Textilhandel: Wie das Onlinegeschäft die Branche verändert

26.September 2019

Die Österreicher geben Jahr für Jahr mehr für ihre Bekleidung aus. Doch diese Zuwächse kommen nicht im stationären Textilhandel an. Für das Wachstum sorgt das Internet, heißt es in einer Untersuchung von RegioData. 

Im Durchschnitt gibt eine Frau 400 Euro und ein Mann 280 Euro für Bekleidung aus. Für das gute Aussehen der Kinder werden 110 Euro pro Jahr und Kind investiert. Die Steigerung dieser Ausgaben ist in den letzten Jahren stetig, aber jeweils klar unter der Inflationsrate, was somit einen wertmäßigen Rückgang bedeutet. Insgesamt umfasst der Gesamtmarkt für Bekleidung über sechs Milliarden Euro  jährlich.

Stationärer Handel verliert

Doch diese Entwicklung wird seit einigen Jahren durch den steigenden Onlinehandel massiv gestört. Die Umsätze im stationären Textilhandel gehen nämlich zurück. Aktuell liegt der gesamte stationäre (nominelle) Bekleidungsumsatz deutlich unter jenem von 2010. Der Onlinehandel hingegen steigt weiter, er beträgt bereits über 25 Prozent (gemessen an den Konsumausgaben der privaten Haushalte). Und das Wachstumstempo im Online-Handel bleibt weiterhin hoch.

Das sind die Branchenführer

Hennes & Mauritz (H&M, COS, Weekday, Monki, & Other Stories) ist mit einem Marktanteil von knapp 13 Prozent mit großem Abstand der Marktführer im österreichischen Bekleidungshandel. Der Schwerpunkt der künftigen Entwicklung von H&M wird wohl weiter beim Onlinegeschäft und weniger in der Flächenexpansion liegen. Dem Branchenprimus folgt C&A, das in den letzten Jahren einige Filialschließungen hinnehmen musste. Auch Peek&Cloppenburg zeigt keine Ambitionen zu expandieren. Alleine Kik, die Nummer vier am österreichischen Markt, zeigt sich sehr expansionswillig. Der Aufsteiger der letzten Jahre, die Nummer fünf im Umsatzranking, ist Primark, allerdings ist der Marktanteil von etwa vier Prozent bereits recht gering.

Virtuelle Marktplätze statt Multichannel

Allseits werden die Wörter „Multi-Channel“ oder „Omni-Channel“ als Geheimwaffe gegen die Onlineriesen Amazon, Zalando & Co. angepriesen. Doch zumindest im Bekleidungshandel ist diese Einschätzung nach Einschätzung von RegioData falsch: Von den 10 Top Onlineshops im Textilhandel sind sieben „Pure-Player“ (also ohne stationäre Flächen) und diese machen 82 Prozent des Umsatzes. Die bedeutendsten Onlineshops der „Multi-Channel“-Anbieter sind jene von H&M, Esprit und s´Oliver. Der größte Onlineshop für Bekleidung ist natürlich Zalando mit mehr als 200 Mio Euro Umsatz mit österreichischen Kunden. Damit ist Zalando der viertgrößte Bekleidungshändler in Österreich (wenn man stationär und online zusammenzählt).

Verkaufen über Amazon

Aktuell ist jedoch im Onlinebereich eine wesentliche Veränderung zu beobachten: Immer mehr Anbieter begeben sich auf virtuelle „Marktplätze“ anstatt sich selbst mit eigenen Onlineshops herumzuquälen. Amazon beispielsweise bietet im eigenen Shop auch Waren von selbständigen Händlern an. Dieser Marktplatzumsatz ist bei Amazon bereits deutlich höher als der eigene Shop. Generell ist derzeit ein Boom bei derartigen Marktpätzen zu beobachten.

 

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