#glaubandich: 5 Punkte, wie man mit einer souveränen Sprechweise auch digital überzeugt

03.Juli 2020

Mit der Digitalisierung hat sich auch unsere Art zu kommunizieren stark verändert. Plattformen wie YouTube oder Facebook bieten Unternehmern ganz neue Möglichkeiten, sich einem großen Publikum zu präsentieren. Die Präsentations- und Kommunikationsexpertin Nikola Vodicka hat sich in ihrem Blogbeitrag Gedanken darüber gemacht, welche Rolle hier die Stimme als Kommunikationsinstrument einnehmen kann und wie man sie richtig einsetzt.

Erst kürzlich habe ich einen Blog gelesen mit dem Titel „Lockdown vor 25 Jahren?“. Wie hätte die Situation für Unternehmen ausgesehen, hätte der durch die Covid-19-Pandemie notwendige Lockdown 1995 stattgefunden? Eine der Kernaussagen lautete: „Der Kontakt zur Außenwelt wäre machbar – aber ganz schön schwierig.“ Den Unternehmern wäre zu dieser Zeit wohl nichts anderes übrig geblieben, als die Zeit abzusitzen und abzuwarten.

Heute ist der Kontakt zur Aussenwelt alles andere als schwierig. Für manche von uns vielleicht noch gewöhnungsbedürftig, aber einfach. Jeder von uns besitzt PC, Laptop, Smartphone. Dennoch fällt es den Unternehmern nicht so leicht, sich auf digitalem Weg zu präsentieren. Für viele heißt es nun: raus aus der Komfortzone. Diejenigen, die diesen Schritt gewagt haben, zählen jetzt schon zu den Gewinnern dieser Zeit.

Doch genauso, wie die Vorteile auf der Hand liegen, sind wir plötzlich mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Bereiche, mit denen wir uns bisher kaum auseinandergesetzt haben, stehen nun im Mittelpunkt: unsere Stimme, unser Auftritt und unsere Wirkung.

Unterschied zum Profi Sprecher

Wenn wir ein privates Video aufnehmen und es innerhalb des Familien- und Bekanntenkreises herzeigen, wird es kaum jemanden stören, dass die Stimme nicht so klingt wie die Off-Stimme der letzten TV-Doku. Auch die interneren Besprechungen mit Kollegen gehen leicht von der Hand – man kennt sich bereits und Schwächen im Auftritt haben keine Auswirkungen. Ob Ihr Kollege Erich während des Calls ständig ähm sagt oder ein dünnes Stimmchen hat, nervt Sie vielleicht, aber sie sehen darüber hinweg.

Im Business-Kontext sieht die Sache jedoch ganz anders aus. Business bedeutet für uns, professionell zu agieren. In der Regel möchten wir einen Geschäftspartner überzeugen und schaffen eine positive Atmosphäre im persönlichen Gespräch. Diese Möglichkeit steht uns online nicht mehr zur Verfügung. Von der Atmosphäre bleibt nur mehr ein Bildausschnitt mit unserem Closeup und unser Gegenüber fokussiert auf unsere Mimik, Stimme, Sprechweise. Warum wirken in dieser Situation viele nicht mehr professionell?

Die Antwort liegt auf der Hand: wir sind aus TV, Internet, Radio und Kino richtig gute Stimmen und Sprecher gewöhnt. Auch die Ansagen in Bus und Bahn und vor allem in der Werbung werden von Profisprechern gesprochen. Menschen neigen dazu, zu vergleichen – und zwar situationsbedingt. Im One-2-One Gespräch vergleichen wir unsere Gesprächspartner mit Menschen, die wir kennen und vor dem Bildschirm bzw. der Webcam mit Menschen, die wir aus TV und Videos kennen. Hier erwarten wir uns unterbewusst einfach mehr Professionalität.

Gute Stimmen verbinden wir mit Qualität, Vertrauen und Kompetenz. Die Firmen lassen sich daher auf keine Experimente ein und gehen auf Nummer sicher, indem sie Profisprecher engagieren. Den meisten von uns ist gar nicht bewusst, wie sehr sich ihre untrainierte Stimme von der des Profisprechers unterscheidet. Bis sie sich das erste Mal aufnehmen.

Die eigene Stimme zu hören kann für manche schmerzhaft sein.

Warum klingt unsere eigene Stimme so fremd? Ganz einfach: wir hören uns auf zwei Arten – über den Gehörgang und über den Knochengang. Unsere Stimme nehmen wir demnach – während wir sprechen – über zwei Kanäle wahr. Dieser Klang vermischt sich und daraus ergibt sich der „gewohnte“ Stimmklang. Unsere Mitmenschen hören uns über den Gehörgang – so wie wir unsere Stimme auch hören, wenn diese vorher aufgezeichnet wurde. Die tiefen Töne, die wir sonst über den Knochengang wahrnehmen, fallen weg. Daher hört sich der Ton unserer Stimme erst einmal fremd und gewöhnungsbedürftig an.

Die Lösung des Problems: Unsere Stimme aus einer anderen Perspektive wahrnehmen und uns an sie gewöhnen! Und falls wir nach der Eingewöhnungszeit und etwas Training immer noch unzufrieden sind, gibt es eine gute Nachricht: Fast jede Stimme lässt sich verändern.

Stimme als Tabuthema

Wir werden meist nur dann auf die Stimme und Sprechweise angesprochen, wenn wir besonders gut klingen – selten, wenn wir die Stimme des Gegenübers kaum aushalten, weil sie zu schrill, zu leise oder zu undeutlich ist. Wenn Kunden zu mir zu einer Analyse kommen, sind sie meist völlig erstaunt, welches Feedback sie bekommen. Oft bin ich die erste, die stimmliche bzw. Verständnisprobleme und irritierende Eigenheiten anspricht. Dabei motiviere ich meine Kunden, sich mit ihrer Stimme auseinanderzusetzen und zeige ihnen, wie sie in kurzer Zeit wesentlich professioneller klingen können.

