Ab Herbst weltweite Welle an Insolvenzen erwartet

20.Juli 2020

Während sich die USA aktuell im Epizentrum der Insolvenzwelle befinden, herrscht in anderen Ländern noch die Ruhe vor dem Sturm. Allerdings dürfte spätestens ab dem Herbst überall auf der Welt die Pleitewelle einsetzen, die sich dann über das gesamte erste Halbjahr 2021 fortsetzt. Zu diesem Ergebnis kommen die Kreditversicherung Acredia und Euler Hermes in einer Studie.

Die Kreditversicherungs-Experten von Acredia erwarten aktuell für die beiden Jahre 2020 und 2021 einen kumulierten Anstieg der weltweiten Insolvenzen um insgesamt 35 Prozent auf einen neuen Negativrekord (17 Prozent im Jahr 2020, 16 Prozent im Jahr 2021). Die Entwicklung ist allerdings sehr heterogen: In zwei von drei Ländern zeigt sich bereits jetzt ein massiver Anstieg der Pleiten, im anderen Drittel wiederum findet der stärkste Anstieg zeitversetzt erst 2021 statt.

„Das ist nicht nur ein Warnruf – diese Zeitbombe tickt laut und deutlich“, so Acredia-Vorstand Ludwig Mertes. „Spätestens im dritten Quartal des Jahres wird diese Zeitbombe hochgehen und die Schockwellen dürften sich ins gesamte erste Halbjahr 2021 und darüber hinaus ausbreiten.“

Keine Entspannung in Sicht

Eine Entspannung zeichnet sich 2021 mit einem weiteren Zuwachs der weltweiten Insolvenzen also keinesfalls ab. „Vergleicht man die Prognosen von 2021 mit den Fallzahlen von 2019, ergibt dies in den beiden Jahren einen kumulierten Zuwachs der globalen Pleiten um mehr als ein Drittel (+35 Prozent) auf einen neuen Negativrekord“, sagt Mertes. „Wenn die jeweiligen staatlichen Unterstützungsmaßnahmen zu früh beendet werden, dürfte der Anstieg sogar noch um 5 – 10 Prozentpunkte höher ausfallen.“

Das sind keine guten Nachrichten für Österreichs wichtigsten Exportmarkt Deutschland, wo sich negative Entwicklungen in den Exportmärkten meist stärker auswirken als in anderen Staaten. Trotzdem kommt Deutschland im Vergleich voraussichtlich besser durch die Krise als viele andere.

„Gründe dafür sind neben der besseren Ausgangssituation und dem kürzeren, weniger strikten Lockdown vor allem die schnellen und sehr umfangreichen Sofortmaßnahmen der deutschen Regierung. Insbesondere der gemeinsame Schutzschirm von Bund und Kreditversicherern für deutsche Unternehmen hat den Handel erst einmal stabilisiert und Lieferketten zusätzlich geschützt“, so Mertes.

Österreich: Schutzschirmforderung noch in Detailverhandlung

In Österreich, wo es keinen Schutzschirm gibt und die Gespräche dazu noch laufen, erwarten die Acredia-Experten bis 2021 einen Anstieg der Unternehmens-Insolvenzen um 20 Prozent gegenüber 2019. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 war es ein Plus von 2 Prozent. Im Jahr 2009, als Reaktion auf die damals weltweite Finanzkrise, waren es 9,3 Prozent.

Acredia empfiehlt eine rasche Lösung beispielsweise nach deutschem Vorbild – dort übernimmt der Staat 90 bis 100 Prozent Prozent des Risikos, die Kreditversicherer geben im Gegenzug 65 Prozent der Prämieneinnahmen an den Bund ab –, um entsprechend stabile Rahmenbedingungen für den Wirtschaftsstandort Österreich zu schaffen. „Hier geht es um die Ermöglichung und Sicherstellung österreichischer Geschäfte, Umsätze und Arbeitsplätze sowie den Erhalt von Lieferketten!“, betont Mertes.

Insolvenzen: USA mit stärkstem Anstieg 2020

Viele Unternehmen in anderen Ländern trifft es früher und härter: Die USA (+47 Prozent Anstieg der Insolvenzen 2020) führen das Negativranking der Länder an, die bereits 2020 unter einem massiven Anstieg der Insolvenzen leiden. Sie teilen ihr Schicksal mit zwei von drei Ländern weltweit. Darunter befinden sich neben den USA, Brasilien (+32 Prozent im Jahr 2020) und China (+21 Prozent) auch viele europäische Staaten wie beispielsweise Portugal (+30 Prozent), die Niederlande (+29 Prozent), Spanien (+20 Prozent) oder Italien (+18 Prozent).