Gleichstellung: Zu wenig Frauen in MINT-Berufen

05.März 2020

Guter Verdienst, ausgezeichnete Jobchancen und langfristige Karrieren: Wer heute in einen MINT-Beruf (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) einsteigt, hat beste Aussichten für eine erfolgreiche Karriere. Das Problem: Frauen bleiben diese Chancen oft verschlossen.

Laut Barbara Oberrauter-Zabransky, Studienleiterin bei StepStone Österreich, machen an öffentlichen Universitäten Frauen nur knapp ein Drittel aller Studienanfänger in MINT-Berufen aus. „An Fachhochschulen ist der Frauenanteil mit 23 Prozent sogar noch geringer.“ Anlässlich des internationalen Frauentags am 8. März macht das Online-Jobportal StepStone auf diese Problematik bei der Gleichstellung von Frauen und Männer aufmerksam.

Wie ein Projektbericht des österreichischen Instituts für höhere Studien zeigt, sind dabei überdurchschnittlich viele Frauen in Biowissenschaften (65 Prozent) und Architektur (42 Prozent) inskribiert, während der weibliche Anteil in den Ausbildungsfeldern Informatik und Ingenieurswesen mit 17 Prozent weit darunter liegt. Außerdem nehmen Bachelorabsolventinnen der Mathematik, Statistik und Informatik deutlich seltener ein Masterstudium auf als ihre männlichen Kollegen.

Technik ist nicht in allen Ländern männlich

„Nach wie vor gilt der klassische Stereotyp des männlichen ‚Technik-Nerds‘“, konstatiert Oberrauter-Zabransky. Das ist allerdings nicht in allen Ländern so: Studien zeigen, dass etwa in Algerien, Tunesien und den Vereinigten Arabischen Emiraten um die 40 Prozent aller Absolventen von MINT-Studiengängen weiblich sind. Auch an der TU kommen 40 Prozent aller Studentinnen aus anderen Ländern, in denen Technik nicht so stark männlich konnotiert ist.

„Die ‚männliche‘ Technik ist definitiv ein mitteleuropäisches und wahrscheinlich auch ein US-amerikanisches Thema, sagt Brigitte Ratzer, technische Chemikerin und Leiterin der Abteilung Genderkompetenz an der Technischen Universität Wien. „Es hängt mit unserer Kultur zusammen, in der uns das Bild vermittelt wird, dass Techniker immer Männer sind.“

Nur 8 Prozent Frauen in technischen Berufen

Das dürfte auch mit ein Grund dafür sein, dass Frauen am heimischen Arbeitsmarkt in technischen Berufen deutlich seltener vertreten sind. So ermittelt ein Bericht des AMS aus dem Jahr 2016 einen Frauenanteil von nur acht Prozent in ingenieurstechnischen Tätigkeiten. Besonders bedenklich: Nur vier Prozent von ihnen schaffen den Sprung in eine Führungsposition. Das wirkt sich auch auf das Einkommen aus: Vergleich mit ihren männlichen Kollegen verdienen MINT-Absolventinnen bis zu 43 Prozent weniger.

Die Gründe für diese Diskriminierung sind vielfältig, stellt der Bericht fest: So sind für die Auswahl von Führungskräften eher Männer zuständig, die ebenfalls wiederum männliche Führungskräfte einstellen. Auch hinsichtlich der Kompetenz von Frauen gibt es geschlechtsspezifische Vorbehalte: „Während Männern schon aufgrund des Geschlechts technische Versiertheit unterstellt wird, müssen sich Frauen in diesen Berufen doppelt beweisen: Als Fachkraft – und als Frau“, so Oberrauter-Zabransky.

Frauen fordern echte Gleichstellung

Ein weiteres Problem: In MINT-Berufen gibt es (noch) selten die Möglichkeit zu flexiblen Arbeitszeiten oder Teilzeit – ein Benefit, auf den gerade Absolventinnen großen Wert legen, zeigt der Absolventenreport von StepStone und Universum, für den 130.000 MINT-Studierende in 14 Ländern befragt wurden.

So wünschen sich Frauen in der IT-Branche vor allem ein einen sicheren Arbeitsplatz (43 Prozent) und eine ausgewogene Work Life-Balance (38 Prozent).Männern hingegen ist ein innovatives Umfeld (48 Prozent), gute Einkommenschancen (49 Prozent) und die Arbeit mit neuen Technologien (38 Prozent) wichtig. Allein: Nur 35 Prozent aller Inserate im IT-Bereich bieten auch flexible Arbeitszeiten an, zeigt eine Index-Auswertung im Auftrag von StepStone.

Arbeitgeber sollten sich auf weibliche Fachkräfte einstellen

Auch Gendergerechtigkeit ist für weibliche Jobsuchende ein kritischer Faktor: Jede dritte Frau fordert die Gleichstellung aktiv ein, umgekehrt legt nur jeder zehnte Mann Wert darauf. Dabei geht es Frauen aber nicht um halbherzige Alibi-Maßnahmen, sondern um langfristige Unterstützung.

„Für Frauen zählen die Fakten“, betont Oberrauter-Zabransky: „Wie viele Frauen gibt es im Betrieb, wie werden sie effektiv gefördert und welche Karrierechancen stehen ihnen offen?“ Sie rät Unternehmen, die nach Fachkräften im MINT-Bereich suchen, den Fokus auszuweiten und auch weibliche Fachkräfte ins Visier zu nehmen. „Immer noch gilt der IT-Experte als männlich, gut gebildet und hochmobil. Eine Mutter mit zwei Kindern hingegen wird von Arbeitgebern im technischen Bereich oft diskriminiert – auch wenn sie noch so gute Qualifikationen mitbringt.“