Sehen Sie die Arbeit an Ihrer Stimme als Investment in die Aussenwirkung Ihres Unternehmens. Ihre Stimme soll klar verständlich und souverän klingen. Solange Sie Ihre Stimme nicht kennen und auch nicht wissen, wie Sie sich auf ein Gespräch optimal vorbereiten, solange wird Ihnen Ihr Werkzeug im Wege stehen. Hier sind 5 Tipps, mit denen Sie sofort starten können:

1 . Machen Sie sich mit Ihrer Stimme vertraut

Nehmen Sie Ihre Stimme z.B. mit Hilfe einer Sprachmemo-App auf. Denn nur, wenn Sie Ihre Stimme und Sprechweise kennen, können Sie diese auch optimal anwenden oder auch verändern. Viele Menschen sind mit Ihrer Stimme unzufrieden. Wenn Sie sich mindestens 10 Mal angehört haben und Ihnen immer noch übel wird, wird es Zeit, eine professionelle Analyse zu machen. Ob jemand eine „gute“ Stimme hat, liegt nicht nur am Stimmklang, sondern vielmehr an der Aussprache, Betonung, Sprechtechnik und Melodie.

2. Achten Sie auf eine klare Aussprache

Wenn der Zuhörer nicht sofort verstehen kann, was Sie sagen, wird er sehr schnell aufhören, Ihnen zu folgen. Daher gilt: sprechen Sie jedes Wort richtig und deutlich aus. Zum Üben können Sie die Zunge hinter die oberen Schneidezähne drücken und einen Zungenbrecher wie etwa „in Ulm und um Ulm herum“ aufsagen – und zwar so, dass man Sie noch deutlich versteht! Sie werden sehr schnell Verbesserungen der Aussprache feststellen. Auch wenn Sie mit starken Dialekt oder Akzent sprechen, sollte Sie Ihre Sprache dringend auf Ihr Publikum abstimmen. Nichts ist anstrengender, als ständig erahnen zu müssen, was der Vortragende eigentlich gesagt oder gemeint hat. Im Notfall holen Sie sich Rat eines Experten. Es gibt viele nützliche Sprechübungen, die Sie als Einsprechprogramm nutzen können.

3. Sprechen Sie nicht für sich, sondernder die Zuhörer

Viele meiner Kunden, darunter auch Vortragende, nuscheln gerne vor sich hin und oft habe ich nicht das Gefühl, dass ich angesprochen bzw. eingebunden bin. Ein ganz schwerer Fehler mit fatalen Folgen: der Zuhörer schweift bald in seinen Gedanken ab und hört nicht mehr zu. Daher gilt hier: Als Sprecher sollten Sie stets im visuellen Austausch mit Ihren Kunden/Ihrem Publikum stehen. Online bedeutet das: schauen Sie unbedingt direkt in die Webcam und stellen Sie sich (anfangs) ein reales Publikum vor. Noch ein Tipp: ein Lächeln kommt immer gut an.

4. Auf die Pausen kommt es an

Jeder von uns kann sich bestimmt an folgende Highlights erinnern: der Vortragende spricht in einer gleichgültig monotonen Tonlage zu Ihnen, das Sprechtempo verändert sich dabei kaum. An das Ende können wir uns wahrscheinlich alle nicht mehr erinnern, weil wir da schon längst eingeschlafen sind. Wie aber können Sie die Aufmerksamkeit Ihres Publikums dauerhaft an sich ziehen? In dem Sie längere Pausen machen und somit Spannung erzeugen. Dramaturgie muss aber gelernt sein. Je wichtiger der Inhalt, desto länger sollte davor die Pause erfolgen. Das Publikum wird es Ihnen mit gespitzten Ohren danken. Weiters gilt: je länger und komplizierter der Satz ist, desto langsamer sollten Sie sprechen und desto mehr Pausen sollten Sie setzen. Ausserdem: verzichten Sie lieber auf lange Sätze! Kommen Sie schnell zum Punkt und langweilen Sie Ihr Publikum nicht mit unnötigen Details.

5. Begeisterung – Das Fundament eines jeden Elevator Pitches

Ihre Begeisterung ist so ansteckend wie Humor. Wenn Sie selbst nicht für Ihre Themen brennen, werden Sie weder Ihre Kunden noch Ihre Investoren überzeugen. Nehmen Sie sich auf – wie klingen Sie? Sprühen die Funken oder klingen Sie lustlos und monoton? Freude und Begeisterung kann man hören und fühlen. Vermitteln Sie glaubhaft, dass Sie von Ihren Inhalten fasziniert sind oder senden Sie unterbewusst das Signal, dass Ihre Themen nicht wichtig sind? Übertreiben Sie aber nicht – die Devise lautet: Inspirieren statt auf Biegen und Brechen überzeugen.

Zu guter Letzt heißt es: ÜBEN, ÜBEN, ÜBEN!

Nikola Vodicka ist diplomierte Stimmtrainerin.

Die Autorin Nikola Vodicka ist diplomierte Stimmtrainerin und Sprecherin und zertifizierter Lerncoach und trainiert Startups, Key Note Speaker, Unternehmer, Führungskräfte und alle, die in der Öffentlichkeit sprechen müssen, in Stimme, Auftritt und Wirkung. Sie begleitete Otto Schenk und Helmuth Lohner 5 Jahre als Dialog Trainerin auf ihren ausverkauften Tourneen.