Online-Handel: 40 Prozent bemerken Preisänderungen nicht

28.Mai 2020

Eine Studie des Österreichischen E-Commerce-Gütezeichens zum Online-Handel hat interessante Ergebnisse gebracht: Ein Drittel der Österreicher nutzt Vergleichsplattformen. Auch die Coronavirus-Krise lässt die Preise steigen.

Wer E-Commerce nutzt und im Online-Handel einkauft, ist zunehmend mit individuell angepassten und sich flexibel ändernden Preisen konfrontiert: Wird ein Hotel in Berlin am PC recherchiert, kann es passieren, dass der Preis für dieselbe Unterkunft am Smartphone deutlich günstiger ist.

Auch Elektrogeräte haben am Computer oftmals einen anderen Preis als etwa am Tablet. „Was vielen Online-Käufern immer häufiger auffällt, nennt sich datenbasierte Preisgestaltung und wird von Online-Händlern eingesetzt, um die Preise anzupassen“, erklärt Thorsten Behrens, Geschäftsführer des Österreichischen E-Commcerce-Gütezeichens. „Dabei werden Konsumenten mittels Algorithmen und auf Basis von Situationen und Daten wie dem Wetter, dem benutzten Endgerät, dem Aufenthaltsort oder dem bisherigen Einkaufsverhalten unterschiedliche Preise angezeigt.“

Die Gestaltungsmöglichkeiten sind umfassend: Die dynamische Preisgestaltung, also die Anpassung der Preise in Abhängigkeit des Wochentags, der Uhrzeit oder des Wetters, ist im internationalen Online-Handel bereits weit verbreitet. Zusätzlich können Händler aber auch Daten ihrer Kunden für die personenbezogene Preisbildung miteinbeziehen, wie etwa das bisherige Surf- und Einkaufsverhalten, den Standort oder die Art des benutzten Endgeräts. Häufig werden Kunden in bestimmten Wohngegenden auch ganz andere Produkte und Sortimente angezeigt.

Ein Drittel nutzt Preisvergleichsplattformen

Ist eine Anschaffung geplant, können Preisvergleichsplattformen wie geizhals.at oder idealo.at Konsumenten dabei helfen, den besten Deal zu finden. Dabei gibt es Preisalarmsysteme und Browser-Plugins, die den Käufer automatisch informieren, wenn ein Produkt unter einen bestimmen Preis fällt oder in einem Online-Shop besonders günstig erhältlich ist. Diese Möglichkeit wird bisher allerdings lediglich von knapp 15 Prozent der Online-Einkäufer genutzt. Die aktive Recherche wird von den Österreicherinnen und Österreichern jedoch bereits vermehrt wahrgenommen: 40 Prozent recherchieren und vergleichen direkt bei den Online-Anbietern und knapp ein Drittel nutzt Preisvergleichsplattformen, um den besten Deal zu finden.

Online-Handel-Shopper tun gut daran, Preise zu vergleichen und sich in Geduld zu üben, denn: „Es ist fast unmöglich, verlässlich einzuschätzen, wann Konsumenten am besten ein bestimmtes Produkt kaufen sollten. Liegt eine definitive Kaufabsicht vor, empfehlen wir Verbrauchern, den Preis für ein bestimmtes Produkt zu unterschiedlichen Tages- und Wochenzeitpunkten abzurufen und in mehreren Shops zu vergleichen. Ab und zu sollten auch der Browserspeicher und Cookies gelöscht oder von einem anderen Gerät aus gesucht werden. Das erhöht die Chance, den besten Preis zu ergattern“, so Behrens.

Coronavirus-Krise lässt Preise im Online-Handel steigen

Das Coronavirus und der daraus resultierende Boom für den Online-Handel haben sich nicht nur auf die Verfügbarkeit von Artikeln, sondern auch auf deren Preise ausgewirkt, die für gewisse Produktkategorien teilweise nun erheblich gestiegen sind. Dies betrifft vor allem stark nachgefragte Waren, die im Homeoffice und für das Homeschooling benötigt werden – wie Headsets, Webcams, Drucker und Druckerpatronen. Während der Preis für eine Webcam Ende Februar noch bei rund 60 Euro lag, ist dasselbe Modell im Moment für 170 Euro erhältlich.

„Derzeit ist es deshalb umso wichtiger, Preise zu vergleichen“, erklärt der E-Commerce-Experte und ergänzt: „Auf Preisvergleichsplattformen wie geizhals.at sieht man neben den aktuellen Preisen auch die Preisentwicklung der letzten Monate. So wird ersichtlich, was ein Artikel vor der Coronakrise gekostet hat, wie sich der Preis entwickelt und ob der aktuell angezeigte Preis auch realistisch oder extrem überteuert ist.“ Außerdem sollte man auch einen Blick auf die Preise der Händler werfen, die ihre Produkte auf keiner Vergleichsplattform listen. „Vorsicht aber vor auffällig günstigen Preisen“, warnt Behrens. „Dahinter könnten unseriöse Anbieter stecken, die Geld abkassieren, aber nichts liefern.“ Auf www.watchlist-internet.at gibt es Warnungen vor betrügerischen Angeboten.

