Internetkriminalität: Österreicher schützen sich zu wenig vor Cyberangriffen

04.Mai 2020

In Zeiten der Coronakrise und Home Office verbringen viele Österreicher viel Zeit im Internet. Laut einer Studie von Helvetia schützt sich jedoch jeder Zweite wenig bis gar nicht vor Cyberkriminalität. Und das, obwohl bereits 40 Prozent der Befragten Cyberangriffe selbst oder im nahen Umfeld erlebt haben.

Internetkriminalität ist das am stärksten wachsende Kriminalitätsfeld in Österreich, wie auch das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) bestätigt. Vor Cyberangriffen sind auch Unternehmen alles andere als gefeit, denn rund 80 Prozent der KMUs waren in den letzten beiden Jahren Ziel von Cyberangriffen. „Leider nutzen Internetbetrüger gerade jetzt die Zeit, um sich zu bereichern«, sagt Thomas Neusiedler, CEO von Helvetia Österreich. Zu den häufigsten Dingen, die derzeit im Internet erledigt werden, zählen das Bearbeiten von E-Mails (94 Prozent) und Surfen (90 Prozent).

»Online-Shopping ist – ganz entgegen dem vorherrschenden Gefühl – kein so weit verbreiteter Zeitvertreib: Nur 15 Prozent shoppen häufig Kleidung, Elektronik und dergleichen. Einkäufe des täglichen Bedarfs wickeln nur 13 Prozent mehrmals wöchentlich online ab«, erklärt Neusiedler. Das bestätigt eine aktuelle Studie von marketagent im Auftrag von Helvetia Österreich, die zwischen 16. und 20. April 2020 bei 500 Personen zwischen 14 und 75 Jahren zum Thema »Cyberattacken« durchgeführt wurde. Rund 40 Prozent wurden bereits selbst Opfer von Betrug im Internet oder haben es in ihrem nahen Umfeld erlebt.

Doch wie schützen sich Österreicher bei dem derzeit starken Internet-Traffic vor Cyberrisken oder -attacken? Sieben von zehn Befragten (69 Prozent) gaben an, keine Links zu dubiosen Seiten der E-Mails im Spam-Ordner zu öffnen. Sechs von zehn sagen aus, auf einen kritischen Umgang mit sensiblen Daten zu setzen (63 Prozent). »Das Bewusstsein, dass einfach jeder hier zur Zielscheibe werden kann, ist sicherlich gestiegen. Erhöhte Wachsamkeit bezüglich dubioser Links – Stichwort Phishing – und ein kritischer Umgang mit sensiblen Daten wie Adresse, Bank-Daten und ähnlichem, reichen als Schutz vor organisierter Kriminalität aber häufig nicht mehr aus«, erklärt Neusiedler.

Nur jeder Zweite setzt auf Passwort- und Antivirenschutz

Der private Finanzbereich wird offensichtlich als verletzlich gesehen: 58 Prozent der Befragten geben an, sich mit regelmäßigen Kontrollen der Kontoauszüge vor Cyberkriminalität zu schützen. »Ein Angriff muss aber keine unmittelbare Auswirkung auf das Bankkonto haben«, gibt der Helvetia-CEO zu bedenken. »Internetbetrüger haben sensible Daten aller Art im Visier. Neben finanziellen Schäden können sie damit auch Identitäten stehlen, Unternehmen erpressen oder Menschen stalken – die Gefahren im Internet sind leider vielfältig.«

Beim Einsatz starker Passwörter und der Nutzung von Antivirensoftware hat Österreich starken Aufholbedarf: Nur die Hälfte (51 Prozent) hat einen aktuellen Antivirenschutz; ein etwas höherer Anteil (55 Prozent) setzt alles daran, möglichst sichere Passwörter zu verwenden. »Besonders erschreckend ist, dass nur die Hälfte der Befragten eine Antivirensoftware installiert hat, obwohl diese häufig kostenlos verfügbar ist«, sagt Neusiedler. Zu den sonstigen Maßnahmen, mit denen sich die Befragten vor Cyberkriminalität schützen, zählt auch die Beschränkung der Sicherheitseinstellungen bei Social-Media-Accounts, die immerhin ein Drittel (34 Prozent) durchführt.

Nur ein Viertel der Befragten nutzt dagegen VPN/Verschlüsselung in öffentlichen WLANs und informiert sich aktiv über Datenpannen und Betrugsmaschen im Internet (je 26 Prozent). Knapp fünf Prozent schützen sich gar nicht und nur etwas mehr als drei Prozent der Befragten gaben an, eine Cyberversicherung zu haben. »Eine Cyberattacke kostet im Schnitt mehrere tausende Euro pro Schadensfall, was im schlimmsten Fall existenzbedrohend sein kann«, warnt Neusiedler.

Vier von zehn Österreichern kamen bereits mit Internetkriminalität in Berührung

Im starken Gegensatz zu den Schutzmaßnahmen vor Internetkriminalität stehen die persönlichen Erfahrungen der Befragten: Immerhin mehr als 40 Prozent der Studienteilnehmer geben an, dass entweder sie selbst oder jemand aus ihrem engsten Umfeld bereits einer Form von Internetbetrug zum Opfer gefallen ist. Am häufigsten genannt wurden Phishing Nachrichten (17 Prozent) sowie gefälschte Mails und Websites (16 Prozent). Danach folgen Hacks (7 Prozent), der Diebstahl von finanziellen Daten und Erpressung (je 6 Prozent). Fünf Prozent gaben an, schon einmal Identitätsdiebstahl (mit)erlebt zu haben. »Das Bewusstsein für diese unsichtbaren Risiken ist zwar grundsätzlich da, aber konkrete Schutzmaßnahmen haben großen Aufholbedarf – die Sinnhaftigkeit einer ,Schutzmaske’ für Computer, Laptop oder das Tablet zuhause wird offensichtlich erst erkannt, wenn schon etwas passiert ist«, warnt Neusiedler.