Trotz Coronavirus-Krise: Gute Karten für Wirtschaftsstandort Österreich

03.Juli 2020

Die österreichischen Führungskräfte haben klare Vorstellungen, welche Maßnahmen das Hochfahren der Wirtschaft jetzt am besten unterstützen können, sehen aber die Zukunft des heimischen Wirtschaftsstandorts durch das Coronavirus nicht gefährdet.

Wie geht es dem Wirtschaftsstandort Österreich in der Coronavirus-Krise? Dieser Frage widmet sich eine aktuelle Deloitte-Umfrage unter heimischen Führungskräften. Demnach hat die Alpenrepublik die Lockdown-Phase sehr gut bewältigt. Der Re-Start wird hingegen deutlich differenzierter bewertet.

Die Unternehmen haben klare Vorstellungen hinsichtlich der Maßnahmen zur Förderung der Standortattraktivität: Sie fordern neben der Senkung der Lohnnebenkosten vor allem Investitionsförderungen im Nachhaltigkeitsbereich, eine umfassende Digitalisierung der Verwaltung und des Schulsystems sowie eine verstärkte geographische Flexibilisierung des Arbeitsmarktes.

Österreich wird noch länger mit den Folgen der globalen Coronavirus-Pandemie zu kämpfen haben. Doch wo steht der Wirtschaftsstandort bei der Krisenbewältigung nach Meinung der heimischen Unternehmer? Das hat das Beratungsunternehmen Deloitte in einer Umfrage im Mai 2020 unter 211 Top-Führungskräften analysiert und daraus die wichtigsten Handlungsfelder abgeleitet.

Coronavirus gefährdet Zukunft des Wirtschaftsstandorts nicht

„Die gute Nachricht: Fast zwei Drittel der Führungskräfte sind grundsätzlich zuversichtlich, dass der Standort Österreich die Krise rasch und gut meistern wird. Vor allem bei von ihnen selbst steuerbaren Erfolgsfaktoren sind die Unternehmensvertreter optimistisch – etwa beim Einsatz von Zukunftstechnologien oder beim Umgang mit neuen Arbeitsformen“, erklärt Bernhard Gröhs, CEO bei Deloitte Österreich. „Dieser Optimismus ist entscheidend: Denn nur zuversichtliche Unternehmen werden Investitionen tätigen und Geschäftsideen verwirklichen, die den Standort wirtschaftlich wieder nach vorne bringen.“

Auch die Beurteilung des Krisenmanagements am Standort Österreich ist tendenziell positiv – vor allem zu Beginn des Coronavirus-Ausbruchs. Der Großteil der Befragten ist mit den Maßnahmen der Bundesregierung in der Anfangsphase sehr zufrieden: 92 Prozent benoten die raschen politischen Entscheidungen rund um den Lockdown mit „Sehr gut“ bis „Gut“. Die Qualität des Gesundheitssystems wird von 94 Prozent gelobt.

Aber es gibt auch eine Schattenseite: An rascher finanzieller und administrativer Unterstützung für Betriebe mangelte es laut den Umfrageteilnehmern teilweise bereits zu Beginn. Diese Unzufriedenheit hat in der Re-Start-Phase weiter zugenommen. Mehr als die Hälfte der Unternehmen fühlt sich aktuell vom Staat noch nicht gut unterstützt.

Generell wird das Hochfahren der Wirtschaft ab Mai 2020 von den Führungskräften differenzierter gesehen: Die raschen politischen Entscheidungen werden nur mehr von 62 Prozent mit „Sehr gut“ oder „Gut“ bewertet, die Akzeptanz in der Bevölkerung ist in dieser Phase nach Einschätzung der Befragten von 94  auf 53 Prozent gesunken.

„Hochfahren ist erfahrungsgemäß immer schwieriger als Herunterfahren – das spiegelt sich in den Umfrageergebnissen wider. Die überaus guten Werte in der Lockdown-Phase weisen jedoch auf das grundsätzliche Vertrauen hin, das den politischen Akteuren entgegengebracht wird. Das darf jetzt nicht verspielt werden: Die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes muss schnell, unbürokratisch und nachhaltig gestärkt werden“, betont Bernhard Gröhs.

Maßnahmen zur Ankurbelung des geschwächten Standortes

Zur Beurteilung der Wettbewerbsfähigkeit braucht es eine Analyse der Vor- und Nachteile des Wirtschaftsstandortes. Dabei identifizieren die Unternehmensvertreter bekannte Handlungsfelder: Mit der Unternehmensbesteuerung sind lediglich 24 % zufrieden, bei der Digitalisierung des Bildungssystems fällt die Benotung nur bei sechs Prozent „Sehr gut“ bis „Gut“ aus.

„Bei aller Kritik haben die Befragten auch klare Vorteile Österreichs hervorgehoben – allen voran die rege Forschungs- und Entwicklungstätigkeit, die starke Infrastruktur, das stabile Umfeld sowie die hohe Lebensqualität“, so Barbara Edelmann, Partnerin bei Deloitte Österreich. „Auf diese bekannten Stärken müssen wir setzen – aber es braucht auch ein Anpacken bei jahrelangen Baustellen.“

Die Führungskräfte haben klare Vorstellungen, welche Maßnahmen das Hochfahren der Wirtschaft jetzt am besten unterstützen können. So sehen 90 % die Senkung der Lohnnebenkosten als zentralen Hebel. Auch die Digitalisierung der Verwaltung (86 %) und des Schulsystems (82 %) stehen ganz oben auf der Prioritätenliste. Eine weitere Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und hier vor allem die Mobilität der Arbeitskräfte ist für 84 % ein wichtiges Thema. Viele sehen außerdem ein Zeitfenster für Investitionsförderungen via Investitionsfreibetrag (80 %) sowie spezielle Förderungen von Umwelttechnologien (78 %).

„Der Standort hat gute Voraussetzungen, um die Krise besser als viele andere Länder zu meistern. Dafür gilt es drei Potenziale zu heben: Reduktion von Kosten, Investitionen in Bildung und Innovation – und bei allen Maßnahmen ein klarer Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit. Das kann Österreich zu einem Vorreiter in Europa machen“, resümiert Barbara Edelmann.

Die wichtigsten Links von Behörden und Institutionen für Unternehmen rund um das Coronavirus finden sich hier.