PKW-Neuzulassungen: Warum die Verkäufe im Jänner abgestürzt sind

21.Februar 2020

Im Jänner sind die Neuzulassungen in der EU deutlich zurückgegangen. Vorgezogene Neukäufe hatten im Dezember zu einem Absatz-Boom geführt. EY Österreich analysiert den Automarkt in Österreich. 

Auf den Neuzulassungsboom zum Jahresende 2019 folgte im Jänner 2020 ein kräftiger Rückgang: EU-weit sank die Zahl der Neuzulassungen im Jänner gegenüber dem Vorjahresmonat um 7,5 Prozent. In Österreich sank der Absatz sogar um 9,1 Prozent.

Vorzugskäufe im Dezember

Der Hauptgrund für den Rückgang war der sehr starke Dezember 2019. Denn die Fahrzeuge, die zum Jahresende von den Herstellern in den Markt gedrückt worden waren, fehlten im Jänner in der Statistik.Im Hinblick auf die ab dem 01.01.2020 geltenden EU-Vorgaben zum CO2-Ausstoß hatten die Hersteller im großen Stil Neuzulassungen gerade im SUV- und Geländewagen-Segment vorgezogen, damit diese Fahrzeuge nicht ab Jänner ihre CO2-Bilanz belasten. Die Autokonzerne haben spätestens seit Anfang dieses Jahres ein großes Interesse daran, vorwiegend Neuwagen mit niedrigen CO2-Emissionen an Kunden zu übergeben. Denn je niedriger der Flottenausstoß, desto geringer ist das Risiko hoher Strafzahlungen.

Emissionsrückgang in bestimmten Märkten

Aufgrund des gesunkenen Marktanteils großer Fahrzeuge mit hohen CO2-Emissionen und des gleichzeitig stark gestiegenen Marktanteils elektrifizierter Fahrzeuge zeigte sich in einigen Ländern, für die entsprechende Angaben vorliegen, ein deutlicher Rückgang der CO2-Emissionen der Neuwagenflotte. In Deutschland sank der durchschnittliche CO2-Ausstoß der neu zugelassenen Pkw im Vergleich zu Dezember 2019 um 2,8 Prozent von 155,9 auf 151,5 g/km. In Frankreich wurde sogar ein Rückgang um 15 Prozent von 112,9 auf 96,0 g/km registriert.

Elektro boomt in Europa

Der Grund für den besonders starken Rückgang der Emissionen gerade in Frankreich ist der enorme Anstieg der Neuzulassungen elektrifizierter Neuwagen: Die Zahl der neu zugelassenen Elektroautos hat sich in Frankreich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdreifacht (plus 258 %), bei den Plug-in-Hybriden wurde ein Anstieg um 226 Prozent verzeichnet. Insgesamt war jeder neunte Neuwagen in Frankreich im Jänner ein Modell entweder mit Elektro- oder mit Plug-in-Hybrid-Antrieb, der Marktanteil lag bei 10,9 Prozent – nach 2,7 Prozent im Jänner 2019. Auch in den anderen wichtigen Märkten waren starke Zuwächse zu verzeichnen, die Marktanteile erreichten fast überall Rekordmarken: In Deutschland und Großbritannien haben sich die Neuzulassungen elektrifizierter Fahrzeuge mehr als verdoppelt, in Spanien fast verdreifacht, in Italien sogar mehr als verfünffacht. Der Absatz reiner Elektroautos hat sich in den fünf größten westeuropäischen Märkten mehr als verdoppelt, die Zulassungen von Plug-in-Hybriden haben sich sogar mehr als verdreifacht.

Österreichs Umstieg braucht noch

In Österreich verlief die Entwicklung deutlich weniger dynamisch: Die Neuzulassungen reiner Elektroautos steigen gerade einmal um 37 Prozent, bei Plug-in-Hybriden wurde hingegen ein Plus von 208 Prozent erzielt. Zusammen kamen Elektroautos und Plug-in-Hybride im Jänner auf einen Marktanteil von 5,5 Prozent – nach 2,7 Prozent im Vorjahr.

SchwacherAusblick

Auch für die kommenden Monate rechnet EY Österreich mit einer insgesamt eher schwachen Marktentwicklung: Die vorgezogenen Neuzulassungen vom Jahresende 2019 werden auch im Februar noch die Statistik belasten. Eine Prognose für das Gesamtjahr 2020 sei allerdings schwierig: Das konjunkturelle Umfeld ist nicht besonders gut, die Auswirkungen des Corona-Virus sind noch nicht absehbar. Ein Rückgang im mittleren einstelligen Bereich gegenüber dem durch Sondereffekte geprägten starken Vorjahr erscheint daher realistisch.

Diesel-Verkäufe weiter rückläufig

Auch ein höherer Anteil neu zugelassener Diesel-Modelle könnte den Herstellern beim Erreichen der CO2-Ziele helfen – allerdings zeigte der Trend bei den Diesel-Neuzulassungen auch im Jänner nach unten: In den fünf größten westeuropäischen Märkten sank der Absatz von Diesel-Neuwagen um ein Fünftel, der Marktanteil sank von 34,0 auf 29,6 Prozent. In Österreich verringerten sich die Neuzulassungen von Selbstzündern um 13,7 Prozent, der Marktanteil schrumpfte um 2,1 Prozentpunkte auf 38,8 Prozent.

 

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