Zulieferbranche: Rückgang der Margen verhindert neue Investitionen

04.September 2019

Die deutsche Autoindustrie verzeichnet eine spürbare Absatzdelle in Europa und China. Eine Studie von Roland Berger analysiert, wie sich die internationale Zulieferbranche auf den Nachfragerückgang vorbereiten muss und wie sie den Spagat zwischen Investitionen und Einsparungen meistert.

In Österreich sind 150 Unternehmen mit 30.000 Beschäftigten direkt in der Fahrzeugindustrie tätig. Insgesamt hängen rund 370.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt von der Automobilwirtschaft und deren Zuliefern ab. Mit einem Auslandsumsatz von 14,1 Milliarden Euro ist diese die zweitwichtigste Exportbranche Österreichs. In Deutschland hängen rund 1,8 Millionen Arbeitsplätze an der Automobilindustrie. Die wichtige Branche steht weltweit vor gewaltigen Umwälzungen.

Cash Flows schwinden

Im Sog der Mobilitätswende erhöhen die Hersteller den finanziellen Druck auf die Zuliefererunternehmen, die eigentlich selbst investieren sollten. Roland Berger hat in Zusammenarbeit mit der Investmentbank Lazard die aktuelle Situation der Branche untersucht. Gleichzeitig müssen die Zulieferer bei den Investitionen eine Wette auf eine noch ungewisse Zukunft eingehen: Auf welche Technologien sollen sie setzen? Aktuell ist das Rennen der Antriebstechnologien offener denn je

MADE Faktoren treiben den Wandel

Vier Entwicklungen befeuern den Umbruch der Automobilbranche: Die so genannten MADE-Faktoren (neue Mobilitätstrends, Autonomes Fahren, Digitalisierung und Elektrifizierung) stellen die etablierten Hersteller und die Zulieferindustrie gleichermaßen vor einen großen Investitionsdruck. Vor diesem Hintergrund versuchen Autohersteller ihre Kosten zu senken, unter anderem mit Sparprogrammen im Einkauf, was wiederum die Zulieferer trifft.

70 Prozent der Kapazitäten liegen brach

Zusätzlich zu diesen Faktoren verschärfen globale Spannungen wie der Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China die Situation. Dass der Markt in Nordamerika stagniert und in Europa leicht rückläufig ist, intensiviert das Problem. So bleiben bei einzelnen Zulieferern 60 bis 70 Prozent der Kapazitäten in chinesischen Werken ungenutzt. Der negative Markttrend spiegelt sich in den Absatzzahlen wieder: Im ersten Halbjahr 2019 lag die Zahl der produzierten Einheiten mit 46 Millionen insgesamt um fünf Prozent unter dem Vergleichszeitraum 2018. Marktbeobachter rechnen für den Rest des Jahres nicht mit einer Trendwende.

@ Roland_Berger

In Nordamerika erreichten die Zulieferunternehmen 2018 noch überdurchschnittliche Zahlen (EBIT-Marge 8,4 Prozent). Dagegen fielen europäische Zulieferer zurück (EBIT-Marge 7,1 Prozent). Hier wirkten sich sinkende Volumina und die Probleme durch die Einführung des neuen Verbrauchsstandards WLTP negativ aus. Nur Südkorea (EBIT-Marge 6,6 Prozent) und Japan (EBIT-Marge 6,1 Prozent) schnitten noch schlechter ab. Der Markteinbruch 2019 wird in diesen Regionen für einen weiteren Rückgang der Profitabilität sorgen.

Verringerte Investitionsfähigkeit

Mit 6,0 Prozent nähern sich die Zulieferer einer Grenze, bei der sowohl die Eigenfinanzierung, als auch die Refinanzierung am Kapitalmarkt schwieriger wird. Dabei erwarten die Autohersteller von ihren Lieferanten, dass sie sich mit hohen Investitionen an relevanten Zukunftstechnologien beteiligen. Das Problem: Die neuen Investitionsprojekte lassen sich mit der in der Vergangenheit bewährten Kapitalrückflusslogik nicht mehr greifen. Die notwendigen Ausgaben sind für die Zulieferer oft eine unsichere Wette auf die Technologie der Zukunft.

Was Unternehmen jetzt tun sollten

Roland Berger und Lazard haben in der Untersuchung „Global Automotive Supplier Study 2019“ Kennzahlen von 600 Zulieferern weltweit ausgewertet und neben einer Ist-Analyse auch Ursachen sowie Handlungsempfehlungen für die Industrie entwickelt. In einem ersten Schritt gilt es für die Zulieferer, die eigene Situation richtig einzuschätzen. Dazu hat Roland Berger eine Systematik entwickelt, aus der sich je unterschiedliche Handlungsanweisungen ableiten lassen.

 

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