Equal Pay Day: Corona wirft Frauen beruflich zurück

23.Oktober 2020

Frauen verdienen in Österreich immer noch um 19,3 Prozent weniger als Männer und jede zweite Frau in Österreich ist mit ihrem Gehalt unzufrieden. Das zeigt eine aktuelle Umfrage von StepStone unter mehr als 1.900 berufstätigen und arbeitssuchenden Frauen in ganz Österreich.

Österreich begeht dieser Tage den „Equal Pay Day“. Doch besteht kein Grund zum Feiern. Der Equal Pay Day ist jener Tag, ab dem Frauen – im Vergleich zu den männlichen Berufskollegen – zwar nicht umsonst aber „gratis“ arbeiten: Vollzeitbeschäftigte Männer haben bis zum Equal Pay Day schon so viel verdient, wie vollzeitbeschäftigte Frauen erst bis Jahresende. Laut der Studie von StepStone ist die Hälfte der befragten Frauen (52 Prozent) mit ihrem Gehalt unzufrieden – und das, obwohl mehr als jede Zweite (54 Prozent) schon einmal eine Gehaltserhöhung gefordert hat. Das ist nicht nur für die betroffenen Frauen ein Problem: Aktuelle Berechnungen weisen darauf hin, dass dem Staat durch die unfaire Entlohnung von Frauen bei gleichwertiger Arbeit jährlich fünf Milliarden Euro an Steuern entgehen.

Auch der StepStone Gehaltsreport weist mit 4.500 Euro Gehaltsunterschied pro Jahr einen tendenziellen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Einkommen aus. Dabei gibt es allerdings branchenspezifische Unterschiede, sagt Stepstone-Studienleiterin Barbara Oberrauter-Zabransky: „Am besten verdienen Frauen in der Immobilienbranche, im Management und im Unterhaltungsbereich. Männer hingegen holen am meisten in Consulting, Rechtswesen und Management für sich heraus.“

Einkommensschere öffnet sich schon im Studium

Dabei öffnet sich die Einkommensschere schon früh, zeigt eine weitere Erhebung von StepStone gemeinsam mit Universum: Schon im Studium erwarten Frauen deutlich niedrigere Einstiegsgehälter als ihre männlichen Kollegen. So geben sich Frauen aller Studienrichtungen im Schnitt mit rund 6.000 Euro weniger Jahresgehalt zufrieden als ihre männlichen Kollegen.

„Wieder einmal bestätigt sich, dass die unterschiedlichen Lohnniveaus hartnäckig in den Köpfen verankert sind“, so Oberrauter-Zabransky. „Frauen wird schon früh beigebracht, beim Thema Gehalt ja nicht zu hoch zu stapeln.“ Wie verschieden das Thema Gehalt gewichtet ist, zeigt sich auch an der Wunschliste von Studierenden an ihre künftige Arbeitgeber: So wünschen sich männliche Studenten vor allem ein hohes Einkommen in der Zukunft, während für Frauen vielfältige Arbeitsaufgaben und ein freundliches Arbeitsumfeld hohe Priorität haben.

Karriere-Killer Corona?

Zudem hinterlässt die Corona-Krise Spuren in weiblichen Karriereverläufen, zeigt die StepStone-Umfrage: So hat jede zweite Frau (50 Prozent) den Eindruck, dass die Corona-Krise die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern verschärft hat und Frauen während des Lockdowns wieder vermehrt in traditionelle Rollen gerutscht sind.

Zudem gehen viele Frauen davon aus, dass Unternehmen aktuell wichtigere Themen auf dem Tisch haben als die Gleichberechtigung von Frauen im Berufsleben – „eindeutig ein Rückschritt hinter bereits Erreichtes“, so Oberrauter-Zabransky. Sie rät Arbeitgebern, weibliche Karrieren auch in Krisensituationen mitzudenken. Denn: „Spätestens, wenn die Wirtschaft nach Corona wieder anzieht, könnte es sich rächen, dass Frauen wieder in traditionellen Rollenbildern verortet werden.“