OeNB-Kreditmonitor: Zinsen sind weiter gesunken

24.Juli 2019

Die österreichischen Kreditnehmer profitieren vom Wettbewerb zwischen den Banken und vom niedrigen Zinsumfeld: Die Zinsen für Kredite sind weiter gesunken.

Das gilt allerdings nur für Kunden guter Bonität, die bisher keine Probleme mit Rückzahlungen hatten. Das zeigen die Ergebnisse der vierteljährlichen OeNB-Umfrage über das Kreditgeschäft im Euroraum, in der führende Banken nach ihren Einschätzungen gefragt werden.

Geringere Margen

Die an der Umfrage teilnehmenden Banken gaben an, dass der anhaltende Wettbewerbsdruck zu geringeren Margen bei neu abgeschlossenen Krediten an Unternehmen und neu abgeschlossenen Wohnbaukrediten an private Haushalte geführt hat. Margen sind Aufschläge auf Referenzzinssätze (wie z.B. den Euribor) und bestimmen gemeinsam mit diesen die Höhe der Kreditzinsen. Niedrigere Margen senken die Kreditzinsen und begünstigen die Kreditkunden, drücken aber die Zinserträge der Banken.

Leichter Rückgang bei Unternehmenskrediten

Die Jahre von 2016 bis 2018 waren nicht nur von sinkenden Margen gekennzeichnet, sondern auch von einer äußerst starken Nachfrage nach Unternehmenskrediten. Die sich derzeit abschwächende Investitionsdynamik schlägt sich auch in der Entwicklung der Kreditnachfrage nieder. Im ersten Quartal 2019 kam es – ausgehend von einem hohen Niveau – zu einem Rückgang, im zweiten Quartal stagnierte die Nachfrage nach Unternehmenskrediten auf dem Niveau des Vorquartals. Für das dritte Quartal 2019 erwarten die an der Umfrage teilnehmenden Banken eine Fortsetzung der Stagnation.

Gute Bonität als Voraussetzung

Vom wettbewerbsbedingten Druck auf die Margen berichten die Banken bereits seit 2016. Dadurch günstiger gewordene Kreditkonditionen kommen allerdings nur Kunden mit entsprechender Bonität zugute. Für risikoreichere Kredite sowie für Konsumkredite und sonstige Kredite an private Haushalte haben die Banken die Margen nicht gesenkt.

Nullzinspolitik bleibt Haupttreiber

Auch wenn die Margen ab 2016 kontinuierlich reduziert worden sind, werden die derzeit im langfristigen Vergleich außergewöhnlich niedrigen Kreditzinsen jedoch vor allem durch die Geldpolitik des Eurosystems verursacht. Das Zinsniveau hat sich – infolge der Senkungen der Leitzinsen ab Oktober 2008 und der unkonventionellen Maßnahmen des Eurosystems – deutlich nach unten verschoben. Die Zinsen für Neukredite an Unternehmen sowie an private Haushalte für Wohnbau sind seit Oktober 2008 um etwa 4 Prozentpunkte gefallen. Der Referenzzinssatz Euribor, an den viele variabel verzinste Kredite gebunden sind, ist seit Februar 2016 in allen Fristigkeiten negativ.

Kreditrichtlinien stabil

Abgesehen von den gesunkenen Margen blieben die Kreditbedingungen (Konditionen des Kreditvertrags) insgesamt im zweiten Quartal 2019 weitgehend unverändert – sowohl im Unternehmenskunden- als auch im Privatkundengeschäft. Die Kreditrichtlinien (interne Kriterien der Banken für die Kreditvergabe) für Unternehmenskredite wurden seit Mitte 2015 kaum geändert. Hier kam es aber im zweiten Quartal 2019 zu einer Verschärfung der Richtlinien für Kredite an private Haushalte (Wohnbaukredite sowie Konsum- und sonstige Kredite) aufgrund einer gesunkenen Risikotoleranz der Banken. Bei Wohnbaukrediten waren die Richtlinien auch schon im ersten Quartal 2019 verschärft worden.

Mehr Wohnbaukredite

Im Privatkundengeschäft (Wohnbaukredite, Konsumkredite und sonstige Kredite) hat sich die Kreditnachfrage seit Ende 2017 kaum verändert. Für das dritte Quartal 2019 wird jedoch ein Anstieg der Nachfrage nach Wohnbaukrediten erwartet.

Weniger notleidende Kredite

Schließlich wurden die an der Umfrage teilnehmenden Banken noch zum Einfluss notleidender Kredite befragt. Diese spielen für das Kreditvergabeverhalten der österreichischen Banken keine Rolle. Der Anteil notleidender Kredite an den Gesamtkrediten ist in Österreich niedriger als im Durchschnitt des Euroraums bzw. der EU insgesamt (siehe Supervisory Banking Statistics der EZB und EBA Risk Dashboard).

Methode

Die Zentralbanken des Euroraums – in Österreich die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) – führen gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank (EZB) seit Anfang 2003 viermal jährlich eine Umfrage über das Kreditgeschäft im Euroraum durch, um ihren Informationsstand über das Kreditvergabeverhalten der Banken, die Kreditnachfrage von Unternehmen und privaten Haushalten, sowie sonstige die Geldpolitik betreffende Themen zu verbessern. Dabei wurden zuletzt 144 führende Banken aus allen Ländern des Euroraums befragt, darunter acht Institute aus Österreich.

 

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