Weniger Verkaufsflächen: Internet und Gastronomie mischen Handel auf

08.November 2019

Bestellen via Internet wird immer beliebter. Das bekommen vor allem die filialgebundenen Einzelhändler deutlich zu spüren. Seit fünf Jahren geht die Verkaufsfläche jährlich um rund zwei Prozent zurück.

Davon ausgenommen sei der Lebensmittelhandel, berichteten der Immobiliendienstleister EHL und der Standortberater RegioPlan am Donnerstag. Dafür gibt es immer mehr Lokale in den Handelszonen.

Gastronomie und Fitness-Center ersetzen Verkaufsflächen

In guten Lagen werde sich der Anteil von Restaurants an den gesamten Einzelhandelsflächen in Einkaufsstraßen und Einkaufszentren in den kommenden zehn Jahren verdoppeln, erwarten die Immobilienexperten. Der Gastronomie-Boom setzt sich fort. Auch Unterhaltungsangebote wie Sport und Fitness sollen in guten Einkaufslagen zum Standardangebot werden. In Zukunft werde es auch aufwendigere Allgemeinflächen wie Kinderbereiche, Aufenthaltszonen und Eventbühnen geben, um Kunden in die Einkaufstempel zu locken.

Gesundheitsdienstleistungen im EKZ

Der Arzt im Shopping-Center wird den Erwartungen zufolge zum Regelfall. Denn Gesundheitsdienstleistungen wie etwa auch Physiotherapie oder Massagen würden dort künftig verstärkt angeboten. Die Anbieter profitierten dabei von der hohen Besucherfrequenz, die Geschäfte von der längeren Verweildauer.

Expansionspläne der Filialisten werden eingestampft

„Wir erleben derzeit keine graduellen Veränderungen, sondern den Beginn eines Umbruchs“, so EHL-Geschäftsführer Michael Ehlmaier. In Zukunft würden traditionelle Einkaufsstraßen, Einkaufs- und Fachmarktzentren „ein völlig anderes Gesicht haben als jetzt“. Der Onlinehandel setzt die Filialgeschäfte immens unter Druck. In weiterer Folge werden Expansionspläne „radikal gekürzt“ bzw. Standorte verkleinert oder geschlossen. Davon betroffen seien nicht nur B- oder C-Lagen, sondern auch die stärksten Handelszonen.

Online-Boom provoziert Leerstände

In den Innenstädten seien Leerstände bis zu 25 Prozent und mehr keine Seltenheit mehr. Die Passantenfrequenzen verringern sich den Angaben zufolge im Schnitt um etwa vier bis sechs Prozent pro Jahr. Das drückt auch auf die Umsätze. Der Rückgang kann laut EHL und RegioPlan dort nur zum Teil mit steigenden Touristenzahlen kompensiert werden. Vor wenigen Jahren hätten sich noch viele Unternehmen um die besten Standorte gestritten, derzeit expandierten nur noch wenige – und dies vor allem im Diskontbereich.

Rückzugspläne schaffen Platz für neue Player

Es gebe allerdings auch positive Signale: Internationale Retailer zeigten zunehmend Interesse an einem Markteintritt in Österreich, vor allem in Wien, aber auch in den Landeshauptstädten Salzburg, Graz, Innsbruck und Linz. Mehr als 20 Handelsketten kamen laut EHL und RegioPlan in den vergangenen zwei Jahren neu hierher. „Die Reduktion bestehender Filialnetze eröffnet diesen Newcomern Expansionsmöglichkeiten in besten Lagen und in einem Tempo, das vor wenigen Jahren noch kaum vorstellbar gewesen wäre“, betonte Mario Schwaiger, Leiter des EHL-Geschäftsbereichs Einzelhandel. (APA)