OECD-Studie: Österreicher mit ihrem Leben zufrieden

10.März 2020

Die Österreicher sind mit ihrem Leben besonders zufrieden. Dies hat nun auch die Organisation für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) bestätigt. Bei der Lebenszufriedenheit liegt Österreich auf Platz fünf der 33 OECD-Staaten. Laut der Studie „How’s life“ geben die Österreicher ihrer Lebenszufriedenheit 8 von 10 Punkten.

Mit Ausnahme Litauens und Dänemarks hat sich die Lebenszufriedenheit zwischen 2013 und 2018 in allen Ländern laut OEDC verbessert. Auch der österreichische Wert stieg von 7,8 auf 8,0. Bemerkenswert ist dabei, dass es in Österreich vergleichsweise geringe Unterschiede in der Lebenszufriedenheit der wohlhabenden und ärmeren Bevölkerungsschicht gibt. Vor Österreich liegen nur Kolumbien (8,3), Finnland, Irland und Kanada (jeweils 8,1). Der Durchschnittswert für die OECD-Staaten beträgt 7,4. Schlusslicht in der Untersuchung ist die Türkei mit einer durchschnittlichen subjektiven Lebenszufriedenheit von 5,7.

Besonders große Fortschritte bei der Lebenszufriedenheit verbuchten einige der osteuropäischen EU-Staaten wie Ungarn, Polen, Tschechien, Slowenien oder Estland). Sie konnten auch im Umweltbereich, etwa bei der Recyclingrate von Hausmüll, Erfolge erzielen. In der Slowakei etwa stieg die Recyclingrate zwischen 2010 und 2018 von 9,2 auf 29,85 Prozent. In Österreich gab es hingegen einen leichten Rückgang von 60,9 auf 58,4 Prozent. Österreich fiel dadurch hinter Slowenien zurück, das seine Recyclingquote von 58 auf 72,8 Prozent verbesserte und sich damit an die Spitze aller OECD-Staaten setzte.

Lebenszufriedenheit beruht auf Ressourcenhunger

Die Studie zeigt auch, dass der Wohlstand Österreichs auf großem Ressourcenhunger ruht. Rechnerisch verbrauchte im Jahr 2017 jeder Österreicher 31,4 Tonnen an Rohstoffen, womit sich der „materielle Fußabdruck“ seit 2010 um 1,6 Tonnen erhöht hat. Damit überholte Österreich auch die im Ruf eines besonders großen Ressourcenverbrauchers stehenden USA, deren Fußabdruck sich von 31,9 auf 30,4 Tonnen verringerte. Von den westlichen Industriestaaten nahm der Ressourcenhunger nur in Australien, Neuseeland und Norwegen stärker zu.

Österreich liegt bei vielen für die Lebenszufriedenheit wichtigen Kennzahlen deutlich besser als der OECD-Durchschnitt, etwa bei der Mordrate (0,5 pro 100.000 Einwohner, OECD-Schnitt: 2,4) oder dem Anteil der Bevölkerung, die mehr negative als positive Gefühle empfinden (zehn bzw. 13 Prozent). Auch fühlen sich Österreichs Frauen auf Straßen immer noch deutlich sicherer als ihre Geschlechtsgenossinnen in anderen OECD-Staaten. Zudem wird nirgends im OECD-Raum mehr Zeit für soziale Interaktionen aufgewendet. 9,5 Stunden widmen die Österreicher täglich dem Austausch mit anderen Menschen (OECD-Durchschnitt: sechs Stunden).

Verfügbares Haushaltseinkommen gesunken

Allerdings zeigen sich auch Zeichen der Stagnation. Während das verfügbare Haushaltseinkommen im OECD-Raum zwischen 2010 und 2018 um sechs Prozent wuchs, ging es in Österreich leicht von 35.003 auf 34.374 Dollar pro Kopf zurück. Damit zogen Norwegen und Deutschland an Österreich vorbei, das nun beim Haushaltseinkommen an siebenter Stelle liegt. Rückgänge verbuchten übrigens nur Belgien sowie die Euro-Krisenstaaten Griechenland, Spanien, Portugal und Italien. Überall sonst im OECD-Raum hatten die Haushalte im Jahr 2017 mehr Geld als sieben Jahre zuvor.

OECD-Generalsekretär Angel Gurria sagte bei der Vorstellung des Berichts in Paris, dass die Fortschritte beim Wohlergehen „Anlass zu Optimismus“ geben. Sie seien aber ungleichmäßig verteilt und Risiken ausgesetzt, verwies Gurria etwa auf die Luftverschmutzung, der zwei Drittel der Menschen im OECD-Raum ausgesetzt seien. Mit Blick auf die Coronavirus-Epidemie sagte Gurria, dass diese auch das soziale Leben beeinträchtige. „Die wirtschaftlichen Folgen sind zum Teil bereits sichtbar und werden sich auch auf die Einkommen und Lebensgrundlagen der Menschen auswirken. Dies gilt insbesondere für diejenigen in prekären Arbeitsverhältnissen, die nur wenige Sicherheitsnetze haben, falls sie nicht zur Arbeit gehen können“, forderte Gurria die Regierungen zu Maßnahmen auf, um die Schwächsten zu schützen. (APA/red)