Helikoptergeld: Geld fällt nicht vom Himmel – Noch nicht?

30.März 2020

Die massiven Folgen der Coronavirus-Pandemie gefährden das Wirtschaftswachstum und die finanzielle Lage von Unternehmen und Privathaushalten weltweit. Um diese Auswirkungen abzufedern, kündigten Regierungen Konjunkturpakete an und Zentralbanken lockerten in den vergangenen Wochen ihre Geldpolitik noch einmal deutlich.

Doch neben herkömmlichen geldpolitischen Maßnahmen, wie Zinssenkungen und Anleihekäufen auf dem Sekundärmarkt durch die Notenbanken, rückte zuletzt ein Konzept in den Mittelpunkt, das seit jeher für Diskussionen sorgt: Helikoptergeld. In einem Blogbeitrag hat die Erste Asset Management GmbH (EAM) das Thema analysiert.

Was ist Helikoptergeld?

Die ökonomische Theorie des Monetarismus geht davon aus, dass ein Zusammenhang zwischen der verfügbaren Menge an Geld in einem Wirtschaftsraum und seinem Wirtschaftswachstum besteht. Diesem Modell folgend, soll die Zentralbank das Geldangebot ausweiten, wenn sich die Wirtschaft in einem Abschwung befindet und kaum noch auf Leitzinsänderungen reagiert.

Um dieses Prinzip anschaulich zu erklären, bediente sich der Ökonom und Nobelpreisträger Milton Friedman 1969 des Bildes eines Hubschraubers, der Geld abwirft und damit den Konsum anregt, was wiederum zu einem neuen Gleichgewicht im Wirtschaftssystem führen soll.

Diesem Bildnis am nächsten käme die Variante, bei der etwa die Europäische Zentralbank (EZB) jedem Bürger im Währungsraum monatlich direkt einen Betrag überweist, bis die Inflation das von den Währungshütern angestrebte Ziel von 2 Prozent erreicht.

Unterschied zu Quantitative Easing

Im Unterschied zur herkömmlichen Quantitativen Lockerung (QE=Quantitative Easing), bei der die Geldmenge über den An- und Verkauf von Anlagen beeinflusst wird, würde als Helikoptergeld neu geschaffenes Geld verwendet, das dem Kreislauf nicht mehr einfach entzogen werden kann.

Eine Steuersenkung, die durch den schrittweisen Ankauf von Staatsschulden durch die Zentralbank finanziert werden würde, hätte den gleichen Effekt. Diese Version des Hubschraubergeldes offenbart jedoch einen zentralen Kritikpunkt der Maßnahme.

Warum es gut klingt

Die Zinsen im Euroraum standen zuletzt bereits auf einem Rekordtief und die EZB hatte im Gegensatz zur US-Notenbank Fed kaum noch Spielraum für Zinssenkungen. Die ultralockere Geldpolitik der Eurozone hatte in den vergangenen Jahren nicht die erhoffte Wirkung gezeigt. So hielten sich Investitionen trotz günstiger Bedingungen für Kredite in Grenzen und die Inflation fiel viel zu niedrig aus, um der Wirtschaft Dynamik zu verleihen.

Der Konsum stützt hingegen das verhaltene Wirtschaftswachstum weiterhin stark. Die Ausgangslage gestaltet sich damit so, wie im von Milton Friedman beschriebenen Szenario, in dem Geld vom Himmel helfen könnte.

Was dagegen spricht

Trotzdem bleiben viele Fragen vorerst ungeklärt. Zunächst gibt es ein rechtliches Problem: Um die Unabhängigkeit der Zentralbank zu sichern, ist es ihr untersagt, Staatsschulden im großen Stil direkt zu finanzieren – wie es Helikoptergeld etwa über den Umweg einer Steuersenkung tun würde.

Außerdem gibt es kaum Erfahrungen mit einer unumkehrbaren Geldmengenausweitung in dieser Größenordnung. Und schließlich wenden Ökonomen ein, dass Helikoptergeld in der aktuellen Situation Hyperinflation auslösen und das Grundproblem der Auswirkungen der Corona-Krise außer Acht lassen würde: Auf diesem Weg würde demnach hauptsächlich die Nachfrage stimuliert werden.

Ein bevorstehender Wirtschaftseinbruch sei jedoch durch einen Angebotsschock ausgelöst worden, weil Lieferketten unterbrochen wurden und Konsumentinnen und Konsumenten aktuell von den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie vom Geldausgeben abgehalten würden und nicht von Geldmangel.

Befürworter des Helikoptergeldes hatten ihre Hoffnungen in die groß angelegte Evaluierung der EZB-Politik gelegt, die die neue Währungshüterin Christine Lagarde angeordnet hatte. Mitte März kündigte Lagarde nun jedoch an, die Überprüfung und etwaige daraus resultierende Änderungen würden um mindestens ein halbes Jahr verschoben. Der Grund dafür ist die Corona-Krise.

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