Studie: Veränderungen in Unternehmen nach Covid-19 sind dauerhaft

12.August 2020

Eine globale Umfrage von PwC unter CEOs befasst sich mit den Wachstumsaussichten und den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Art und Weise, wie Unternehmen jetzt und in Zukunft arbeiten. Die Ergebnisse zeigen, dass der Trend hin zu Remote-Arbeit, Automatisierung und weniger Mitarbeiterdichte im Büro anhalten wird.

Die Mehrheit der befragten CEOs glaubt, dass die durch die Covid-19-Pandemie herbeigeführte Verlagerung hin zu räumlich entfernter Zusammenarbeit (78 Prozent), Automatisierung (76 Prozent) und weniger Mitarbeitern, die vom Standort Büro aus arbeiten (61 Prozent), von Dauer sein wird. Insgesamt sind 61 Prozent der Befragten der Ansicht, dass ihr Geschäftsmodell in Zukunft stärker digitalisiert sein wird – ein Wandel, der durch die Pandemie beschleunigt wird.

Aus den Antworten geht zudem hervor, dass die Themen digitale Infrastruktur, flexibles Arbeiten und das Wohlergehen der Mitarbeiter ganz oben auf der Agenda der CEOs stehen werden, wenn sie die Geschäftsabläufe neu gestalten, um das Wachstum in den nächsten 12 Monaten und darüber hinaus zu sichern. 58 Prozent der Unternehmensleiter sagen, dass die Gewährleistung der Sicherheit der Lieferkette ein Schwerpunkt bleiben und Technologieinvestitionen vorantreiben wird, um die Nachverfolgung von Produkten von der Fertigung bis zur Auslieferung zu ermöglichen und um sicherzustellen, dass sowohl Lieferanten als auch Partner krisenfest sind.

„Die Führungskräfte in der Wirtschaft müssen zum einen ihr Unternehmen jetzt und hier am Laufen halten und zum anderen gleichzeitig ihre Strategie für morgen grundlegend überdenken, damit sie ihr Unternehmen im Anschluss an die Pandemie so umgestalten können, dass es in einer ganz anders aufgestellten Welt erfolgreich Bestand hat. Dabei müssen sie nicht nur die Covid-19-bedingte Beschleunigung des gesellschaftlichen Wandels und die steigenden Erwartungen ihrer weitgefassten Stakeholder im Auge behalten, sondern auch die anderen Themen, die die Zukunft der Wirtschaft grundlegend umgestalten werden – vom Klimawandel bis zum Populismus“, erklärt Bob Moritz, Global Chairman von PricewaterhouseCoopers International Limited.

Flexible Unternehmen sind nach Covid-19 besser aufgestellt

Als Gegenansage an die jahrzehntelang zunehmende Globalisierung glauben fast zwei von fünf (39 Prozent) CEOs, dass es eine dauerhafte Verlagerung hin zu Onshoring und Insourcing geben wird, und ein ähnlicher hoher Prozentsatz der Befragten erwartet ein anhaltendes Erstarken des Nationalismus.

„Die Covid-19-Pandemie hat die CEOs wieder daran erinnert, wie wichtig es ist, Resilienz in das Geschäftsmodell einzubauen. Unternehmen, die in der Lage waren, schnell digitale Arbeitsmethoden einzuführen oder ihre Lieferketten umzustellen, konnten den Schock besser abfedern. CEOs müssen jetzt mit der sich ausbreitenden Pandemie umgehen und simultan dazu ihre künftige Arbeitsweise überdenken. Nicht jede aus einer Krise geborene Innovation muss zwangsläufig auf lange Sicht passend sein, aber es gibt viel zu lernen“, sagt Kristin Rivera, Global Leader, Forensics & Crisis bei PwC.

Die CEOs sind naturgemäß vorsichtig in Bezug auf die Aussichten für das eigene Umsatzwachstum im kommenden Jahr (45 Prozent sind leicht zuversichtlich, 15 Prozent sind sehr zuversichtlich). 65 Prozent prognostizieren einen Rückgang des globalen Wachstums. Die Sorge um die globale Konjunktur ist in Afrika, Mittel- und Osteuropa, Asien und Lateinamerika am größten.

Die Unternehmensleiter glauben auch, dass die Pandemie es wichtiger gemacht, wie auf ein breiteres Spektrum von Stakeholder-Themen, insbesondere der Beschäftigten, einzugehen ist. Die unterstützenden Maßnahmen für Mitarbeiter greifen in den Bereichen Gesundheit und Sicherheit (92 Prozent), Wohlergehen (61 Prozent) und finanzielle Unterstützung (24 Prozent). 42 Prozent der Unternehmen engagierten sich in gemeinschaftlichen Organisationen, und fast ein Drittel (32 Prozent) der Unternehmensleiter haben ihr eigenes Gehalt gekürzt. CEOs, die die Mitarbeiterbindung (36 Prozent) maximiert und sich für den Schutz der Gesundheit und Sicherheit ihrer Mitarbeiter eingesetzt haben (92 Prozent), glauben, dass sich dies langfristig positiv auf den Ruf ihres Unternehmens auswirken wird.

Limitierter Rückzug aus den Städten

Die durch Covid-19 vorangetriebenen Veränderungen tragen wesentlich zu einer bereits vollen CEO-Agenda bei. Der Klimawandel bleibt ein einflussreicher Trend, für Verbraucher und Unternehmen gleichermaßen. Auf die Frage, ob die Hinwendung zum Klimaschutz weiter anhalten würde, antwortete die Mehrheit der Unternehmensleiter (47 Prozent), dass diese von Dauer sein werde. Die CEOs glauben, dass die kurzfristige Zunahme von Einwegartikeln (einschließlich Desinfektionsmittel und Masken) und der kurzfristige Rückgang bei der Nutzung der Sharing Economy nur vorübergehender Natur sind.

Die Mehrheit der CEOs (61 Prozent) glaubt zwar, dass es eine geringere Dichte an Arbeitsplätzen als bisher geben wird, aber die Meinungen darüber, welche Rolle die Städte in Zukunft spielen werden, sind weiterhin geteilt. 34 Prozent glauben, dass sich die Tendenz zur Deurbanisierung fortsetzen wird; 38 Prozent glauben, dass dies nur ein vorübergehender Trend ist.

Die CEOs erwarten keine erweiterte Unterstützung durch den Staat, wobei die Mehrheit (57 Prozent) der Meinung ist, dass die staatliche Intervention nur temporär ist, jedoch das Potenzial für Regierungen birgt, die Erholung von Covid-19 zu beeinflussen und wirtschaftlich wirksame politische Maßnahmen zu ergreifen. Weniger als jeder Dritte (30 Prozent) ist der Ansicht, dass die Unterstützung der Regierung trotz der stark eingetrübten Aussichten für das globale und unternehmensbezogene Wachstum in den nächsten 12 Monaten anhalten wird. Einer von fünf Befragten gibt an, dass er während der Pandemie staatliche Unterstützung für sein Unternehmen abgelehnt hat.

„Manch einer der CEOs hat jetzt vielleicht das Gefühl, einen kritischen Test bestanden zu haben. Entscheidend ist nun, dass die Unternehmensführer die wichtigen Erkenntnisse, die sie über ihre Organisationen gewonnen haben, effektiv für Wirtschaft und Gesellschaft nutzen. Die nachhaltigste Veränderung aus dieser Pandemie ist die Tatsache, dass nicht mehr um lang- oder kurzfristig geht. Es gibt keine Wahl mehr, wir müssen beides angehen“, so Moritz.