Studie: Warum die tierärztliche Versorgung in AUT schwächer wird

24.Juni 2019

Die Demografie macht Probleme: Von den aktuell aktiven 3.100 TierärztInnen Österreich gehen in den kommenden fünf Jahre überproportional viele in Pension. Eine IHS-Studie befürchtet Probleme mit der tierärztliche Versorgung am Land. 

Im Jahr 2017 gab es in Österreich etwa 3.100 aktive TierärztInnen. Das sind um 300 mehr als noch im Jahr 2010. Mit 0,36 TierärztInnen pro 1.000 Einwohner liegt die TierärztInnendichte in Österreich (Stand 2014) geringfügig unter dem europäischen Durchschnitt von 0,38. In Deutschland liegt der Wert bei 0,33. Wie auch in den meisten europäischen Ländern ist der Frauenanteil auch unter den TierärztInnen in den letzten Jahren stark gestiegen: Der tierärztliche Berufsstand war bis in die 1990er Jahre männerdominiert. 2017 waren bereits 58% der TierärztInnen Frauen und 80% der AbsolventInnen des Diplomstudiums Veterinärmedizin sind Frauen. Tierärztinnen sind unter den Freiberuflern und im Nutztierbereich allerdings noch unterdurchschnittlich repräsentiert.

Mehrere Auftraggeber

Im Mittelpunkt der von Tierärztekammer, VetMed und Sozialministerium in Auftrag gegebenen IHS.Studie steht die Ausbildung und Praxis von VeterinärmedizinerInnen, wobei in der Untersuchung auf die (regionale) Versorgung im Allgemeinen und die Nutztierpraxis im Speziellen eingegangen wurde.

Beruf dominiert durch Selbstständigkeit

Der Anteil an selbstständigen Tierärzten beträgt in Österreich 65% erreicht und ist laut IHS-Studie in den vergangenen Jahren gesunken. Er liegt aber im Vergleich zum europäischen Durchschnitt von 35% weiterhin sehr hoch.

Herausforderungen im Nutztierbereich

Die Studie ortet Rekrutierungsprobleme im Nutztierbereich: „Etwa ein Drittel der VeterinärmedizinerInnen arbeitet in Nutztier- und Gemischtpraxen. Österreichweit ist der Großteil der NutztierärztInnen vor allem in Rinderbetrieben tätig. Im Nutztierbereich wird die aktuelle Versorgung von den VeterinärmedizinerInnen in allen Bundesländern dennoch als eher unterversorgt eingeschätzt. Schwierigkeiten zeigen sich außerdem besonders bei der Besetzung von Not- und Bereitschaftsdiensten. Als Gründe dafür, so die Tierärztekammer, geben TierärztInnen die mangelnde Attraktivität des Arbeitsplatzes an.

Unterversorgung am Land durch Pensionierungswelle

Sorge bereitet der Kammer vor allem die anstehende Pensionierungswelle und damit auch insbesondere die Schwierigkeiten, TierärztInnen in ländlichen und infrastrukturschwachen Regionen zu rekrutieren. Den Umfragedaten zufolge ist im Nutztierbereich aufgrund des relativ hohen Alters vieler NutztierpraktikerInnen in den nächsten 5 bis 10 Jahren mit einer hohen Anzahl an Pensionierungen zu rechnen. Die Nutztierpraxis werde oft, aufgrund der ständigen Erreichbarkeit, Einsatzbereitschaft und schwierigen Vereinbarkeit von Beruf und Familie, unter TierärztInnen mehr als „Lebensform“ und nicht als Beruf beschrieben. Doch der Wandel und Paradigmenwechsel in der Einstellung der TierärztInnnen sei spürbar.

Vetmeduni Vienna startete Initiative für ländliche Regionen

Um weiterhin österreichweit eine bestmögliche flächendeckende veterinärmedizinische Versorgung, auch in abgelegenen Regionen, zu gewährleisten, hat die Vetmeduni Vienna die Initiative VetRegioVetmedAustria ins Leben gerufen: Studierende sollen frühzeitig – etwa durch Praktika und durch wissenschaftliche Arbeiten – mit den ländlichen Regionen vernetzt werden, um sie darin zu bestärken, sich nach ihrem Studium dort niederzulassen. Im Zuge der Initiative wurde bereits eine intensive Kooperation mit dem Land Kärnten ins Leben gerufen. Auch mit den weiteren Bundesländern strebt man eine vertiefte Zusammenarbeit an.

Rückkehr der Absolventen

Als einzige veterinärmedizinische Hochschule in Österreich bildet die Vetmeduni Vienna Studierende aus allen Bundesländern aus: Knapp zwei Drittel kommen aus ländlichen Gebieten, davon kehrt bereits jetzt ein großer Teil als AbsolventInnen in ihre Herkunftsbundesländer zurück. Im Rahmen des Studiums erfahren die Studierenden eine breite Ausbildung, die neben den veterinärmedizinischen Grundlagen ein clinical hands-on Training in den auf fünf verschiedene Tierarten spezialisierten Kliniken umfasst. Besonderer Wert wird außerdem auf die Vermittlung unternehmerischer und kommunikativer Fertigkeiten gelegt.

Tierärztliche Versorgung gesichert

Die IHS-Studie belegt, dass es derzeit und in Zukunft ausreichend viele von der Veterinärmedizinischen Universität Wien ausgebildete TierärztInnen gibt und geben wird und dass lediglich ihre Verteilung in Österreich eine Herausforderung darstellt. Das im Jahr 2005/2006 eingeführte Aufnahmeverfahren führte zu einer markanten Erhöhung der Abschlussquote, die im Jahr 2018 bereits 82% betrug. Seit dem Studienjahr 2010/11 beginnen jährlich rund 200 Personen mit einem veterinärmedizinischen Studium, während es von rund 154 Personen (mit steigender Tendenz) jährlich abgeschlossen wird.

Kooperative Berufsformen im Kommen

War die Arbeitspraxis früher noch stark individualistisch geprägt und durch sogenannte Einzelkämpfer und die Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit von praktischen TierärztInnen gekennzeichnet, so sind heute vermehrt (enge) Kooperationen zwischen Einzelpraxen sowie eine vermehrte Gründung von Gemeinschaftspraxen verbreitet. Die hohe Arbeitsbelastung könne durch eine arbeitsteilige Gestaltung der Arbeitspraxis verringert werden. Zudem steht der Wunsch nach Spezialisierungen innerhalb von Kooperationen, geregeltem Arbeitsaufwand, sozialer Absicherung und besseren Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, im Vordergrund. Inwiefern sich die Tendenz zu mehr Kooperationen und Gemeinschaftspraxen in Zukunft auch in alpinen und weniger tierintensiven Regionen entwickelt, werde sich zeigen, so die Studie.

Mehr Anstellungen

Die Studie zeigt zudem auch eine zunehmende Verschiebung von freiberuflich tätigen „Einzelkämpfern“ zu angestellten TierärztInnen. Diese Entwicklung erfordert eine Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen und eine Neuorganisation der Notfallversorgung für Heim- und Nutztiere. Außerdem sind gezielte Maßnahmen erforderlich, um amtliche Tätigkeiten, wie die Schlachttier- und Fleischuntersuchung z.B. durch eine sozialrechtliche Absicherung attraktiver zu gestalten.“

 

Mehr zum Thema

IHS-Studie: „Tierärztliche Versorgung in Österreich“