USA und Coronavirus: Konkurse bahnen sich in zwei Phasen an

23.Juli 2020

Obwohl die Zahl der Konkursanmeldungen in den USA seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie im Februar zurückgegangen ist, dürfte das nur eine Seite der Medaille sein, da das Konkursrecht der USA zwei verschiedene Ausprägungen hat.

Die USA werden hart von der Coronavirus-Epidemie getroffen. Wir berechnen in unserem Basisszenario, dass das BIP des Landes im Jahr 2020 um 5,6 Prozent schrumpfen wird. 2021 sollte das BIP um 3,3 Prozent wieder ansteigen. Allerdings ist dies aus heutiger Perspektive unsicher, analysiert Coface-Manager Declan Daly die Situation.

Nach dem starken Rückgang des BIP ist mit einem massiven Anstieg der Unternehmensinsolvenzen zu rechnen. Die Zahl der Konkurs-Anmeldungen ist zwar seit Beginn der Krise im Februar zurückgegangen. Dies erkennt man an einem deutlichen Rückgang der Konkursanmeldungen nach Kapitel 7 des US-Konkursrechts (Liquidation), erläutert Daly. Gleichzeitig ist die Zahl der Unternehmen, die den Schutz nach Kapitel 11 (Reorganisation) beantragen, stark angestiegen. Es wird hier ein Plus von 48 Prozent gegenüber Mai 2019 verzeichnet. Das deutet darauf hin, dass sich die durch das Coronavirus verursachten Konkurse bereits heute anbahnen. Coface prognostiziert, dass die Zahl der Insolvenzen in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 ansteigen wird. Es ist mit einem Anstieg von 43 Prozent zwischen Ende 2019 und Ende 2021 zu rechnen.

Coronavirus: Sinkende Insolvenzzahlen als Scheinsituation

Im Jahr 2019 kam es zum ersten Mal seit 2009 zu einem jährlichen Anstieg der Unternehmens-Pleiten. Die Zahl der eingeleiteten Verfahren nahm im Vergleich zu 2018 um 2,5 Prozent zu. Die nach dem ersten Quartal 2020 veröffentlichte Daten zeigen, dass die Unternehmenskonkurse nach einem Sprung von 21 Prozent im Januar ab Februar zurückgingen. Wie in Europa könnten Maßnahmen zur Unterstützung der Unternehmensliquidität, eine abwartende Haltung von Schuldnerunternehmen und die Schließung von Konkursgerichten diesen Trend erklären, erläutert Daly. Angesichts des Ausmaßes der Krise und dem allmählichen Auslaufen der Unterstützungsmaßnahmen, ist zu erwarten, dass sich die Unternehmenszusammenbrüche in den Vereinigten Staaten beschleunigen werden. Aggregierte Unternehmensbilanzen zeigen, dass die Luft- und Raumfahrt, der Einzelhandel, die Automobilindustrie und der Energiesektor am anfälligsten sind.

Auch „Zombie“-Firmen, die trotz prekärer Solvenz und Rentabilität weiter operieren und 2019 mehr als sechs Prozent der Unternehmen ausmachten, könnten in den kommenden Monaten in die Insolvenz getrieben werden. Noch wichtiger ist, dass mit der zunehmenden Zahl von Unternehmen, die gezwungen sind, Schulden zu machen, um mit Einnahmeverlusten fertig zu werden, die Gefahr einer Vervielfachung der notleidenden Unternehmen zum Konkursrisiko hinzukommt.

Die wichtigsten Links von Behörden und Institutionen für Unternehmen rund um das Coronavirus finden sich hier.