Leichtes Plus bei Gehaltsentwicklung in Österreich

29.Juni 2020

Die Gehälter für Führungskräfte und Spezialistenfunktionen steigen heuer im Schnitt um 3,1 Prozent. Insgesamt ist mit bis zu fünf Prozent mehr Gehalt über alle Hierarchiestufen zu rechnen. Der Unternehmensgewinn ist weiterhin hauptverantwortlich für die Höhe der Boni. Ein eigener Firmenwagen gilt hierzulande als beliebteste Zusatzleistung.

Eine aktuelle Studie beleuchtet die Gehaltsentwicklung in Österreich. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Gehälter in Österreich in diesem Jahr zwischen 1,6 und 5,0 Prozent gestiegen. Die Ergebnisse stammen aus der aktuellen Vergütungsstudie der Personal- und Managementberatung Kienbaum Wien.

„Während die Anzahl der Bewerber oft unverändert bleibt, steigen deren Gehaltserwartungen in 56 Prozent der Fälle an“, stellt Alfred Berger, Leiter des Bereichs Compensation & Performance Management sowie Board Service bei Kienbaum Wien, fest. Als Grund für die Erhöhung der Vergütung wird dabei am häufigsten die individuelle Leistung angegeben. Während dieses Kriterium im Vergleich zum Vorjahr an Bedeutung gewonnen hat, sind der Anstieg der Lebenserhaltungskosten und die wirtschaftliche Situation des Unternehmens als Gründe für eine Gehaltserhöhung zurückgegangen.

Bei den Führungskräften liegt der Mittelwert für die Gehaltsentwicklung der Grundvergütung bei einem Plus von drei Prozent. Den deutlichsten Zuwachs verzeichnet die Ebene der Teamleitung, welche zwei Prozentpunkte darüber liegt. Das kleinste Plus verzeichnet die Bereichsleitung mit 1,6 Prozent. Der Durchschnitt für die Grundvergütung der Spezialisten liegt 3,4 Prozent über den Werten von letztem Jahr. Die Ebene „Junior“ erreicht sogar ein Plus von 4,1 Prozent. „Das ist gut, dass die Vergütung der jungen Mitarbeitenden gestiegen ist, dies ist aber offensichtlich zu Lasten der Mitarbeiter mit Erfahrung passiert. Generell erkennt man in den zurückhaltenden Erhöhungen das wirtschaftlich unruhige Umfeld im Herbst 2019“, fügt Alfred Berger hinzu. „Wie die Gehaltsrunde 2020 aussehen wird, ist noch unklar. Hierfür müssen wir die Zahlen der diesjährigen Gehaltsentwicklungsprognose abwarten“. Dabei wird allerdings vor allem der Druck auf die Vergütung, hauptsächlich im Bereich Vertrieb, ein Thema sein. „Zusätzlich wird die HR-Rolle im Zuge der Gehaltsrunde einen neuen Anstrich bekommen“, meint Alfred Berger. Die Personalabteilung gerät durch verstärktes Employer Branding und den anhaltenden Fachkräftemangel unter Druck.

Gehaltsentwicklung: Bonus weiterhin wichtige Komponente des Vergütungspakets

Während bei den Spezialisten der variable Anteil der Gesamtbarvergütung im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent gesunken ist, erhöhte sich der Anteil bei der Team-, Abteilungs- und Bereichsleitung, sowie der Geschäftsführung um bis zu drei Prozent. Das wirkt sich auf die Gehaltsentwicklung aus. Der Prozentsatz der Top-Management-Funktionen, die einen leistungsbezogenen Anteil ihrer Vergütung erhalten, liegt bei 97 Prozent. In dieser Führungsebene erhalten die Führungskräfte rund ein Viertel ihrer Bezüge als variable Leistung.

90 Prozent der Führungskräfte auf Bereichsleitungsebene erhalten einen Anteil von 20 Prozent ihres Gehalts als variablen Anteil. In der Abteilungsleitung sind es 83 Prozent, die einen variablen Anteil in Höhe von 18 Prozent erhalten, auf der operativen Teamleitungsebene erhalten dagegen 75 Prozent der Funktionen durchschnittlich 13 Prozent des Gehalts als variable Gehaltskomponente.

Die individuelle Leistungsbeurteilung hat im Vergleich zu den vergangenen Jahren weiterhin an Bedeutung verloren und liegt in diesem Jahr bei 14 Prozent. „Der Gewinn des Unternehmens bleibt hingegen mit 42 Prozent der größte Einfluss auf die Höhe der Boni. Der Wert hat sich seit 2018 nicht verändert“, fügt Alfred Berger hinzu. An zweiter Stelle liegen in diesem Jahr Umsatzgrößen mit 20 Prozent, gefolgt von qualitativen Bezugsgrößen mit 18 Prozent. „In der Gehalts-runde 2020 wird es hauptsächlich darum gehen wo Arbeit stattfindet – im Home Office oder im Unternehmen“, so Berger, „Zudem ist die Empfehlung bei der Kommunikation mit den Mitarbeitern auf die Gesamtvergütung zu achten“.

Firmenwagen an der Spitze der Benefits

Auch dieses Jahr ist die beliebteste Zusatzleistung in Österreich der Firmenwagen. „So gut wie jeder Top-Entscheider fährt einen Firmenwagen. Das Budget liegt hierfür bei 59.000 Euro“, stellte Alfred Berger im Zuge der Befragung fest. In den restlichen Führungsebenen liegt das Anschaffungsbudget – wie auch letztes Jahr – bei 31.000 bis 46.000 Euro. Auch bei den Spezialistenfunktionen hat sich am Budget von 30.000 Euro nichts verändert. Zudem werden Firmenhandys, Gesundheitsversorgungen, geförderte Mittagessen, Krankenzusatzversicherungen, flexible Arbeitszeiten, sowie unternehmensbezogene Vorteile als Benefits genannt. Diese restlichen Fringe Benefits machen einen Gesamtbestandteil in der jährlichen Vergütung von bis zu fünf Prozent des Jahreseinkommens aus und ändern soit wenig an der Gehaltsentwicklung.