Regierungsübereinkommen: Das soll sich für Einzelunternehmen steuerlich ändern

14.Januar 2020

Im Regierungsübereinkommen der türkis-grünen Regierung  finden sich – unter anderem – eine Senkung des Einkommensteuer- und Körperschaftsteuertarifs, eine Ausweitung des investitionsunabhängigen Gewinnfreibetrages oder eine Erhöhung der steuerlichen Freigrenze für Geringwertige Wirtschaftsgüter. LBG Österreich hat sich das Konzept aus Sicht der Steuerberatung angesehen. 

LBG Österreich hat das Regierungsprogramm nach steuerlichen Auswirkungen analysiert. Folgend jene Bereiche, die die Einkommenssteuer und damit die steuerlichen Interessen von Einzelunternehmen betreffen.

Weitere Senkung der Einkomenssteuer

Der für natürliche Personen anzuwendende Einkommensteuertarif soll künftig weiter reduziert werden, und zwar für die erste Stufe (aktuell für Einkommensteile über € 11.000 bis € 18.000) von 25% auf 20%, für die zweite Stufe (aktuell für Einkommensteile über € 18.000 bis € 31.000) von 35% auf 30% und für die dritte Stufe (aktuell für Einkommensteile über € 31.000 bis € 60.000) von 42% auf 40%.

Höchststeuersätze bleiben unverändert

Der Steuertarif für die vierte Stufe (aktuell für Einkommensteile über € 60.000 bis € 90.000) mit 48 % und für die fünfte Stufe (aktuell für Einkommensteile über € 90.000) mit 50 % soll demnach unverändert bleiben. Der Steuersatz für die sechste Stufe (aktuell für Einkommensteile über € 1 Mio) ist nach der geltenden Gesetzeslage zeitbefristet für 2016 – 2020 und beträgt 55 %. Für Einkommensteile bis jährlich € 11.000 wird aktuell keine Einkommensteuer erhoben.

Positive Auswirkungen auf kleine und mittlere Einkommen

Der geplante neue Einkommensteuertarif führt laut LBG Österreich zu einer deutlicheren Entlastung vor allem der kleinen und mittleren Einkommensbezieher und gilt für Unternehmer und Selbstständige gleichermaßen wie Dienstnehmer und Pensionisten. Aufgrund der höheren Ausgabenneigung unterer Einkommensschichten bei steigendem verfügbaren (Netto-)Einkommen sind daraus auch positive Konjunktureffekte sowie resultierende abfedernde Budgeteffekte (höherer Konsum führt zu zusätzlichem Steueraufkommen, das eine Steuerreform teilweise finanziert) zu erwarten.

Gewinnfreibetrag wird attraktiver

Bei natürlichen Personen kann aktuell bei der Gewinnermittlung eines Betriebes unter bestimmten Voraussetzungen ein steuerlicher Gewinnfreibetrag, bestehend aus einem Grundfreibetrag von derzeit € 30.000 und einem investitionsabhängigen Gewinnfreibetrag, geltend gemacht werden. Das Investitionserfordernis soll künftig erst ab einem Gewinn von € 100.000 bestehen.

Erhöhte Attraktivität des Einzelunternehmens

Die Absenkung des Einkommensteuertarifs führt aus Sicht von ÖLBG Österreich gemeinsam mit der Ausweitung des investitionsunabhängigen steuerlichen Gewinnfreibetrages zu einer relativen Erhöhung der steuerlichen Attraktivität des Einzelunternehmens im Vergleich zur vollausschüttenden GmbH. Dies sollte bei der mittelfristigen Steuerplanung und Rechtsformwahl in Abhängigkeit von den für die nächsten Jahre erwarteten wirtschaftlichen Ergebnissen und der anzuwendenden Steuerprogressionsstufen beachtet werden.

Keine zeitlichen Vorgaben

Ein konkreter Zeitplan für die Umsetzung der nachstehend genannten Maßnahmen innerhalb der Gesetzgebungsperiode 2020 – 2024 liegt nicht vor. Ein stufenweises Inkrafttreten im Lauf der Gesetzgebungsperiode sei aus Sicht der Autoren von LBG Österreich zu erwarten, was nicht zuletzt aufgrund der noch im Detail erforderlichen fachlichen Ausarbeitungen notwendig sei.

 

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