Coronavirus-Krise verschiebt Werte

16.Juni 2020

Jeder Zweite Österreicher befürchtet langfristige wirtschaftliche Nachteile aufgrund der Coronavirus-Krise. Nachhaltigkeit und Regionalität sind die neuen Leitbilder beim Konsumverhalten.

Mit der Coronavirus-Krise haben sich die Prioritäten der österreichischen Bevölkerung verschoben. Luxus, Verschwendung und Shopping gelten als Begriffe der Vergangenheit. Arbeitslosigkeit, Preisstabilität, Leistbares Wohnen, Gesundheit und Pflege sind die neuen Hauptthemen, die Österreichs Bevölkerung 2020 bewegen.

„Ausgelöst durch die Coronavirus-Krise, zeichnet sich ein Wandel im Privatleben, in der Gesundheitsvorsorge, im Beruf, in der Ausbildung und natürlich auch beim Konsum ab.“ sagt dazu die Geschäftsführerin des Österreichischen Gallup Instituts, Andrea Fronaschütz.

Wesentlicher Auslöser dieser Entwicklung ist die veränderte wirtschaftliche Situation: Jeder zweite Österreicher (49 Prozent) befürchtet laut Umfrage infolge der Coronavirus-Krise langfristige wirtschaftliche Nachteile für sich. Die Angst wirkt umso stärker, je geringer oder unsicherer das Einkommen ist.

Fronaschütz: „Die Coronavirus-Krise ist dabei, das Wertesystem unserer Gesellschaft grundlegend zu verändern. Über 70 Prozent der Österreicher benennen Arbeitslosigkeit und Gesundheit als die Themen, die in der Krise am stärksten an Bedeutung gewonnen haben. Mehr als

Coronavirus schafft regionales Bewusstsein

50 Prozent sehen Regionalität im Aufwind und setzen dies auch in ihrem Einkaufsverhalten um. Fast ebenso viele stellen sich die Frage nach leistbarem Wohnen und machen sich Sorgen wegen ausufernder Staatsschulden. Die Digitalisierung erkennen quer durch die Generationen fast 40 Prozent der Österreicher als bestimmenden Trend unserer Gesellschaft.“

Im Mittelfeld liegen mit über 30 Prozent die Themen Grenzschutz, Energieversorgung, Steuer- und Bildungsreform sowie Klimaschutz, Pensionsreform und Kriminalitätsbekämpfung. Ganz am Ende der persönlichen Prioritätenskala stehen Themen aus Zeiten der Hochkonjunktur: 22 Prozent sehen Konsumentenrechte als zeitgeistig im Aufwind,16 Prozent die Förderung von Kunst und Kultur. Ganz am Ende der Werteskala stehen für die Bevölkerung Geschlechtergerechtigkeit und Gleichstellung, denen lediglich zehn Prozent der Befragten wachsende Bedeutung zumessen.

Die Österreicher und Österreicherinnen setzen ihre neuen Wertvorstellungen auch beim Reisen und vor allem beim Einkauf um. Fronaschütz: „Bewusster, maßvoller und nachhaltiger Konsum heißt das neue Leitbild. Acht von zehn Konsumenten beabsichtigen, stärker auf regionale Herkunft der gekauften Produkte zu achten. Für zwei Drittel spielen Nachhaltigkeit und Qualität eine größere Rolle, neun von zehn wollen hingegen auf den Kauf von Prestige- und Luxusmarken verzichten“. Nicht zu übersehen ist ein starker Trend zu preisbewußtem Einkauf.

Fronaschütz: „Die Krise trifft Niedrigverdiener sowie Personen, die von Gehaltseinbußen oder gar Arbeitslosigkeitbetroffen sind, am stärksten. Für diese Bevölkerungsgruppe wird jetzt beim Einkauf der Preis zum Hauptkriterium.“ Bei Gallup zieht man Parallelen zur Finanzkrise 2008. Fronaschütz: „Die Coronavirus-Krise hat die größere Zäsur im Konsumentenverhalten ausgelöst als die Finanzkrise. Jetzt wird nämlich die Globalisierung als Wirtschaftsmodell in Frage gestellt, die Mobilität rückt in den Hintergrund. In unseren Umfragen im Jahr 2009 zählten sowohl Globalisierung als auch Mobilität noch zu den Zukunftsthemen.“ Die Umfrage enthält neben den dargestellten Ergebnissen die Situation in den Bundesländern, die Einstellungen von Frauen und Männern sowie unterschiedlicher Alters-, Wähler- und Einkommensgruppen.

Die wichtigsten Links von Behörden und Institutionen für Unternehmen rund um das Coronavirus finden sich hier.