Händler legen Sicherheitskonzepte für Wiedereröffnung vor

26.November 2020

Schulterschluss von Händlern, Einkaufsstraßen, Fachmarkt- und Shopping-Zentren. 100 Shoppingcenter stellen Infrastruktur für COVID-Teststraßen zur Verfügung.

Der gesamte heimische Handel blickt dem Ende des harten Lockdowns und der Wiedereröffnung des stationären Non-Food Handels am 7. Dezember hoffnungsvoll entgegen. Die vom Finanzminister Anfang der Woche präsentierten zusätzlichen Staatshilfen für betroffene Betriebe können demnach das Schlimmste abfedern, wenngleich die Deckelung des Umsatzersatzes mit 800.000 Euro gerade den vielen größeren, beschäftigungsintensiven Unternehmen heftiges Kopfzerbrechen bereitet.

Ähnliches gilt auch auf Konsumentenseite: Es braucht ein Klima der Zuversicht, denn Konsum ist Psychologie. Nur so könne die rapide gestiegene Sparquote zu reduziert und in Transaktionen umgewandelt werden, die hierzulande Arbeitsplätze sichern. Die Initiative „Österreich schenkt Arbeitsplätze“ des heimischen Handels setzt genau hier an.

Handel hat aus den Erfahrungen nach dem ersten Lockdown gelernt

„Der Umsatz im Weihnachtsgeschäft ist entscheidend, um die Verluste aus dem Lockdown so gut es geht zu kompensieren und langfristig alle Arbeitsplätze erhalten zu können. Jeder weitere Tag, an dem der Handel im Dezember geschlossen bleibt, befeuert das Händlersterben. Unsere Betriebe können viele Lernerfahrungen aus dem Frühjahr mitnehmen und haben detaillierte Sicherheitskonzepte ausgearbeitet, um auch mit dem verstärkten Kundenandrang nach der Wiedereröffnung gut umgehen zu können. Oberstes Ziel ist es, die Kundenströme zu entzerren und einen reibungslosen Kundenzufluss und -abfluss sicherzustellen“, so Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

„Natürlich kam der harte Lockdown bis 6. Dezember für die Branche zur Unzeit, die Schließung fällt voll in die Sondereinkaufstage Black Friday und Cyber Monday sowie in das angelaufene Weihnachtsgeschäft. Umso wichtiger ist eine erfolgreiche Wiedereröffnung des Non-Food Handels ab 7. Dezember, bei der die Gesundheit der Konsumenten wie auch unserer Mitarbeiter oberste Priorität hat“, sagt Ehrentraud Schreck, Geschäftsführerin von Conrad Electronic Österreich.

Der Handel werde sich weiterhin an alle Vorgaben der Bundesregierung zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung halten. Dazu zählen die Einhaltung des Mindestabstands, der Appell, möglichst bargeldlos zu bezahlen, die bundesweite Maskenpflicht beim Einkauf, der Einsatz von Plexiglas-Schutzwänden insb. im Kassenbereich, die Bereitstellung von Desinfektionsmitteln im Eingangsbereich, intensivierte Reinigungsintervalle, eine regelmäßige Kommunikation über die Abstandsregeln und Maßnahmen, sowie die Begrenzung der Kundenzahl in den Geschäften auf max. 1 Kunde pro 10m2 Verkaufsfläche.

Durchdachtes Besuchermanagement nach Wiedereröffnung

Großflächenbetriebe (u.a. Bau- & Pflanzenmärkte, Möbelhäuser, Lebensmittelgroßhandel) und Shoppingcenter können dank ihrer weitläufigen Verkaufsflächen und Besucherzählsystem Kundenströme aktiv steuern und damit ausreichend Flächen bzw. Abstände zwischen den Konsumenten sicherstellen. Darüber hinaus haben viele Händler noch zusätzliche Konzepte entwickelt, die je nach Region und Standort umgesetzt werden.

