Bargeldloses Bezahlen in Coronavirus-Zeiten

16.September 2020

Mit der Einführung der PSD2-Richtlinie sollte sich in Europa der Datenaustausch zwischen Banken und Drittanbietern etablieren. Doch sowohl in Österreich als auch auf europäischer Ebene sind die Vorbehalte gegenüber Open Banking-Angeboten noch immer groß.

Das hat wohl zur Abwechslung nichts mit dem Coronavirus zu tun: Lediglich 22 Prozent der österreichischen Befragten sind dazu bereit, ihre Finanzdaten mit Banken oder Drittanbietern zu teilen. Damit liegt Österreich im europäischen Durchschnitt (20%). Am ehesten ließen sich die österreichischen Verbraucher mit Einkaufsrabatten (11%), einer automatisierten Steuererklärung (11%) oder der kostenlosen Nutzung von Bankdienstleistungen (5%) davon überzeugen, ihre Bankdaten zu teilen, wie die neue Ausgabe der „European Payments“-Studie von Strategy&, der Strategieberatung von PwC, zeigt. Dabei vertrauen die österreichischen Befragten nach wie vor am meisten traditionellen Banken und Kartenanbietern, um ihnen persönliche Informationen zu überlassen (19%). Einzelhändler (9%) und Zahlungsdienstleister (8%) konnten sich vor Neobanken und FinTechs behaupten, die weit abgeschlagen nur von 2% der Verbraucher Daten erhalten würden. Im Vergleich zur vergangenen Umfrage mussten aber vor allem Zahlungsdienstleister Vertrauen einbüßen (2018: 13%).

Coronavirus: Bargeldloses Zahlen immer beliebter

Auch wenn mit der Zurückhaltung bei der Weitergabe persönlicher Daten eine der Grundlagen für Open Banking bislang noch gehemmt ist, zeigen sich an einer anderen Front erste Fortschritte: Der Anteil der österreichischen Konsumenten, die aktuell bereits ihr Smartphone zum Bezahlen nutzen, hat sich von 11% (2018) auf 12% (2020) leicht erhöht (Europa: 14%). Bankomatkarten steigen ebenfalls weiter in der Beliebtheit und werden von 27% der österreichischen Befragten präferiert (2018: 22%). Hingegen können Kreditkarten nicht von diesem Trend profitieren, ihr Anteil bei den beliebtesten Zahlungsmitteln sank von 8% (2018) auf 6% (2020). Auch europaweit liegen Bankomatkarten mit 31% (2018: 27%) bei den bargeldlosen Bezahlmethoden vorne. Zudem stehen Kreditkarten mit 19% (2018: 19%) auf europäischer Ebene höher im Kurs als in Österreich.

Pandemie fördert digitale Zahlungsmethoden in Österreich

Die Coronavirus-Pandemie führt zu einem zusätzlichen Anstieg bei bargeldlosen Zahlungen: 39% der österreichischen Befragten geben an, momentan häufiger mit der Karte zu bezahlen als vor der Krise (Europa: 44%). Zusätzlich gibt die Mehrheit der Verbraucher in Österreich (54%) an, ihr geändertes Bezahlverhalten auch nach der Krise ganz oder größtenteils beibehalten zu wollen (Europa: 47%).

„Zum Jahrestag des Inkrafttretens von PSD2 wird deutlich, dass der Weg zum Open Banking in Österreich wie auch in anderen europäischen Ländern noch weit ist. Allerdings hat die Coronavirus-Pandemie offensichtlich dazu beigetragen, das Zahlungsverhalten zugunsten digitaler Alternativen zu verändern – eine der Voraussetzungen für eine funktionierende Open Banking-Infrastruktur. Banken und FinTechs sollten das aktuelle Momentum zum Anlass nehmen, um weiter in attraktive und integrierende Services zu investieren und so skeptische Verbraucher vom Mehrwert durch Datenaustausch zu überzeugen“, kommentiert Hendrik Bremer, Partner bei Strategy& Österreich.

In anderen Lebensbereichen sind Konsumenten in Österreich mittlerweile durchaus bereit, für bestimmte Services ihre Daten zu teilen. Weit verbreitete Messenger (53%) oder Social Media-Apps (35%) werden häufig genutzt, ebenso wie Bonussysteme von Einzelhändlern (35%). „Die Beispiele für erfolgreiche datenintensive Anwendungen außerhalb der Finanzwelt zeigen, welches Potential in Open Banking schlummert. Dieses muss nun über entsprechende Angebote weiter geweckt werden: Banken und FinTechs können ihren Kunden beispielsweise mit der übergreifenden Kontrolle über sämtliche Konten, Abbuchungen und Verträge die Vorteile von Open Banking aufzeigen. Da jedoch selbst der Vertrauensvorschuss von Banken im Hinblick auf die Weitergabe von Daten langsam schwindet, ist hier rasches Handeln gefragt“, so Hendrik Bremer.

Gründe für Bargeldzahlungen in Österreich ändern sich

Gleichzeitig scheint die Abkehr vom Bargeld nun auch immer mehr in Österreich anzukommen: Bevorzugten hierzulande 2018 noch 61% der Befragten Scheine und Münzen als Zahlungsmittel, verringert sich ihre Zahl auf nunmehr 57%. In Europa liegt dieser Wert allerdings nur noch bei 36% (2018: 43%). Die Beweggründe hinter der noch immer großen Bargeldleidenschaft in Österreich haben sich in den letzten beiden Jahren jedoch deutlich geändert. Während vor zwei Jahren 41% der Befragten angaben, Bargeld sei oft die einzig akzeptierte Zahlmethode, sagen dies aktuell lediglich noch 35%. Auch Bequemlichkeit (2020: 23%; 2018: 32%) oder Sicherheitsbedenken (2020: 18%; 2018: 21%) spielen eine immer geringere Rolle. Gleichzeitig bezahlen allerdings mehr Personen bevorzugt bar, um leichter die Kontrolle über ihre Ausgaben zu behalten (2020: 27%; 2018: 24%).

Die wichtigsten Links von Behörden und Institutionen für Unternehmen rund um das Coronavirus finden sich hier.