Blutwerte erlauben Prognose über Coronavirus-Verlauf

12.Juni 2020

Bei einer Coronavirus-Erkrankung lässt sich anscheinend anhand von zwei Typen von Abwehrzellen im Blut vorhersagen, ob ein Patient einen schweren Verlauf oder nur milde Symptome entwickelt. Dies ergibt eine Studie an 40 Coronavirus-Patienten im chinesischen Wuhan.

Die Befunde seien in Deutschland bei mehreren Coronavirus-Patienten bestätigt worden, sagt Ko-Autor Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie der Uniklinik Essen und Vizepräsident der Gesellschaft für Virologie. Mehrere Medien hatten zuvor über die im Fachblatt „EBioMedicine“ veröffentlichte Studie berichtet.

Bei einem der beiden Immunzell-Typen handelt es sich um sogenannte Killer-T-Zellen mit einem bestimmten Oberflächenmarker (CD8). Sie töten virusinfizierte Körperzellen ab und unterbrechen damit die Vermehrung des Coronavirus. „Wenn die Patienten nur wenige von diesen Zellen haben, haben sie ein hohes Risiko, schwere Symptome wie etwa eine Lungenentzündung oder Gerinnungsstörungen zu entwickeln“, erläutert Dittmer.

Der andere Zelltyp sind sogenannte Neutrophile. „Die sind eigentlich dafür da, Bakterien abzuwehren. Sie können aber auch T-Zellen in ihrer Funktion unterdrücken.“ Demnach wurden in Blutproben mit vielen Neutrophilen nur wenige Killer-T-Zellen gefunden.

Coronavirus-Studie schwierig

Dittmer betonte, dass eine eingehendere Studie dazu in Deutschland mittlerweile schwierig sei, da es zum Glück nicht mehr genügend Patienten gebe. So habe es etwa in der letzten Maiwoche an der Uniklinik Essen keine einzige Coronavirus-Neuaufnahme gegeben, in der ersten Juniwoche nur eine.

Der Immunologe Michael Lohoff, der an der Studie allerdings nicht beteiligt war, sieht den Befund positiv. „Ein sicherer Test, der eine prognostische Aussage über die zu erwartende Schwere einer Coronavirus-Erkrankung zulässt, wäre sehr hilfreich“, betont der Direktor am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Universität Marburg.

Man könne dann Risiko-Patienten frühzeitig stationär aufnehmen und bei etwaigem Bedarf intensivmedizinisch therapieren. „Der in der Studie erarbeitete Befund ist hier durchaus attraktiv.“ Allerdings sei die untersuchte Patientenzahl sehr gering, sagt Lohoff.

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