„Das A und O ist ein durchdachtes Besuchermanagement. Wir haben sehr gute Mittel und Werkzeuge, um die Besucherwege zu steuern und alle Sicherheitsmaßnahmen des Gesundheitsministeriums einzuhalten“, erklärt Alpaslan Deliloglu, Country Manager & CSO von IKEA Austria. „Zum Beispiel werden wir für den Fall, dass sich vor unseren Einrichtungshäusern Warteschlangen bilden, Bereiche unserer Parkplätze sperren. Somit können die Abstandsregeln unter wartenden Besuchern jederzeit problemlos eingehalten werden. Des Weiteren stellen wir zusätzliches Personal bereit, um kritische Wartebereiche zu steuern.“

Hygiene-Schulungen für die Beschäftigten

In allen Geschäften gilt ohnehin die Vorgabe von max. 1 Kunde pro 10m2 Verkaufsfläche. Aber auch für den Fall, dass sich vor den Geschäften Warteschlangen bilden, sind die Händler gewappnet. „Wir haben für jene Bereiche, wo es zu Stoßzeiten mehr Zulauf geben könnte, proaktive Konzepte ausgearbeitet, um die vorgeschriebenen Abstandsregeln immer gut einhalten zu können. Vielerorts werden beispielsweise von der Öffnung bis zum Ladenschluss alle Kassen durchgängig besetzt sein, um Schlangenbildung zu vermeiden“, bestätigt Holger Schwarting, Vorstand von SPORT 2000.

„Weitere COVID-Sicherheitsmaßnahmen im Handel umfassen spezielle Trainings für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um sie auf die Einhaltung der Sicherheits- und Hygienevorkehrungen detailliert zu schulen“, sagt Peter Langer, Geschäftsführer der OBI Gruppe.

„Die Sicherheitskonzepte des österreichischen Handels umfassen den gesamten Einkaufsprozess – vom Betreten des Geschäfts über den Aufenthalt bis hin zur Bezahlung im Kassenbereich, wo etwa Aufsteller und Regale entfernt werden können, um mehr Platz für den Verbraucher zu schaffen“, fasst Thorsten Schmitz, Geschäftsführer von INTERSPORT Österreich, zusammen.

Shoppingcenter wollen Infrastruktur für COVID-Teststraßen bereitstellen

Mehr als 100 heimische Shoppingcenter planen überdies, ihre Infrastruktur für COVID-Teststraßen zur Verfügung zu stellen und damit die Massenteststrategie der Bundesregierung zu unterstützen. „Im Sinne der Solidarität werden wir den zuständigen Gesundheitsbehörden gerne unsere Parkflächen für COIVD-Teststraßen kostenfrei zur Verfügung stellen“, bestätigt Jean-Erich Treu, Eigentümer des Leoben City Shopping (LCS).

Einige Shopping Malls wollen ihren Kunden und Beschäftigten – in enger Abstimmung mit dem ACSP (Austrian Council of Shopping Places), den Behörden und lokalen Apotheken – auch COVID-Schnelltests in den Eingangsbereichen anbieten.

Handel hofft auf faire Entschädigung für Umsatzausfälle

„Seitens der Politik wurde immer versprochen, dass niemand in dieser Krise zurückgelassen wird. Gerade jetzt, wo das Weihnachtsgeschäft richtig anläuft und die doppelten Gehälter sowie hohe Mieten anstehen, brauchen die Betriebe rasche Unterstützung, um eine halbe Million Arbeitsplätze im Non-Food Handel abzusichern“, appelliert Thalia-Geschäftsführer Thomas Zehetner an die politischen Entscheidungsträger.

„Der November ist für viele Händler der wichtigste Monat des Jahres, weil die Produkte noch zum Vollpreis verkauft werden. Durch den harten Lockdown ist das komplett weggebrochen. Entscheidend ist daher, dass alle betroffenen Händler für ihre Umsatzausfälle rasch und fair entschädigt werden. Der Lockdown darf nicht zu einem Amazon-Förderungsprogramm werden“, so Handelsverband-Vizepräsident Norbert Scheele, C&A Director of Countries Österreich und CEE, abschließend.

Die wichtigsten Links von Behörden und Institutionen für Unternehmen rund um das Coronavirus finden sich hier.