Unternehmen fordern Reformen in Österreichs Steuerwesen

24.September 2020

Österreichs Steuerlandschaft birgt nach wie vor viele Herausforderungen für die heimischen Unternehmen. Laut dem aktuellen Deloitte Austrian Tax Survey erwarten die Führungskräfte konkrete Maßnahmen im Steuerbereich, die die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes positiv beeinflussen.

Neben der seit langem geforderten Reduktion der Lohnnebenkosten wird auch in der Ökologisierung des Steuersystems ein wichtiger Hebel gesehen. Der Optimismus hinsichtlich zukünftiger Entwicklungen im Steuerwesen hält sich aktuell jedoch in Grenzen. „Die Unternehmen halten an ihrer Meinung fest: 77 Prozent nehmen das steuerliche Umfeld im Vergleich zu 2019 als unverändert herausfordernd wahr. Dieses Ergebnis unterstreicht, dass es weitere Reformen und strukturelle Maßnahmen zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes braucht. Nur so kann Österreich wirtschaftlich gut durch die Krise kommen“, sagt Herbert Kovar, Partner bei Deloitte Österreich.

Für eine Studie des Beratungsunternehmens Deloitte wurden im Juli und August 2020 österreichweit 232 Führungskräfte um ihre Einschätzung der heimischen Steuerlandschaft gebeten. Das Ergebnis: Die große Mehrheit sieht sich durch das steuerliche Umfeld in Österreich weiterhin mit zahlreichen Hürden konfrontiert.

Wunsch nach konkreten Maßnahmen im Steuerwesen

Laut Studie haben die Unternehmer klare Vorstellungen, was sich in der heimischen Steuerlandschaft ändern muss. Drei Viertel der Führungskräfte wünschen sich eine Reduktion der Lohnnebenkosten. Das bestätigt die jüngsten Ergebnisse des kürzlich veröffentlichten Deloitte Unternehmensmonitors: Auch in dieser Studie wurde von den Unternehmen die Senkung der Lohnnebenkosten als dringendste Forderung zur Entlastung in der aktuellen Krisensituation identifiziert.

43 Prozent der Befragten sehen außerdem die Vereinfachung des Einkommensteuergesetzes als dringliche Maßnahme für die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes. Das Überraschende: Im Jahresvergleich ist auch die Ökologisierung des Steuersystems auf der Wunschliste nach oben gewandert.

„Laut Umfrage stimmen 55 Prozent der Unternehmensvertreter für eine umfassende Ökologisierung des Steuersystems. Eine Ökosteuerreform sehen die Unternehmen nicht mehr ausschließlich als Bedrohung, sondern als Chance, durch Lenkungsmaßnahmen gegen den Klimawandel zu steuern. Gleichwohl bedarf es hier eines Moderationsprozesses, um nachteilige wirtschaftliche und soziale Folgen zu vermeiden“, ergänzt Kovar.

Verunsicherung durch mangelnde Eindeutigkeit

Aktuell birgt das steuerliche Umfeld jedoch zahlreiche Hürden. Laut 74 Prozent der Befragten liegen die größten Unsicherheitsfaktoren vor allem in unklaren oder widersprüchlichen Interpretationen der Regelungen durch die Finanzverwaltung. Häufige Gesetzesänderungen stellen für 61 Prozent eine Schwierigkeit dar. Diese Änderungen erhöhen den organisatorischen Aufwand und mindern gleichzeitig die Planungssicherheit. „Die Befragten wünschen sich im Steuerbereich Klarheit und Einfachheit, damit sie sich in diesen herausfordernden Monaten auf die Führung ihres Unternehmens fokussieren können“, analysiert der Deloitte Steuerexperte.

Auch die Abwicklung von COVID-19-Hilfspaketen wie Förderungen und Stundungen hat rund 53 Prozent der Befragten auf Trab gehalten. Des Weiteren spielen Compliance-Themen in der derzeitigen Ausnahmesituation nach wie vor eine große Rolle.

Durchwachsene Zukunftsprognose

Vor dem Hintergrund der Corona-Krise ist mehr als die Hälfte der Unternehmen eher zurückhaltend, was die Erwartungen an die Entwicklung des Standortes betrifft. Die Auswirkungen der Pandemie selbst, aber auch die oftmals noch unzureichende Digitalisierung sowie der Klimawandel bereiten den heimischen Führungskräften beim Blick in die Zukunft neben den klassischen Steuerthemen große Kopfzerbrechen.

„Sicherheit und Stabilität sind jetzt das A und O für die Wirtschaftstreibenden. Umso mehr braucht es nun entsprechende klare Maßnahmen, damit der Steuerstandort Österreich in der Krise an Attraktivität gewinnt“, so Kovar abschließend.

Die wichtigsten Links von Behörden und Institutionen für Unternehmen rund um das Coronavirus finden sich hier.