Wenn der Kunde nicht zahlt: So nützen Sie Kreditversicherungen

29.Juli 2019

Kreditversicherungen sollten einen Fixplatz im unternehmerischen Risikomanagement haben. Zunehmend bedienen sich auch KMU der einst den Großunternehmen vorbehaltenen Absicherungsmethode. 

Kreditversicherungen (auch Delkredere-Versicherungen genannt) decken Schäden, die ein Lieferant durch Ausfall von Forderungen aus Lieferungen oder Leistungen erleidet. Die Gründe dafür sind entweder Zahlungsunfähigkeit, das bedeutet die Insolvenz des Kunden. Oder der Zahlungsverzug, wenn der Geschäftspartner über das vereinbarte Zahlungsziel hinaus Mahnstufen und Inkassoversuch ignoriert. Bei Exportkreditversicherungen für Auslandsgeschäfte wird auch das politische Risiko gedeckt. Darunter verstehen die Versicherer Krieg, kriegerischer Ereignisse, Aufruhr und Revolution bzw. Devisenmangel und Transferbehinderungen.

Prämie: Mehrere Konstruktionen

Die Prämie kann sich am tatsächlichen Außenstand (Saldenprämie), vom Umsatz oder vom genehmigten Kreditlimit bemessen und wird üblicherweise monatlich fällig. Bis vor wenigen Jahren konnten Unternehmen keine einzelnen Kunden versichern. Es mussten sämtliche Forderungen in die Versicherungssumme eingebracht werden. Die Versicherungen sorgten so für ein statistisch reales Verhältnis zwischen guten und schlechten Forderungen. Mittlerweile wurden aber spezielle Produkte auf den Markt gebracht, die auch eine Ausfallsversicherung bei einzelnen Kunden ermöglichen – bei entsprechender Prämienberechnung.

Einzelne Länderrisiken versicherbar

Bei Exportgeschäften ist seit jeher die Absicherung von einzelnen Länderrisiken üblich. Diese Form der Kreditversicherung wird von den Unternehmen auch am häufigsten genutzt. Es gilt das Motto: Je weiter weg der Kunde, umso risikobewusster werden die liefernden Unternehmen.

Begrenzung der Versicherungssummen

Kreditversicherer unterziehen jeden Kunden eines Versicherungsnehmers einer Bonitätsbewertung. Dabei werden nicht selten Limits eingezogen. Das bedeutet: Wenn ein Kunde des Versicherten über eine schlechte Bonität verfügt, dann kann es passieren, dass nicht alle Forderungen an ihn abgesichert werden. Wie viel von der angefragten Summe durch die Assekuranzen abgedeckt werden, ist Verhandlungssache. Auf alle Fälle warnen die Versicherer den Versicherungsnehmer vor der potentiellen Unzuverlässigkeit des Kunden.

Bonitätsbewertung als Dienstleistung

Die Bonitätsbewertung der Bestands- und Neukunden gilt in der Unternehmensrealität als wesentliche Leistung für kreditversicherte Firmen. Die Kreditversicherer greifen dabei auf ein eigenes oder assoziiertes globales Ratingnetz zurück, in dem Informationen über Unternehmen in allen Zielländern gesammelt werden. Wenn zum Beispiel keine Daten über einen Kunden in Kasachstan verfügbar sind, werden diese oft individuell über die weltweiten Netze der Versicherungen eingeholt. So erfährt jeder Unternehmer von seiner Kreditversicherung, wem er einen Lieferantenkredit einräumen kann und mit wem er Barzahlung bei Lieferung vereinbaren muss. Die Kreditversicherung führt für ihre Kunden auch laufende Bonitätskontrollen durch und tritt auf die Bremse, wenn sie eine Verschlechterung der Zahlungsfähigkeit bei deren Kunden beobachtet.

Ständiger Informationsfluss

Der Versicherungsnehmer der Kreditversicherung ist verpflichtet, den Kreditversicherer über alle für die Beurteilung des Risikos relevanten Tatsachen zu informieren. Er hat darüber hinaus entsprechende Betreibungsmaßnahmen bei Zahlungsverzug zu setzen. Zudem muss er dem Versicherer meist auf Verlangen Bucheinsicht gewähren sowie Maßnahmen zur Vermeidung eines Versicherungsfalles setzen. Jeder Kreditversicherer bietet seinem Kunden auch an, das Inkasso für ihn zu betreiben, wenn der Kunde auf kein Mahnschreiben reagiert. Dafür werden Erfolgsprämien fällig. Außerdem muss die Forderung für eine Schadenszahlung juristisch einwandfrei sein. Ist der Schadensfall eingetreten, muss der Kreditnehmer mit einem Selbstbehalt zu Rande kommen, der bei Vertragsunterzeichnung vereinbart wird. Nicht verzichten sollte der Unternehmer auch auf eine Vereinbarung einer Prämienrückzahlung, wenn die Versicherung in einer Periode nicht in Anspruch genommen wurde.

 

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