Preisanpassungen vor allem im Tourismus

In Österreich ist davon auszugehen, dass knapp 40 Prozent der heimischen Online-Anbieter die Möglichkeiten der datenbasierten Preisgestaltung in irgendeiner Form nutzen. Die in der Studie befragten Konsumenten geben an, dass sie Preisschwankungen vor allem bei Flug- (26,3 Prozent) und Hotelbuchungen (23,7 Prozent) registriert haben. Dazu Behrens: „Bei Flug- und Hotelbuchungsplattformen ist die Praxis schon lange gang und gäbe. Aber auch andere Branchen wie etwa Mobilitäts- und Car-Sharing-Anbieter ziehen nach und verrechnen ihren Kunden bei gleichen Fahrzeugmodellen unterschiedliche Preise – je nachdem, an welchem Wochentag, von welchem Endgerät, zu welcher Uhrzeit und von wo gebucht wird.“

Dass es auch bei physischen Waren Preisänderungen in verschiedenen Web-Shops gibt, fiel den Online-Einkäufern deutlich seltener auf: Nur 18,5 Prozent bemerkten dies bei elektronischen Unterhaltungsgeräten wie Smartphones, Fernsehern und Computern, weitere 11,2 Prozent bei Bekleidung, Schuhen und Accessoires, gefolgt von Haushaltsgeräten mit 9,5 Prozent.  Überraschend ist, dass knapp 40 Prozent der Befragten Preisschwankungen beim Online-Einkauf noch gar nie aufgefallen sind. Frauen bemerken Preisanpassungen weniger oft als Männer.

So reagieren Online-Handel-Shopper auf Preisänderungen

Konsumenten, die Schwankungen bei den Kosten bemerken, beobachten zunächst die Preisentwicklung des gewünschten Produkts beziehungsweise der Dienstleistung: Mehr als die Hälfte (56,1 Prozent) vergleicht den Preis und kauft letztendlich beim günstigsten Online-Anbieter. Jeder Fünfte (20,7 Prozent) verlässt den Online-Handel und sucht in einem Geschäft nach einer günstigeren Alternative und 15 Prozent warten darauf, dass der Preis im ausgewählten Shop wieder sinkt und kaufen dann dort ein.

Heimische Händler, die sich als vertrauenswürdige Anbieter ausweisen lassen möchten, können sich mit dem Österreichischen E-Commerce-Gütezeichen zertifzieren lassen. Es zeichnet seriöse Online-Shops aus und ist für Konsumenten ein Signal für Sicherheit und Verlässlichkeit beim Kauf im Internet ist. Es wird vom Wirtschaftsministerium, der Wirtschaftskammer und Arbeiterkammer unterstützt und bietet Händlern außerdem Rechtssicherheit, Beratung in Rechtsfragen und laufende Unterstützung beim Betrieb des Online-Shops.

Noch bis 30. Juni 2020 erhalten interessierte Unternehmen einen Rabatt von 50 Prozent auf die einmalige Prüfgebühr und 50 Prozent auf die Nutzungsgebühr im ersten Jahr. Online-Anbieter sparen sich dadurch mindestens 550 Euro. Die Anmeldung ist unter www.guetezeichen.at/registrieren möglich. Interessierte erhalten weitere Informationen unter www.guetezeichen.at und der Telefonnummer 01 595 2112-25.

Österreicher sind Retouren-Champions

Unabhängig von stark schwankenden Preise sind die Österreicher auch in ihrer Kaufentscheidung relativ wankelmütig. Im Rahmen einer repräsentativen Studie des Österreichischen E-Commerce-Gütezeichens wurden 1.000 Österreicher und Österreicherinnen zu ihrem Rücksende-Verhalten beim Online-Shopping befragt.

Gemäß dem gesetzlichen Rücktrittsrecht müssen Online-Verkäufer ihren Kunden die Möglichkeit einer Rücksendung binnen 14 Tagen nach Erhalt der Ware anbieten. „Innerhalb der 14-tägigen Rücktrittsfrist kann der Kunde ohne Angabe von Gründen vom Kaufvertrag zurücktreten. Dieses Recht nutzen 83 Prozent der befragten Österreicher, so Thorsten Behrens, Geschäftsführer des Österreichischen E-Commerce-Gütezeichens.