Coronavirus-Krise gefährdet die Schwächsten am Arbeitsmarkt

30.April 2020

Dramatische Aussichten zum Tag der Arbeitslosen: Seit den 1950er-Jahren gab es nicht mehr so viele Arbeitsuchende in Österreich. Schuld daran sind die wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus. Wien ist dabei besonders betroffen, lebt hier doch ein Drittel aller Arbeitslosen.

Ende März waren in der Bundeshauptstadt 189.535 Menschen arbeitsuchend gemeldet (inkl. Personen in Schulung) – diese Zahl könnte aufgrund der schwer berechenbaren weiteren Konsequenzen des Coronavirus noch auf 200.000 steigen, wie auch das AMS Wien befürchtet!

Im Gegensatz zur Finanzkrise 2008/2009 trifft die steigende Arbeitslosigkeit jetzt fast alle Branchen und auch alle Altersstufen. „Wir dürfen aber im Schock über die hohen Arbeitslosenzahlen nicht auf die vergessen, die es schon bisher schwer am Arbeitsmarkt hatten“, warnt Christoph Parak, Geschäftsführer von arbeit plus Wien. „Vor allem ältere Personen, Geringqualifizierte oder Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen hatten schon in Zeiten der Hochkonjunktur Schwierigkeiten, einen Job zu finden, wenn sie einmal den Arbeitsplatz verloren haben.

Nun wird es für diese Gruppe noch schwieriger. Es besteht die Gefahr, dass die Zahl derer, die schon in ‚guten Zeiten‘ kaum vermittelt werden können, noch weiter steigt. Dass also die Sockelarbeitslosigkeit zunimmt, was die Betroffenen und unsere Gesellschaft als Ganzes dramatisch belasten würde.“ Das massive Wachstum der Langzeitarbeitslosigkeit wird aber erst in den nächsten Monaten und im kommenden Jahr in seinem vollen Ausmaß sichtbar werden. „Das wird noch eine riesige Herausforderung, besonders in Wien“, so Parak.

In Wien waren im März 67.310 Personen länger als ein Jahr auf Arbeitsuche, das ist fast die Hälfte der Langzeitbeschäftigungslosen in Österreich. „Diese Gruppe benötigt besondere Unterstützung, die sie in den Sozialen Unternehmen erhält“, erläutert Swantje Meyer-Lange, Vorstandsvorsitzende von arbeit plus Wien. Die Wiener Sozialen Unternehmen waren auch in der Hoch-Zeit der Coronavirus-Maßnahmen aktiv und leisteten in systemrelevanten Tätigkeitsbereichen ihren Beitrag zur Bekämpfung der Krise – mit individueller Online-Beratung und -Unterstützung sowie innovativen Ideen.

Niemanden mit den Folgen der Coronavirus-Krise alleine lassen

Gerade in Krisenzeiten zeigt sich die Bedeutung der arbeitsmarktpolitischen Dienstleister. Gemeinsam mit dem AMS Wien, das durch seinen raschen und engagierten Einsatz für die Kurzarbeit unzählige Arbeitsplätze rettete, setzen sie alles daran, Arbeitsuchende möglichst rasch zurück in Arbeit zu bringen. Mit individueller Beratung, Training, befristeter Beschäftigung, Qualifizierung und viel Vermittlungsarbeit.

„Um die massiven Herausforderungen am Arbeitsmarkt zu meistern, muss die öffentliche Hand die Finanzierung des AMS sowie der Strukturen der Sozialen Unternehmen langfristig sicherstellen. Nur so ist gewährleistet, dass die Sozialen Unternehmen ihren wichtigen gesellschaftlichen Auftrag erfüllen können und die Schwächsten am Arbeitsmarkt nicht auf der Strecke bleiben“, mahnt Swantje Meyer-Lange.

Im März 2020 waren in Wien 165.047 Personen beim AMS arbeitsuchend gemeldet. Das ist ein Anstieg um 38,9 % gegenüber dem Vorjahr, weitere 24.488 Personen befanden sich in Schulungen (- 6,5% gegenüber 03/2019). Die im März in Wien arbeitsuchend gemeldeten Personen teilen sich
auf wie folgt: 16.076 sind jünger als 25 Jahre (+51,7 % gegenüber 03/2019) – dieser Umstand ist lauf WIFO der Tatsache geschuldet, dass diese Altersgruppe besonders in den Bereichen Gastronomie, wirtschaftliche Dienstleistungen, Kultur und Erziehung tätig ist. 86.838 sind Erwachsene 25-44 Jahre (+ 41,8 % gegenüber 03/2019). 62.133 sind Ältere ab 45 Jahre (+ 32,3% gegenüber 03/2019). 67.310 Wiener der beim AMS vorgemerkten Personen waren langzeitbeschäftigungslos. Als langzeitbeschäftigungslos gilt eine Person, wenn die Dauer des zugehörigen Geschäftsfalls zum Stichtag eine Geschäftsfalldauer von mehr als 365 Tagen aufweist. Das bedeutet, dass fast die Hälfte (48,5 %) aller 138.693 österreichweit gemeldeten Langzeitbeschäftigungslosen in Wien leben. Die größte Gruppe bei den Langzeitbeschäftigungslosen sind Menschen im Alter von 55 bis 59 Jahre mit 4.530 Personen, gefolgt von den 50- bis 54-Jährigen mit 3.255 Personen.

Der Dachverband vertritt seit 2001 Wiener Organisationen, die langzeitbeschäftigungslose Menschen beraten, qualifizieren und beschäftigen. Über 30.000 nutzen diese Angebote jährlich. Die Interessenvertretung repräsentiert knapp 60 Betriebe und Beratungseinrichtungen, hinter denen 32 Trägerorganisationen stehen.

Die wichtigsten Links von Behörden und Institutionen für Unternehmen rund um das Coronavirus finden sich hier.