50 Jahre Mikrozensus: Wie sich die Berufswelt Österreichs verändert hat

29.April 2019

Die landwirtschaftliche Berufe stellten 1968 die mit Abstand wichtigste Berufssparte. Damals zählten auch Schmiede, Schlosser und Werkzeugmacher sowie Holzverarbeiter zu den zehn größten Berufsgruppen Österreichs. Der Mikrozensus feiert den 50 Geburtstag

Der Mikrozensus, Österreichs größte Haushaltsbefragung, wird 50 Jahre alt. Ausgestattet mit Papier und Kugelschreiber strömten im Frühjahr 1968 erstmals rund 1.000 Interviewerinnen und Interviewer in rund 30.000 Haushalte in Österreich aus, um die Befragung persönlich durchzuführen. 1969 wurden die ersten Jahresergebnisse veröffentlicht. Seit 2004 findet die Befragung überwiegend über ein Telefonstudio statt, rund ein Drittel der Interviews – im Wesentlichen alle Erstbefragungen – werden aber immer noch persönlich durchgeführt. Seit 1968 fanden rund 5 Mio. Interviews statt.

Erwerbstatus 1968 und heute: 16 Prozent mehr Frauen

Der 50-Jahres-Vergleich zwischen 1968 und 2018 zeigt für die Erwerbsbeteiligung: Während bei den Männern (15 bis 64 Jahre) der Anteil der Erwerbstätigen leicht (von 82% auf 75%) gesunken ist, stieg der Anteil an Erwerbstätigen bei den Frauen von unter 50% auf 66% deutlich an.

Weniger Hausfrauen, mehr Studierende

Bei den 20- bis 59-Jährigen wird vor allem der Rückgang der Zahl der Hausfrauen sowie die Zunahme von Studierenden sichtbar. Vor 50 Jahren war in dieser Altersgruppe rund jede zweite Frau erwerbstätig, rund 40% waren sogenannte „erhaltene Personen“ womit im Wesentlichen Hausfrauen erfasst wurden. 2018 waren gut drei Viertel (76%) der Frauen erwerbstätig und lediglich 8% bezeichneten sich als ausschließlich haushaltsführend. Unter den Männern dieser Altersgruppe war vor 50 Jahren die überwiegende Mehrheit erwerbstätig (92%), lediglich 3% zählten zu den erhaltenen Personen (überwiegend Studierende). Heute ist der Anteil erwerbstätiger Männer auf 83% gesunken. Bei Männern und Frauen ist im Zeitvergleich der Anteil der Arbeitslosen angestiegen.

Die häufigsten Berufe 1968 und heute

Die Berufsklassifikation des Mikrozensus haben sich im Laufe der letzten 50 Jahre mehrfach verändert, was direkte Vergleiche nicht möglich macht. Dennoch verdeutlicht ein Zeitvergleich Wandel und Kontinuität in der Berufsstruktur Österreichs. Die größte Veränderung der letzten 50 Jahre zeigt sich im Bedeutungsverlust von landwirtschaftlichen Berufen. 1968 waren landwirtschaftliche Berufe die mit Abstand wichtigste Berufssparte (19%). Rund jede vierte erwerbstätige Frau (25%) und rund jeder siebte Mann (15%) übte einen landwirtschaftlichen Beruf im Ackerbau, Tierzucht oder einen Gartenberuf aus. Heute sind es 4% bei den Männern und 2% bei den Frauen. Kontinuität besteht bei den Männern im hohen Stellenwert von technischen Berufen und Bauberufen und bei Frauen in der hohen Dominanz von Dienstleistungsberufen insbesondere bei Bürotätigkeiten und im Handel.

Viele Schmiede, Schlosser und Werkzeugmacher

Zu den Top-10-Männerberufen zählten 1968 Schmiede, Schlosser und Werkzeugmacher (5%) sowie Holzverarbeiter (4%) – Berufsgruppen, die 2018 kaum noch bzw. nur mit stark verändertem Berufsprofil in Erscheinung treten. Ähnlich erging es den beiden 1968 für Frauen typischen Berufsgruppen der Bekleidungsherstellerin und Textilverarbeiterin (6%) sowie den Haushälterinnen und Hausgehilfinnen (5%). Deutlich zugenommen hat hingegen der Anteil an Frauen, die als Lehrkraft tätig sind (1968 rund 3%, 2018 etwa 8%). Lehrkräfte wiesen vor 50 Jahren ein annähernd ausgeglichenes Geschlechterverhältnis (Frauenanteil 57%) auf; heute ist es mit einem Frauenanteil von 74% ein typischer Frauenberuf.

 

7 häufigste Berufe in 1.000 in %
Männer
Insgesamt 1.926 100
Ackerbau, Tierzucht, Gartenbauberufe 289 15
Bauberufe 195 10,1
Landverkehrsberufe 135 7
Übrige Büroberufe, Verwaltungshilfsberufe 123 6,4
Schmiede, Schlosser, Werkzeugmacher 98 5,1
Händler, Ein- und Verkäufer 90 4,7
Holzverarbeiter 82 4,3
Frauen
Insgesamt 1.226 100
Ackerbau, Tierzucht, Gartenbauberufe 310 25,3
Übrige Büroberufe, Verwaltungshilfsberufe 160 13,1
Händler, Ein- und Verkäufer 144 11,7
Bekleidungshersteller, andere Textilverarbeiter 67 5,5
Haushälterinnen, Hausgehilfen, Hauswarte 58 4,7
Buchhalter, Kassiere und verwandte Berufe 47 3,8
Gebäudereiniger, Rauchfangkehrer 44 3,6