Cybersecurity: Mitarbeiter als größtes Sicherheitsrisiko

13.Oktober 2020

Die Anzahl von erfolglosen Angriffsversuchen Cyberkrimineller auf Unternehmen lässt sich seit langem nicht mehr beziffern. Doch trotz aller Vorsichtsmaßnahmen aufseiten der Organisationen sind die Attacken aus Sicht der Kriminellen regelmäßig von Erfolg gekrönt. Das legen die Aussagen von mehr als 200 Cybersecurity-Verantwortlichen in Deutschland, Österreich und der Schweiz nahe, die an einer Umfrage im Auftrag von Proofpoint teilgenommen haben.

Dabei zeigt sich, dass Hacker in den aller seltensten Fällen die technischen Schwachstellen von Systemen ausnutzen. Viel mehr versuchen sie überwiegend E-Mails unmittelbar an einzelne Mitarbeiter zu schicken, oft mit gefälschtem Absender und frei erfundenen Inhalten. Durch diese Betrugs-E-Mails sollen die Angestellten dazu verleitet werden, sensible Daten preiszugeben oder direkt Geld auf die Konten der Kriminellen zu überweisen. So stimmten ganze 70 Prozent der befragten IT-Sicherheitsverantwortlichen aus DACH zu, dass der Faktor Mensch und mangelndes Sicherheitsbewusstsein die größten Risiken für Unternehmen darstellen.

Langfristige Konsequenzen

Fallen Mitarbeiter auf die Tricks der Betrüger herein, sind die Schäden oft noch sehr lange spürbar. So hatten vier von zehn der befragten Unternehmen den Verlust sensibler Daten zu beklagen. Etwa genauso viele verzeichneten Störungen in den Betriebsabläufen.

Doch auch neben diesen direkten Auswirkungen gibt es weitere Folgen, mit denen die betroffenen Organisationen langfristig zu kämpfen haben. So hatte ein Drittel der Unternehmen Reputationsverluste im Markt zu verzeichnen, und bei jedem vierten Betroffenen verabschiedete sich ein Teil der Stammkundschaft.

Eine weitere Erkenntnis der Studie ist, dass drei von vier Unternehmen nicht optimal auf digitale Angriffe vorbereitet sind. Lediglich 24 Prozent aller Befragten konnten die Frage, ob sie auf eine Cyberattacke vorbereitet seien, vorbehaltlos bejahen. Für die Hacker besonders lohnenswerte Ziele sind dabei große Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern, denn von ihnen gaben lediglich 12 Prozent an, vorbereitet zu sein. Und auch der öffentliche Sektor gibt eher ein trauriges Bild ab: Während sich immerhin fast drei von vier privatwirtschaftlichen Unternehmen teilweise auf digitale Attacken vorbereitet haben (72 Prozent), konnte dies in der öffentlichen Verwaltung mit 46 Prozent noch nicht einmal jeder Zweite von sich behaupten.

Geringes Vertrauen in eigene Mitarbeiter

„Unsere Studie zeigt, dass Cyberkriminelle sehr erfolgreich sind, Menschen in Unternehmen zu unbedachten Handlungen zu bewegen“, erklärt Michael Heuer, Vice President DACH von Proofpoint. „Die Schäden, die erfolgreiche Cyberattacken nach sich ziehen, sind oft gravierend und können das Überleben einer ganzen Organisation langfristig in Frage stellen. Da sich die Angreifer fast nur noch auf das Manipulieren der Mitarbeiter konzentrieren, sollten viele Unternehmen ihre Sicherheitsstrategie dringend anpassen. Sicherheitslösungen, die sich lediglich auf technische Aspekte konzentrieren, reichen längst nicht mehr. Nur das Zusammenspiel von Mensch und Technik bringt den Organisationen nachhaltige Verbesserung der digitalen Sicherheit.“

Bemerkenswert ist hierbei, dass 53 Prozent der befragten CSOs und CISOs der Meinung sind, dass ihre Mitarbeiter anfällig für Cyberangriffe seien. 77 Prozent jedoch genau hier an Schulungen sparen – in drei von vier Organisationen wird höchstens zwei Mal pro Jahr eine Cybersicherheits-Schulung durchgeführt. Auch hier bildet der öffentliche Sektor das Schlusslicht: ganze fünf von sechs Organisationen führen zu diesem Thema höchstens zwei Mal im Jahr entsprechende Trainings durch.

Cybersecurity: Phishing bleibt größtes Problem

Für die IT-Verantwortlichen bleibt in puncto Cybersicherheit Phishing das häufigste Problem. Dieser Ansicht ist zumindest jeder zweite Befragte. Auf Platz 2 liegt interessanterweise ein Bereich, der in der Vergangenheit nicht ganz so große Beachtung fand: Die Rede ist von Insider Threats. Jeder dritte (35 Prozent) sieht darin künftig ein großes Sicherheitsproblem, noch vor Ransomware mit 32 Prozent.

Und auch die Covid-19-Pandemie hat einen Einfluss hinsichtlich der Einschätzung zur gegenwärtigen Bedrohungslage von Unternehmen – allerdings in unterschiedlichem Ausmaß. Zwar beobachteten 34 Prozent der Unternehmen eine Zunahme von Phishing-Attacken seit Beginn der Pandemie, doch immerhin 29 Prozent der Befragten konnten diesen Trend nicht bestätigen.

Ferner zeigen sich massive Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Branchen: So waren es im öffentlichen Sektor gerade einmal 15 Prozent der CIOs/CISOs, die eine Zunahme der Attacken wahrgenommen haben, wohingegen es in der Fertigungsindustrie und dem Einzelhandel mit 45 Prozentpunkten drei Mal so viele waren. Spitzenreiter im negativen Sinne war die Logistik-Branche. Mehr als 56 Prozent der Unternehmen hatten während der Pandemie einen Zuwachs an Phishing-Attacken zu verzeichnen.