So haben sich Ertrags- und Finanzsituation im Handel seit 2008 verbessert

26.Juli 2019

Die österreichischen Einzelhandelsunternehmen konnten im Bilanzjahr 2017/18 durchschnittliche Gewinne vor Steuern in Höhe von 3,0 Prozent des Netto-Umsatzes (- 0,6 Prozent) erwirtschaften. In den vergangenen zehn Jahren haben sich sowohl die Ertrags- als auch die Finanzsituation im Handel deutlich verbessert.

35 Prozent des Vermögens im Einzelhandel wurden im untersuchten Bilanzjahr mit Eigenkapital finanziert. Die im Auftrag der Wirtschaftskammer Österreich – Sparte Handel durchgeführte Analyse der KMU Forschung Austria zur Ertrags- und Finanzsituation im österreichischen Einzelhandel zeigt für das vorliegende Bilanzjahr 2017/18 eine Verschlechterung der Gewinnsituation im Vergleich zum Bilanzjahr 16/17. Konnten die Einzelhandelsunternehmen im vorangegangenen Bilanzjahr 2016/17 noch Gewinne (vor Steuern) in Höhe von 3,6 Prozent (des Netto-Umsatzes) realisieren, sinkt die durchschnittliche Umsatzrentabilität im Bilanzjahr 2017/18 auf 3,0 Prozent. Über das Jahrzehnt betrachtet (seit 2008) haben sich Gewinn- und Eigenkapitalanteil in der Branche aber deutlich verbessert.

Handel verdient weniger als andere Sparten

Der Rückgang der Ertragssituation ist vor allem auf den steigenden Handelswareneinsatz zurückzuführen. Die Ertragskraft im Einzelhandel liegt weiterhin deutlich unter dem Durchschnittswert der marktorientierten Gesamtwirtschaft in Österreich (5,5 Prozent). 65 Prozent der bilanzierenden Einzelhandelsunternehmen erreichen die Gewinnzone, während 35 Prozent rote Zahlen schreiben. Damit können im aktuell vorliegenden Bilanzjahr 2017/18 mehr Einzelhandelsunternehmen Gewinne realisieren als noch im vorangegangenen Bilanzjahr 2016/17 (63 Prozent).

Möbelbranche bleibt am gewinnträchtigsten

Die Analyse ausgewählter Top-Einzelhandelsbranchen zeigt, dass der Möbeleinzelhandel im Branchendurchschnitt die höchsten Gewinne (vor Steuern) erzielen kann (4,6 Prozent des Netto-Umsatzes). Danach folgen der Uhren- und Schmuckeinzelhandel und der Elektroeinzelhandel mit jeweils 4,2 Prozent Gewinn. Geringe Renditen weisen – nach Rückgängen im Vergleich zum vorangegangenen Bilanzjahr – der Lebensmitteleinzelhandel sowie der Einzelhandel mit kosmetischen Erzeugnissen (mit je 0,9 Prozent Gewinn vor Steuern) auf.

Steigende Eigenkapitalausstattung

Im Gegensatz zur Ertragssituation verbessert sich die Finanzsituation im Einzelhandel im Bilanzjahr 2017/18. Die Eigenkapitalquote steigt von 34 Prozent im Bilanzjahr 2016/17 auf 35 Prozent im aktuell vorliegenden Bilanzjahr 2017/18 weiter an. Das Eigenkapital trägt dabei zu einer geringeren Krisenanfälligkeit sowie zu einer besseren Bonität bei. 71 Prozent der Einzelhandelsunternehmen verfügen über positives Eigenkapital während 29 Prozent buchmäßig überschuldet sind.

Juweliere mit bester Finanzkraft

Eine überdurchschnittlich hohe Eigenkapitalausstattung weist im Branchendurchschnitt der Uhren- und Schmuckeinzelhandel (45 Prozent) auf. Über dem Einzelhandelsdurchschnitt liegen auch der Einzelhandel mit Bau- und Heimwerkerbedarf (40 Prozent), der Lebensmitteleinzelhandel (38 Prozent) sowie der Einzelhandel mit kosmetischen Erzeugnissen (36 Prozent). Deutlich unterdurchschnittliche Eigenkapitalquoten zeigen sich hingegen im Sportartikeleinzelhandel und im Elektroeinzelhandel. In diesen Branchen liegt die Quote mit 23 Prozent bzw. 21 Prozent deutlich unter dem betriebswirtschaftlichen Mindestrichtwert von 30 Prozent.

Verbesserung über letzte Dekade

Sowohl die Ertrags- als auch die Finanzsituation haben sich im Einzelhandel in der letzten Dekade verbessert. Die durchschnittlichen Gewinne (vor Steuern) sind von 1,5 Prozent des Netto-Umsatzes im Bilanzjahr 2007/08 auf 3,0 Prozent im Bilanzjahr 2017/18 angestiegen. Der Anteil der Einzelhandelsunternehmen in der Gewinnzone hat sich in diesem Zeitraum von 53 Prozent auf 65 Prozent erhöht. Der Langzeitvergleich zeigt aber auch, dass die Gewinne im Einzelhandel in der letzten Dekade deutlich unter den Umsatzrenditen der marktorientierten Gesamtwirtschaft in Österreich liegen. Im arithmetischen Mittel der Bilanzjahre 2007/08 bis 2017/18 weist der Einzelhandel Gewinne (vor Steuern) in Höhe von 2,2 Prozent auf, während in der Gesamtwirtschaft Renditen von 3,9 Prozent erzielt werden konnten. Damit liegen die Gewinne im Einzelhandel im Langzeitvergleich um rd. 45 Prozent unter jenen der Gesamtwirtschaft.

10-Jahresvergleich: Auch Finanzkraft verbessert

Die Eigenkapitalausstattung der Einzelhandelsunternehmen hat sich in der letzten Dekade verbessert. Während die Einzelhandelsunternehmen im Bilanzjahr 2007/08 „erst“ 25 Prozent ihres Vermögens mit Eigenkapital finanzierten, trifft dies im Bilanzjahr 2017/18 bereits auf 35 Prozent zu. Auch der Anteil der überschuldeten Unternehmen ist im Einzelhandel von 42 Prozent im Bilanzjahr 2007/08 auf 29 Prozent im Bilanzjahr 2017/18 zurückgegangen.
Die Ertrags- und Finanzsituation hat sich im heimischen Einzelhandel während der letzten zehn Jahre verbessert. Auf Grund der hohen Wettbewerbsintensität zählt der Einzelhandel jedoch nicht zu den ertragsstarken Wirtschaftssektoren in Österreich.

Methodik

Die Analyse zur Ertrags- und Finanzsituation der Einzelhandelsunternehmen in Österreich basiert auf Sonderauswertungen der Bilanzdatenbank der KMU Forschung Austria von 8.853 Bilanzen von Unternehmen aller Größenklassen (inkl. Großunternehmen) im Einzelhandel (Abteilung 47 der ÖNACE 2008) für das aktuell auswertbare Bilanzjahr 2017/18 (Bilanzstichtage zwischen 1.7.2017 und 30.6.2018) und 11.189 Bilanzen für das Bilanzjahr 2016/17. (Revidierte Daten für das Bilanzjahr 2016/17 auf Basis eines größeren Datenbestands).

 

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