Tirol: Neue Förderungen im Kampf gegen das Wirtshaussterben

07.Oktober 2019

Im Jahr 2012 hat es in Tirol noch 321 aktive Gasthäuser gegeben. Ende 2018 waren es nur noch 299. Die Gründe für die Schließungen liegen unter anderem bei der schwierigen Nachfolgefindung, hohen behördlichen Auflagen und fehlendem Eigenkapital für Investitionen. Die Tiroler Landesregierung verspricht jetzt Unterstützung im Kampf gegen das Wirtshaussterben. 

Neben der Änderung von Förderrichtlinien, wovon vor allem Wirtshaus-JungunternehmerInnen profitieren sollen, werden in Kooperation mit der Wirtschaftskammer erweiterte Beratungsleistungen angeboten. Auch die Bezirkshauptmannschaften nehmen künftig bei Bezirksanlagesprechtagen in ganz Tirol verstärkt ihre Unterstützungsfunktion wahr. Ein einheitlicher Vollzug bei Betriebsanlagengenehmigungen stehe im Fokus, heißt es in einer Pressekonferenz der Tiroler Landesregierung. Zudem werde vom Land durch Sachverständige und RechtsexpertInnen mögliche Erleichterungen für Gastgewerbebetriebe in baurechtlicher Hinsicht geprüft.

Wirtshaus-Übernahmen fördern

Mit dem Wirtshaus-Paket des Landes soll der (Neu-)Start von Wirtshaus-UnternehmerInnen gefördert werden. Im Fokus stehen Klein- und Kleinstbetriebe. Ziel ist es, Übernahmen und Revitalisierungen zu fördern und bestehende Wirtshäuser vor dem Zusperren zu bewahren. Es werden jene Wirtshäuser unterstützt, die ein regionales Speise- und Getränkeangebot sowie eine gute Zusammenarbeit mit der örtlichen Produktionskette pflegen.

Tiroler Tourismusförderung

Gefördert werden Investitionsmaßnahmen in Zuge von Betriebsübernahmen (Projekte innerhalb von fünf Jahren nach Betriebsübernahme) sowie der Erwerb der unmittelbar mit einem Wirtshaus verbundenen Vermögenswerte, sofern das Wirtshaus geschlossen wurde oder ohne diesen Erwerb geschlossen worden wäre und keine familiäre Beziehung zur/zum KäuferIn besteht

Darum geht es

Um in den Genuss des Wirthaus-Paketes zu kommen, muss ein Wirtshaus ganzjährige Öffnungszeiten aufweisen, ein traditionelles und regionales Speisen- und Getränkeangebot im à-la-carte-Bereich haben und – soweit als möglich – über eine gute Zusammenarbeit mit den örtlichen/regionalen LieferantInnen, ProduzentInnen und Vereinen verfügen.

Höhe der Investitionsförderung

Gefördert werden fünf Prozent der förderbaren Kosten; für Tiroler Wirtshäuser  gibt es einen Aufschlag von bis zu 2,5 Prozent sowie bei Betriebsübernahmen bzw. Revitalisierungen bis zu fünf Prozent. In Kombination mit der Bundesförderung der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank ÖHT ist eine Gesamtförderung von maximal 15 Prozent möglich).

Wirtshausprämie

Dazu gibt das Land eine Wirthausprämie bis zu 10.000 Euro pro Unternehmen, wenn

  • das Wirtshaus gerade übergeben wurde (maximal vor 6 Monaten) oder
  • in der Standortgemeinde kein Wirtshaus mehr besteht und nun ein neues Wirtshaus eröffnet wird,
  • die Verpflegungssituation in der Gemeinde vor allem in der Zwischensaison gefährdet bzw. in der Gemeinde ansonsten kein Wirtshaus vorhanden ist
  • und die Gemeinde zusätzlich einen Beitrag von mindestens 10 Prozent der gewährten Landesförderung leistet sowie
  • der oder die UnternehmerIn beabsichtigt, den Betrieb mindestens fünf Jahre in vollem Umfang aufrechtzuerhalten .

Direktdarlehen an Kleinstunternehmen (TWFF)

Beim Förderschwerpunkt „Tiroler Wirtshäuser“ werden künftig höhere Darlehen zu geringeren Zinssätzen vergeben: „Die Nachfolge- und Übernahmefindung ist nicht zuletzt aufgrund der hohen Investitionen schwierig, die oftmals notwendig sind. Der Fokus liegt darauf, Betrieben für ihre Investitionen zinsgünstiges Kapital bereitzustellen.

  • Maximal 150.000 Euro Darlehen + 50.000 Euro für Betriebsmittel und Betriebsgründung = 200.000 Euro
  • 0,2 Prozent Fix-Zinsen bei Darlehenslaufzeit von 10 Jahren
  • Gilt für Förderansuchen im Rahmen der Förderung „Tiroler Wirtshäuser“ rückwirkend ab 1.9.2019

Gleichzeitig wurden die zuständigen Abteilungen beauftragt, mögliche Erleichterungen aus baurechtlicher Sicht zu prüfen. Eine wesentliche Erleichterung werde es bei älteren Gebäuden sowie Schutzhütten und bei Zubauten von beispielsweise Wintergärten und Gastterrassen geben.

Unternehmensberatung bei Wirtshausübernahme

Auch bei den in Anspruch genommenen Beratungsstunden soll den Übernehmern und Revitalisierern von Wirtshäusern künftig finanziell unter die Arme gegriffen werden. Während in allen Bezirken vonseiten der Bezirkshauptmannschaften Betriebsanlagensprechtage speziell für WirtInnen angeboten werden sollen, übernimmt ein Übernehmerservice bei der Standortagentur Tirol die Vernetzung zwischen Wirthaus-Übergebenden und -Übernehmenden. Beraten werden (Jung)UnternehmerInnen in Kooperation mit der WKO.

  • Förderung bis zu 80 Prozent der Kosten
  • Maximal 40 Beratungsstunden pro Jahr auf 3 Jahre (bisher: 24 Beratungsstunden).

 

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