Firmengründung: Frauen auf dem Vormarsch

09.März 2020

In Österreich gründen inzwischen fast genauso viele Frauen ein Unternehmen wie Männer. Unterschiede bei der Firmengründung in Bezug auf das Geschlecht gibt es jedoch bei der Motivation, der Risikoeinschätzung und dem Bestand der Unternehmen.

2019 wurden in Österreich 32.386 Unternehmen gegründet. Auffallend ist der mittlerweile hohe Frauenanteil bei einer Firmengründung von über 45 Prozent. Nicht eingerechnet sind hier EPU etwa im Pflegebereich. Hier liegt die Frauen Quote insgesamt bei über 90 Prozent. Umgekehrt gibt es immer noch deutlich weniger Frauen in den sogenannten MINT-Berufen wie Technik, IT oder Life Sciences.

Laut einer aktuellen Befragung von IMAS im Auftrag von Erste Bank und Sparkassen unter 400 Unternehmerinnen und Unternehmern unterscheiden sich auch die Motive der Geschlechter eine Firma zu gründen. „Die Themen Selbstbestimmung und höherer Verdienst stehen sowohl bei Männern mit 45 Prozent als auch Frauen mit 31 Prozent im Vordergrund, aber Frauen denken das Thema Familie gleich mit“, so Karin Kiedler, Leiterin der Marktforschung der Erste Bank.

Während für nur 13 Prozent der Männer Flexibilität und bessere Vereinbarkeit mit der Familie ein starkes Motiv ist, so sind es bei Frauen 23 Prozent. Das zeigt sich auch beim Anlass für eine Unternehmensgründung. 45 Prozent der männlichen Befragten gaben an, dass sie aus einer prekären Arbeitssituation heraus gegründet haben, das war nur bei 31 Prozent der Frauen ausschlaggebend.

Auffallend ist auch, dass beide Geschlechter die behördlichen Hürden bei der Gründung als Herausforderung empfinden, aber Männer auch noch die finanziellen Voraussetzungen (31 Prozent) deutlich problematischer Einschätzen als Frauen (21 Prozent). 15 Prozent der Frauen sehen aber das fachliche Knowhow als Hürde, während das nur neun Prozent der Männer als Schwierigkeit erachten.

Firmengründung: Frauen sind sparsamer

Gründerinnen planen nur halb so viele Finanzierungen ein, wie ihre männlichen Kollegen. Meist auch deshalb, weil sie kleinere Unternehmen gründen. Männer sind oft auch sehr selbstbewusst und risikofreudig und planen gleich mehr Finanzierungsvolumen ein. „Interessant ist aber das Faktum, dass letztendlich dann 29 Prozent der Männer und 30 Prozent der Frauen eine Finanzierung haben. Daran sieht man, dass es nach der Gründung bei diesem Thema kaum einen Unterschied zwischen den Geschlechtern gibt,“ erklärt Thomas Schaufler, Privatkundenvorstand der Erste Bank.

Deutliche Unterschiede gibt es aber bei der Finanzierungshöhe. Während Frauen im Schnitt nur ein Volumen von 29.861 Euro an Fremdkapital benötigen, so sind es beim männlichen Pendant 53.008 Euro. Nicht zuletzt resultiert dieser hohe Unterschied aus den unterschiedlichen Branchenschwerpunkten der Geschlechter. Sind Frauen deutlich stärker im Bereich Gewerbe und Handel vertreten, so sind Männer vermehrt im kostenintensiven IT-Sektor aktiv.

Laut Austrian Startup Monitor 2019 wurden seit 2008 in Österreich 2.200 Startups gegründet. 2018 betrug der Anteil der von Frauen gegründeten Startups noch 12 Prozent, 2019 waren es bereits 18 Prozent. Außerdem hat heutzutage ein Drittel der Startups mindestens eine Gründerin im Team.

Das steigende Interesse von Frauen an Neugründungen zeigte sich übrigens auch 2019 bei i2b – Österreichs größter Businessplan Initiative von Erste Bank und Sparkassen in Kooperation mit der Wirtschaftskammer Österreich. Wurden 2019 beachtliche 1261 Businesspläne eingereicht, so stammten 47 Prozent von Frauen.

Erste Bank und Sparkassen mit Förder-Initiativen

Erste Bank und Sparkassen haben die Daten nicht zuletzt auch deshalb erhoben, weil sich die Institute schon vor geraumer Zeit intensiv mit der Unterstützung von Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer beschäftigt haben. Das trägt Früchte: Täglich werden von der Erste Bank und Sparkassen sechs Neugründungen unterstützt. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Initiativen zur Unterstützung und Förderung von Jungunternehmern. Erste Bank und Sparkassen haben in jedem Bundesland ein Gründercenter errichtet und bieten ein lokales Förderservice an. Ziel ist es, die schwierige Start- und Wachstumsphase nach der Firmengründung zu begleiten und mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

In ein ähnliches Horn stößt die #glaubandich-Challenge, die gemeinsam mit dem Fachmagazin Trending Topics ins Leben gerufen wurde. Dabei werden im Rahmen eines Wettbewerbs die besten Ideen gesucht und belohnt. Bei City-Pitches in allen Bundesländern sollen die Besten der Besten in 10 verschiedenen Kategorien ermittelt werden. Der Gewinner bekommt 10.000 Euro und ein PR-Paket. 2019 konnte übrigens eine weibliche Gründerin den Contest für sich entscheiden, und zwar im IT-Bereich. Den Startups hilft der Wettbewerb auch um eine gewisse Wahrnehmung zu erzielen, selbst wenn sie nicht als Sieger hervorgehen: „Startups werden oft am Markt nicht richtig wahrgenommen, auch wenn sie sehr gute Ideen und Konzepte haben. Daher ist die Challenge für ihre Marketingaktivitäten sehr wichtig,“ erklärt Emanuel Bröderbauer, Head of Marketing „Gründer“ and SME bei der Erste Bank. Die #glaubandich-Challenge 2020 startet übrigens am 14. April. Das Finale findet am 20. Mai statt.

Firmengründung per Mausklick

Eine der jüngsten Errungenschaften von Erste Bank und Sparkassen ist die Plattform fundnow.at, die in Kooperation mit der Crowd-Investing-Plattform Conda aufgesetzt wurde. Das Finanzierungstool hilft Gründerinnen und Gründern schnell bei der Erstellung eines passenden Finanzierungsmixes aus Kredit, Förderungen, Eigenkapital und Crowd-Investing. Innerhalb von fünf Minuten bekommen Interessierte Ergebnisse inklusive grafischer Aufbereitung. Der Clou dabei: Laut Erste Bank und Sparkassen meldet sich eines der zuständigen Gründercenter innerhalb von 48 Stunden mit einem passenden Finanzierungsvorschlag.