„Msr.“ so wie „Ing.“: „Meister“ wird zum Namenstitel

15.Januar 2020

Äußerst zufrieden mit der Geschäftsentwicklung im Vorjahr hat sich die Vertretung von Handwerk und Gewerbe in der Wirtschaftskammer bei einer Pressekonferenz in Wien gezeigt.

„Es war ein sehr, sehr gutes Jahr 2019“, sagte die Obfrau der Bundessparte, Renate Scheichelbauer-Schuster. Der Umsatz von Handwerk und Gewerbe werde erstmals die 100-Milliarden-Euro-Grenze überschreiten.

Forderungen erfüllt

Im Regierungsprogramm, das von WKO-Chef Harald Mahrer auf ÖVP-Seite mitverhandelt wurde, seien viele Pläne enthalten, die Handwerk und Gewerbe nützen, zum Beispiel die Steuerentlastung, die Senkung der Körperschaftssteuer und die Ausweitung des Gewinnfreibetrags. Die ÖVP-Grüne-Regierung will die Körperschaftssteuer, also die Gewinnsteuer für Unternehmen (AG, GmbH), von derzeit 25 auf 21 Prozent senken. Das „Maßnahmenpaket Reparatur“ werde besonders kleinen Betrieben helfen. Diesbezüglich wünscht sich die Spartenobfrau eine Senkung der Mehrwertsteuer für Reparaturleistungen von 20 auf 10 Prozent sowie eine Förderung.

Meistertitel soll im Namen geführt werden

Die duale Ausbildung werde weiter aufgewertet, von der Lehre bis zum Meister. Der Meistertitel soll künftig auch in offiziellen Dokumenten eingetragen werden können, heißt es unter anderem im Regierungsprogramm („eintragungsfähigen Titel für offizielle Dokumente schaffen“). Der Titel „Meister“ oder „Meisterin“ solle künftig dem Namen vorangestellt und abgekürzt werden können, etwa mit „Msr.“, erläuterte Scheichelbauer-Schuster. Da der Meistertitel im Bildungssystem etwa einem Bachelor entspreche, sei der neue Titel auch ein Zeichen der Anerkennung der Qualifikation, sagte die Spartenobfrau: „Das ist wirklich ein Herzensanliegen von uns“. Auch sollen Meister- und Befähigungsprüfungen durch ein Bonus-/Prämiensystem unterstützt werden.

Plattform für Qualitätsbetriebe

Um die qualifizierten Betriebe sichtbarer zu machen, werden auf einer Plattform „gutgemacht.at“ in Kooperation mit der Kleinen Zeitung künftig Unternehmen kenntlich gemacht, erläuterte Reinhard Kainz, Geschäftsführer der Bundessparte: Das staatliche Gütesiegel „Meisterbetrieb“ oder „staatlich geprüft“, das Baumeister-Logo sowie Betriebe, die etwa durch HTL-Absolvierung und Praxiszeit ebenfalls Qualitätsbetriebe sind, werden angeführt.

Exzellente Auslastung

Die Stimmung im Handwerk und Gewerbe sei gut, auch die Ertragslage und Kapitalausstattung halte mit der guten Umsatzentwicklung mit, erläuterte Christina Enichlmair von der KMU Forschung Austria. In den ersten drei Quartalen 2019 stiegen die Auftragseingänge bzw. Umsätze gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres wertmäßig um 0,2 Prozent, der Umsatz stieg um 150 Mio. Euro auf rund 72,9 Mrd. Euro. Im Jahr 2018 lagen die Umsätze bei rund 99,4 Mrd. Euro, für 2019 werden Umsätze von über 100 Mrd. Euro erwartet.

Letztes Quartal immer noch gute Stimmung

Im vierten Quartal 2019 war die Stimmungslage immer noch gut, mehr Betriebe waren optimistisch als pessimistisch betreffend ihrer Geschäftslage. In den investitionsgüternahen Branchen lag der durchschnittliche Auftragsbestand in etwa auf dem hohen Niveau des Vorjahres und stieg nur mehr geringfügig an. In den konsumnahen Betrieben verzeichneten zwei Drittel der Betriebe keine Veränderung, 20 Prozent hingegen verwiesen auf Umsatzrückgänge.

Zurückhaltung für die ersten Quartale 2020

Bei den Erwartungen für das laufende erste Quartal 2020 überwiegen die pessimistischen Einschätzungen, obwohl auch hier 68 Prozent mit keiner Veränderung rechnen. Weiters wollen die Betriebe den Personalstand leicht reduzieren. Ausgehend von den rund 724.000 unselbstständigen Beschäftigten im Gewerbe und Handwerk ist im ersten Quartal 2020 eine Verringerung des Personalstands von rund 9.400 Personen geplant. Für das zweite Quartal 2020 ist aber wieder mit den saisonal üblichen starken Steigerungen zu rechnen, so Enichlmair. (APA)

 

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