Immobilien zeigen sich weiterhin krisenfest

10.Juli 2020

Eine aktuelle Analyse des europäischen Immobilienmarktes von Deloitte zeigt: Die Leistbarkeit von Eigentum nimmt in Österreich zunehmend ab, die Kaufpreise für Wohnungen am heimischen Markt sind spürbar gestiegen. Mietobjekte in Wien sind hingegen im internationalen Vergleich relativ leistbar.

Mit dem Property Index untersucht Deloitte jährlich den Immobilien-Markt in Europa. Das aktuelle Ergebnis der Studie: Der Wohnungskauf wird hierzulande immer teurer, Österreich hat einen steten Anstieg an Quadratmeterpreisen zu verzeichnen. Bei Mietwohnungen zeigt sich aber ein anderes Bild. Obwohl Wien als eine der lebenswertesten Städte an Beliebtheit gewinnt, sind hier die Mieten im europäischen Vergleich leistbar.

Um in Österreich eine Wohnung zu kaufen, muss man tief in die Tasche greifen: Im Schnitt kostet der Quadratmeter von Wohnungen bei Erstbezug 4.176 Euro. Das entspricht rund zehn durchschnittlichen Bruttojahresgehältern für eine 70 m2-Wohnung. Die Alpenrepublik liegt damit im europäischen Ländervergleich auf dem dritten Platz. In Wien müssen sogar durchschnittlich 4.868 Euro pro Quadratmeter bezahlt werden. In Tschechien sind die Wohnungspreise in Relation zum durchschnittlichen Bruttojahresgehalt am höchsten. Eine 70 m2-Neubauwohnung kostet dort mehr als elf Bruttojahresgehälter.

„Diese Preisentwicklung ist immer noch auf das günstige Zinsumfeld, die bisher steigenden Baukosten und die wachsende Beliebtheit von Immobilien als Anlageform zurückzuführen“, sagt Gabriele Etzl, Partnerin bei Jank Weiler Operenyi/Deloitte Legal.

Anhaltend starkes Stadt-Land-Gefälle

Paris bleibt mit 12.863 Euro pro Quadratmeter beim Wohnungskauf die teuerste europäische Stadt. Städte wie Luxemburg mit 9.565 Euro, München mit 8.250 Euro und London mit 7.699 Euro pro Quadratmeter zählen ebenfalls zu den teuren Pflastern in Europa.

Laut Deloitte zeichnet sich außerdem ein anhaltend starkes Stadt-Land-Gefälle ab. In fast allen analysierten Ländern liegen die Wohnungspreise in den Ballungszentren deutlich über dem landesweiten Durchschnitt. Ausnahmen bestätigen aber die Regel: In Graz werden Verkaufspreise unter dem Bundesdurchschnitt erzielt (85 Prozent).

Im Vergleich zu anderen europäischen Hauptstädten ist Wien eine durchaus leistbare Mieterstadt. Hier kostet der Quadratmeter durchschnittlich 9,90 Euro. Zum Vergleich: In Luxemburg müssen Mieter mit 30,70 Euro pro Quadratmeter rechnen, in Paris sind es im Schnitt 28,30 Euro.

„So teuer Eigentum hierzulande ist, so leistbar ist das Mieten. Bei einer Stadt mit einer hohen Lebensqualität wie Wien ist es bemerkenswert, dass sich die Mietpreise noch auf einem erschwinglichen Niveau halten können. Ein Grund dafür ist sicherlich die preisdrückende Wirkung im Vollanwendungsbereich des österreichischen Mietrechtsgesetzes sowie geförderter Wohnbau“, so die Immobilienexpertin.

Covid-19 und der heimische Immobilien-Markt

Derzeit lassen sich laut Deloitte noch keine handfesten Prognosen hinsichtlich der langfristigen Auswirkungen von Covid-19 auf die heimischen Mietpreise stellen. Es ist damit zu rechnen, dass zahlreiche Wohnungen, die vor der Krise noch über Online-Plattformen touristisch vermietet wurden, nun langfristig regulär vermietet werden. Das würde den Preisdruck weiter erhöhen.

Auf Kaufpreise wird die Krise laut den Deloitte Experten allerdings kaum Auswirkungen haben. „In der letzten Rezession hat der Rückgang der Bautätigkeit in Kombination mit niedrigen Finanzierungskosten und nachfolgendem wirtschaftlichem Aufschwung die Wohnimmobilienpreise in ganz Europa in die Höhe getrieben. Dieses Mal ist es anders: Die Projektentwickler sind auf Komplikationen besser vorbereitet. Trotz Verzögerungen bei der Genehmigung von Bauvorhaben dürfte es zu keinem signifikanten Ausfall der Bautätigkeit kommen“, analysiert Gabriele Etzl abschließend.