Bildungsdefizit: Mangel an IT-Fachkräften wird schlimmer

03.Februar 2020

In der Software-Branche fehlen weiterhin rund 10.000 hochqualifizierte IT-Fachkräfte. Der direkte und indirekte Wertschöpfungsverlust pro unbesetzter Stelle belaufe sich auf 160.000 Euro pro Jahr. 

Dies seien insgesamt 1,6 Mrd. Euro, sagte der Berufsgruppensprecher IT des WKÖ-Fachverband UBIT, Martin Zandonella, am Donnerstag vor Journalisten. „Das ist ein immenser wirtschaftlicher Schaden für den Standort.“

Hohe Abbrecherquote

Seit fünf Jahren bringt der Fachverband UBIT einen Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) Statusreport zur Ausbildung und Beschäftigtenlage in der IT-Branche heraus. Dieses Jahr wurde der Bericht wieder mit dem Kärntner Institut für Höhere Studien und wissenschaftliche Forschung erstellt. „Die Problematik der offenen Stellen besteht weiter. Wir kämpfen mit der Stagnation“, sagte Branchenvertreter Zandonella. Auch die hohe Drop-out-Quote in IKT-Fächern an Unis und FH – vor allem in den ersten Semestern – sei „besorgniserregend“. An den Fachhochschulen lag die Studienabbruchquote im Jahr 2017/18 bei IKT-Bachelor-Studien bei 44,9 Prozent, an den Universitäten bei 50,6 Prozent. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor.

Problembereiche Entwicklung, Netzwerke und Sicherheit

Am meisten hochqualifizierte IT-Kräfte fehlen laut Fachverband im Bereich Softwareentwicklung, Netzwerkbetreuung und IT-Sicherheit. Ebenfalls größeren Arbeitskräftebedarf gibt es bei der Datenanalyse, Automatisierung, bei künstlicher Intelligenz und beim Internet der Dinge.

Kein Gesamtkonzept für Ausbildung

Die IT-Branche fordert von der Politik seit Jahren mehr Engagement im Bereich Digitalisierung. Es brauche ein IKT-Gesamtausbildungskonzept für Schule, Lehre, Fachhochschulen und Universitäten, sagte der Obmann des WKÖ- Fachverbands UBIT, Alfred Harl, bei der Präsentation des IKT-Statusreports in Wien. Außerdem müsse es ab der Volksschule eine fixe Unterrichtsstunde mit Informatikthemen geben. Daneben brauche es IT-Leuchtturm-Projekte – etwa die Österreich-Cloud – und eine Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte, um Fachkräfte von außerhalb der EU nach Österreich zu holen, forderte Harl. Die Rot-Weiß-Rot-Karte müsste unkomplizierter werden und mit einem Informatiker-Relocation-Service für Wohnung, Arbeitsplatz und Kinderbetreuung verbunden werden.

Studienabbrecher in die Branche bringen

Um heimische FH- und Uni-Studienabbrecher will sich die IT-Branche verstärkt kümmern. Mit Matura könne man eine verkürzte IKT-Lehre machen, so Zandonella. Der IT-Sektor sei bisher „keine klassische Branche“ für die Lehre. „Es findet aber ein Umdenken statt“, so der WKÖ-Vertreter.

Karteileichen bedingen Zulassungsbeschränkungen

Die TU-Wien-Rektorin und Professorin Sabine Seidler beklagte die hohe Zahl der prüfungsinaktiven Informatik-Studierenden. Seit dem Studienjahr 2016/17 gebe es aus Kapazitätsgründen Zulassungsbeschränkungen für Informatik-Studienanfänger an der TU Wien. Ziel sei es, die richtigen Personen für das Studium zu begeistern und dann gut durch das Studium zu begleiten. Seidler appellierte an Studieninteressierte, sich für das Fach Informatik zu entscheiden. „Mit dem Studium gibt es unendlich viele Möglichkeiten“, so die Wissenschafterin bei dem Pressetermin. Wenn man keinen Studienplatz an der TU Wien erhalte, gebe es auch interessante Studienmöglichkeiten in anderen Bundesländern. Auch der WKÖ-Fachverband wünscht sich bessere Informationsangebote über freie IKT-Studienplätze. Dann würden sich Studieninteressierte vielleicht statt für das Informatik-Studium in Wien für Klagenfurt entscheiden. (APA)

 

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