IT-Fachkräfte: Österreichische Unternehmen leiden unter hohem Mangel

09.November 2020

In Österreich fehlen bis zu 10.000 Fachkräfte im IT-Bereich. Die Informatikbildung ab der Volksschule ist eine wichtige Neuerung.

Gibt es ausreichend Fachkräfte im Telekommunikations- und Informationstechnologiebereich? 59 Prozent der österreichischen ManagerInnen sagen im neuen Österreichischen Infrastrukturreport 2021 der Initiative Future Business Austria (FBA) klar: „Nein“. IT-Fachkräfte sind Mangelware.

Die leichte Verbesserung um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr zeigt zwar, dass die gesetzten Maßnahmen für mehr IT-Fachkräfte wirksam werden, der Handlungsbedarf bleibt jedoch weiter erheblich. 91 Prozent fordern daher, dass der Fachkräftemangel im IT-Bereich dringend gelöst werden muss. „Dies unterstreicht einmal mehr, dass Österreich seine Bemühungen intensivieren muss, um den Betrieben die IT-Fachkräfte zu sichern, die wir gerade jetzt für Wachstum und Wertschöpfung in Österreich brauchen“, betont Alfred Harl, Obmann des Fachverbands Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT) in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

Mehr IT-Fachkräfte: Informatikunterricht in der Volksschule 

Der Infrastrukturreport zeigt ein klares Bild: 93 Prozent der befragten ManagerInnen wünschen sich mehr Forschungs- und Entwicklungsförderungen für Digitalisierung in Unternehmen. 91 Prozent mahnen die Förderung der IT-Fachkräfteausbildung ein. 40 Prozent fordern, dass niemand das Schulsystem verlassen soll, ohne eine Programmiersprache erlernt zu haben. Harl: „Die Schülerinnen und Schüler von heute sind die IT-Fachkräfte von morgen. Ein tiefgreifender und flächendeckender Informatikunterricht in allen österreichischen Schulen ab der ersten Schulstufe ist daher ein Muss.“

Der Report unterstreicht auch die wachsende Bedeutung des Know-how der heimischen IT-Berater für mehr Cybersicherheit. 88 Prozent der Befragten fordern, dass Österreich seine Cybersicherheitsaktivitäten verstärkt und noch enger koordiniert. Für Harl ist klar: „Ein erfolgreicher digitaler Standort Österreich braucht ausreichend IT-Fachkräfte und eine starke Breitband-Infrastruktur. Umso erfreulicher ist die heutige Zusage von Bundesministerin Köstinger, 102 Mio. Euro Förderungen für Breitbandausbau freizugeben. Denn: Je rascher wir diese Voraussetzungen schaffen, desto besser das Wachstum und der Wohlstand in Österreich.“

Breitband rechnet sich

Der aktuelle Report zeigt auch, wie entscheidend Investitionen in Breitband und Digitalisierung Breitbandausbau für den österreichischen Wirtschaftsstandort sind: 79 Prozent der Befragten befürchten, dass dadurch der Wirtschaftsstandort zurückbleiben würde. Zudem sehen sie die Gefahr, dass Arbeitsplätze verloren gehen (38 Prozent) und der Technologiefortschritt gehemmt werden (20 Prozent) könnten. Dass digitale Anwendungen einen Schub für die Produktivitätssteigerung am Standort Österreich bringen können, ist für die befragten ManagerInnen klar.

Sie geben die erwartete Produktivitätssteigerung durch den Einsatz neuer digitaler Anwendungen mit 14,2 Prozent an. Umgelegt auf das BIP 2019 ist das ein Produktivitätsgewinn von rund 56,61 Milliarden Euro. „In Relation zu den mit 10 Milliarden Euro veranschlagten Kosten für den Breitbandausbau rechnen sich diese Investitionen deutlich. Jeder investierte Euro bringt einen fast sechsfachen Wertschöpfungseffekt“, bilanziert der Herausgeber des Österreichischen Infrastrukturreports, David Ungar-Klein.