Revitalisierungskur für Europäischen Forschungsraum

03.März 2020

Der vor 20 Jahren ins Leben gerufene Europäische Forschungsraum (ERA) soll „revitalisiert“ werden. Dieses Ziel hat EU-Forschungskommissarin Mariya Gabriel ausgegeben. Ziel sei es, im Forschungs- und Innovationsbereich „kritische Masse zu erreichen“, erklärte dazu EU-Forschungschef Jean-Eric Paquet.

Der Generaldirektor für Forschung und Innovation der EU-Kommission machte auf seiner „Tour des Capitales“ bei einem von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG organisierten Workshop in Wien Station. Dabei wurde mit österreichischen Akteuren über die Weiterentwicklung im Europäischen Forschungsraum (ERA) sowie künftige Prioritäten und Maßnahmen diskutiert. Der Europäische Forschungsraum wurde vor 20 Jahren auf Initiative des damaligen EU-Forschungskommissars Philippe Busquin als „logische Weiterentwicklung des Binnenmarktkonzepts in die Bereiche Forschung und technologische Entwicklung“ ins Leben gerufen, um die Konkurrenzfähigkeit der EU in diesem Bereich zu steigern.

Europa sei im Bereich Wissenschaft und Innovation sehr gut aufgestellt. „Aber eine unserer Einschränkungen ist, dass viel von dieser Forschung in einem nationalen Rahmen passiert. Wir müssen viel mehr zusammenarbeiten, um mehr Wirkung zu haben und um global relevant zu sein“, sagte Paquet. Es gehe nun darum „den Europäischen Forschungsraum so zu vervollständigen, dass sich Forschung und Wissen möglichst frei bewegen können. Der Anspruch ist, dass Forschungsorganisationen, -infrastrukturen und nationale Forschungsprogramme zusammenkommen können, um die notwendige kritische Masse zu erzeugen“, sagte Paquet. Damit soll auch den europäischen Bürgern ein klareres Signal gegeben werden, „dass europäische Forschung und Innovation Lösungen produzieren, um den tiefgreifenden Wandel im sozialen, wirtschaftlichen, ökologischen und Klimabereich zu bewältigen“.

90 Prozent der Förderungen erfolgen national

Die Forschungsrahmenprogramme wie das laufende, mit 77 Mrd. Euro für die Jahre 2014 bis 2020 ausgestattete Programm „Horizon 2020“, das mit Jahreswechsel von „Horizon Europe“ abgelöst wird, seien ein wichtiges Element des ERA. Paquet erinnert aber daran, dass 90 Prozent der Förderung für Forschung und Innovation in Europa auf nationaler Ebene erfolgen, nur etwas weniger als zehn Prozent seien europäische Förderungen.

Deshalb sei es wichtig, „diese nationalen Ressourcen zu kombinieren, nicht systematisch verpflichtend, aber in Schlüsselbereichen wie etwa bei der Artificial Intelligence“. Alle Länder würden hier „laufen, um ihre eigenen Center of Excellence zu schaffen – das ist gut, aber in Isolation ist das nicht genug“. Für Paquet ist es deshalb wichtig, „dass sich die Mitgliedsstaaten selbst organisieren, auch mit Unterstützung europäischer Programme, um kritische Größe zu erreichen“.

Lob für heimische Wissenschafter

Auf den Spagat Österreichs, einerseits einen restriktiven Kurs beim EU-Gesamthaushalt zu fahren, andererseits eine möglichst gute Ausstattung für das künftige Forschungsprogramm zu fordern, ging Paquet nicht ein. Er verweist aber darauf, dass österreichische Forschungsorganisationen und Wissenschafter sehr erfolgreich in „Horizon 2020“ seien und mehr Mittel aus dem Programm zu österreichischen Akteuren fließen als Österreichs Anteil am Budget sei. „Insofern macht es Sinn für Österreich, eine höheres Budget für ‚Horizon Europe‘ zu verteidigen“, so Paquet.

Er betont, dass es abseits des Rahmenprogramms auch EU-Initiativen wie das Digital Europe-Programm, das Weltraumprogramm, die Connecting Europe Facility oder den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gibt. „All diese Fonds zusammen werden den Unterschied ausmachen; sie müssen gemeinsam betrachtet werden. Für die EU-Kommission ist das eine Investition in die Zukunft der Union.“ (APA/red)