarbeit schaffen.“

Autonomie braucht Vertrauen als Stütze

Auch in Zeiten von Social Distancing suchen die Menschen Rückhalt in zwischenmenschlichen Beziehungen. Das verdeutlicht die Deloitte Studie: Vor allem das entgegengebrachte Vertrauen von Führungskräften (40 Prozent) und Kollegen (38 Prozent) ist laut Umfrage für viele Arbeitnehmer ein zentraler Anker im Umgang mit der veränderten Situation. Auch das Kollegen-Netzwerk (37 Prozent) half bisher vielen durch die Krise. Persönliche Faktoren werden somit während der Pandemie als wesentlich bedeutender erlebt als technologische Hilfsmittel.

„Die Umfrage bestätigt: Die menschliche Komponente verliert trotz zunehmender Digitalisierung nicht an Bedeutung – ganz im Gegenteil. Die enge und nutzenstiftende Verbindung von Mensch und Technologie wird ein wesentlicher Erfolgsfaktor für viele Unternehmen sein“, analysiert Nowshad. „Vor allem gegenseitiges Vertrauen ist essenziell.“ Die Studienteilnehmer sind diesbezüglich zuversichtlich: Immerhin 27 Prozent glauben, dass nach COVID-19 ein gesteigertes Vertrauen über alle Hierarchieebenen hinweg bestehen wird.

Momentum für Weiterentwicklung

Die neuen Umstände wirken sich auch auf die Anforderungen an die Arbeitnehmer aus. 78 Prozent haben laut eigenen Angaben durch COVID-19 wesentliche Veränderungen in ihrem Arbeitsleben wahrgenommen. Über ein Viertel der Befragten rechnet außerdem damit, dass sich die benötigten Skills für den aktuellen Job durch die Krise grundlegend verändern werden. Die Mehrheit nennt Anpassungsfähigkeit als gefragteste Fähigkeit am künftigen Arbeitsmarkt.

Unternehmen sollten laut Deloitte jetzt in die Weiterentwicklung ihrer Belegschaft investieren, um diese zukunftsfit zu halten. Essenziell ist dabei, auf die unterschiedlichen Anforderungen und Bedürfnisse der Mitarbeiter einzugehen – die klassische Einteilung nach Generationen greift dabei oft zu kurz. „Die meisten Arbeitnehmer haben in den letzten Monaten ihre hohe Anpassungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Um diese Fähigkeit nachhaltig nutzen zu können, brauchen Mitarbeiter den Raum und die Zeit für Weiterentwicklung – und das möglichst zugeschnitten auf die individuellen Rollen und Situationen. Nur so können sie sich auf die immer neuen Rahmenbedingungen einstellen. Diese Weiterentwicklung und die damit verbundene Resilienz braucht es gerade in diesen unsicheren Tagen“, rät Anna Nowshad abschließend.